Der letzte Film, den ich gesehen habe

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JackofH
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von JackofH »

gypsy tail wind hat geschrieben: 18 Mär 2026, 14:20 Nach Lino Brocka steht hier dann die Entdeckung von Hong Sangsoo an, den ich noch überhaupt nicht kenne.
Oh, tolles Programm! Da bin ich gespannt auf deine Eindrücke.
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Außerdem gesehen:

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Volver (Regie: Pedro Almodóvar - Spanien, 2006) 6,5/10
Black, White and Blues: Redemption Road (Regie: Mario van Peebles - USA, 2010) 4/10
Faust (Regie: Peter Gorski/Inszenierung: Gustaf Gründgens - BRD, 1960) 8/10
Riti, magie nere e segrete orge nel Trecento... (Regie: Renato Polselli - Italien, 1973) 8/10

Faust fällt filmischer aus als von mir erwartet: Nicht nur zwei, drei Kameras, welche die Theaterinszenierung aus dem Zuschauerraum aufzeichnen und zwischen Totale und Halbtotale wechseln, sondern ebenso Nahaufnahmen, recht häufige Blickwinkeländerungen und dezente Kamerafahrten. Dazu ein sehr stimmiges Bühnenbild, reduziert, doch ausdrucksstark und selbst etliche Jahrzehnte später noch frisch. Clasht ein bisschen mit den altertümlich anmutenden Versen, ein Steinbruch für deutschsprachige Künstler jeder Couleur, zu Tode zitiert und gesamplet. Selbst wenn man Goethes Vorlage nicht gelesen hat, erkennt man etliche Stellen des Textes wieder - womöglich aus anderen Kontexten. Bleibt noch zu sagen: Gründgens Mephisto ist eine Schau! (Goethe reimt tatsächlich "Haus" auf "Maus".)

Schwarze Messen, bunte Lichter. Schöne Frauen, grausame Männer. Polsellis fast plotloser Vampir- und Hexenfilm hypnotisiert den Zuschauer durch psychedelischen Sound und passgenauen Schnitt, pulsiert eher dem Finale entgegen, als dass er sich erzählt. Die italienische Filmzensur ließ den Regisseur gleich zweimal antanzen, weil sie niederste Gelüste befriedigt sah, bevor sie eine Freigabe fürs Kino erteilte. Edgar Allan Poe fragte sich, ob es etwas Poetischeres als den Tod einer schönen Frau geben kann. Nun, vielleicht den Tod vieler schöner Frauen? Früh-Siebziger Vibefest, entfernt verwandt mit den zur gleichen Zeit entstandenen Arbeiten von Jean Rollin, doch mit markantem eigenen Einschlag.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
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JackofH
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von JackofH »

Auf Arte: „Das Lehrerzimmer“. Mikrokosmos Schule! Aufwühlende, beißende Sozialkritik! Deutscher Oscarkandidat! (In Fernsehfilm-Anmutung.) Çataks Drehbuch rührt so ziemlich alles zusammen, was der Stoff potenziell an dramatischem Potenzial zu bieten haben könnte. Wurde in dem Moment unterhaltsam, als ich anfing, im Kopf ein entsprechendes Bullshit-Bingo zu starten (beachtliche Trefferquote!) und das Ganze als Satire auf den deutschen Problemfilm zu begreifen. Ist jedoch wohl ernst gemeint. 2/10
Zuletzt geändert von JackofH am 19 Mär 2026, 06:39, insgesamt 1-mal geändert.
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Würde ihn nicht ganz so harsch bewerten, sehe das aber tendenziell ähnlich.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

gypsy tail wind hat geschrieben: 18 Mär 2026, 14:20 Weil der schneller altert als Oper, ja ;-) - nein im Ernst, ich mag den durchaus manchmal (hab ihn neulich in jungen Jahren als Sohn einer Nebenfigur in "Homeland", das ich grad binge, wiederentdeckt), aber der ganze Film, irgendwie ... einfach alles, was ich (abgesehen von pipe-bowls Post hier) so mitgekriegt hab. Nach Lino Brocka steht hier dann die Entdeckung von Hong Sangsoo an, den ich noch überhaupt nicht kenne. Ist immer so viel los, dass ich neue Filme eh viel zu oft verpasse.
Schade schade, aber vielleicht wird es ja - wie du sagst in 15 Jahren im Filmclub - eine unverhofft erfreuliche Erfahrung. :)

Bei Hong wünsche ich dir viel Vergnügen, ein ganz toller Regisseur. Wie kein anderer Name ist seiner bei mir mit meinen Erfahrungen bei der Viennale verknüpft. Von meiner ersten Viennale 2015 bis 2020 habe ich praktisch jedes Jahr mindestens einen Film von ihm gesehen, in einem Jahr sogar drei. Der Erstkontakt mit "Right Now, Wrong Then" hat es damals auch in meine letzte Top 200 von 2019 geschafft. Von den Werken davor kenne ich ebenfalls einen großen Teil, ab 2020 dafür keinen einzigen mehr, obwohl sich da auch wieder einiges angesammelt hat. Einerseits war ich nicht mehr lange in Wien und damit bei keiner Viennale, andererseits ein bisschen übersättigt. Freue mich mittlerweile aber auch schon wieder darauf, Verpasstes nachzuholen. Welche Filme stehen von ihm am Programm? :dance:
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Ich hatte einmal ein Gespräch über Hong mit meiner koreanischen Kollegin und war doch etwas überrascht zu hören, dass er in Südkorea ziemlich bekannt ist. Bis ich dann erfuhr, dass diese Bekanntheit vor allem von seiner Affäre mit seiner Partnerin und Muse Kim Min-hee rührte, deren Bekanntwerden damals große Wellen schlug.

Apropos: Bei meinen Kollegen aus Taiwan und der Nachfrage nach Hou Hsiao-hsien, Edward Yang und Tsai Ming-liang wurde mir einst mit Nachdruck erklärt, dass man in Taiwan kaum Leute finden wird, die deren Filme (war glaube ich aber eher auf Hou und "A City of Sadness" bezogen, den zwar alle gesehen haben, aber unisono sterbenslangweilig finden) wirklich zu schätzen zu wissen und dass die Filme hauptsächlich gemacht wurden um bei uns Europäern Gefallen zu finden. Diese Einschätzung fand ich irgendwie lustig, musste dann auch erklären, dass diese Filme bei uns auch nicht gerade in jedem Wohnzimmer stehen.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Das Dutzend ist im Link oben zu sehen @Grievous Angel. Im Einführungstext ist von 33 Filmen die Rede, die Retro ist also nicht grad umfassend, reicht aber bis in die Gegenwart mit der Premiere von "Was diese Natur dir sagt" von 2025.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

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latho
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von latho »

Grievous Angel hat geschrieben: 19 Mär 2026, 02:00 Ich hatte einmal ein Gespräch über Hong mit meiner koreanischen Kollegin und war doch etwas überrascht zu hören, dass er in Südkorea ziemlich bekannt ist. Bis ich dann erfuhr, dass diese Bekanntheit vor allem von seiner Affäre mit seiner Partnerin und Muse Kim Min-hee rührte, deren Bekanntwerden damals große Wellen schlug.

Apropos: Bei meinen Kollegen aus Taiwan und der Nachfrage nach Hou Hsiao-hsien, Edward Yang und Tsai Ming-liang wurde mir einst mit Nachdruck erklärt, dass man in Taiwan kaum Leute finden wird, die deren Filme (war glaube ich aber eher auf Hou und "A City of Sadness" bezogen, den zwar alle gesehen haben, aber unisono sterbenslangweilig finden) wirklich zu schätzen zu wissen und dass die Filme hauptsächlich gemacht wurden um bei uns Europäern Gefallen zu finden. Diese Einschätzung fand ich irgendwie lustig, musste dann auch erklären, dass diese Filme bei uns auch nicht gerade in jedem Wohnzimmer stehen.
Wir revanchieren uns mit Maren Ade!
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

gypsy tail wind hat geschrieben: 19 Mär 2026, 05:58 Das Dutzend ist im Link oben zu sehen @Grievous Angel. Im Einführungstext ist von 33 Filmen die Rede, die Retro ist also nicht grad umfassend, reicht aber bis in die Gegenwart mit der Premiere von "Was diese Natur dir sagt" von 2025.
Das wäre natürlich smart gewesen, einfach auf den Link zu klicken - danke für den Hinweis. :D
Zwölf Filme ist auf jeden Fall ein toller Einstieg und von meinen liebsten Werken sind da auch einige mit dabei. Freue mich schon auf deine Eindrücke!
latho hat geschrieben: 19 Mär 2026, 11:40 Wir revanchieren uns mit Maren Ade!
:dance:
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

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Gestern im Kino: Dirty Affair (Gumapang ka sa lusak) (PH 1990) von Lino Brocka - ein Polit-Action-Thriller, ein knalliges (na ja, Digital HD mit Bilddefekten gibt dem ganzen den Touch einer VHS aus den 80ern) B-Movie, Korruption, Armut, Liebe, ein Mädchen und mehrere Pistolen - alles drin. Rachel hat eine Affäre mit einem kommenden Politik-Star (er ist schon Bürgermeister), seine Frau übernimmt aber im Hintergrund ... Rachels Deal, dass ihre Jugendliebe aus dem Knast kommt, wenn sie die Füsse stillhält, geht erwartungsgemäss schief: er muss dafür den kommunistischen Konkurrenten für die Gouverneurswahl umlegen und hat danach die Jungs des Bürgermeisters auf seinen Fersen ... ein Junge (Wiedersehen mit Pol aus "Macho Dancer") verliebt sich derweil in Rachel, er und seine drei Freunde versuchen zu helfen ... am Ende sind viele tot und die Liebe kann natürlich nichts werden (nochmal "Macho Dancer" eigentlich), aber es gibt immerhin eine finale grosse Abrechnung mit dem Ehepaar Marcos, auf das natürlich der Bürgermeister und seine hintertriebene Gattin natürlich anspielen. Ein Film, der anscheinend nicht fürs europäische Festivalpublikum "sondern für das lokale Massenpublikum, das bereits auf die Vorführungen des Trailers begeistert reagierte und beim Filmstart in Scharen in die Kinos strömte." (Joel David, Ámauteurish!, 15.11.2023 - zitiert im Programm des Filmpodiums).
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