Somi

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sparch
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Somi

Beitrag von sparch »



Am 07.08.2026 erscheint mit What Does It Take To Bloom? das erste Album mit eigenem Material seit 2017. Was man daraus bislang hören kann, klingt schon mal sehr vielversprechend. Ich erwarte nicht weniger als einen Kandidaten für das Album des Jahres.

We're All Falling
So You Want To Be A Woman
Sometimes Love
Wann kommt Horst Lichter mit dem Händlerkärtchen und knallt mich ab?
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Re: Somi

Beitrag von sparch »

2017 erschien das Album Petite Afrique. Im Herbst jenen Jahres habe ich sie dann in Heidelberg live gesehen und es war eines meiner besten Konzerte.

Zum Album habe ich drüben damals einen Text geschrieben, den ich mal hierher rette:

Ist es tatsächlich schon 10 Jahre her, dass ich Somi mit ihrem damals 2. Album Red Soil In My Eyes entdeckt habe? Ein Album, das ich schnell schätzen und lieben gelernt habe, ein außergewöhnlicher Mix aus Soul, Jazz und ihren Wurzeln, die in Ruanda und Uganda liegen. Tatsächlich lebte Somi aber schon damals lange Zeit in New York und danach dann auch mal für längere Zeit in Lagos, um an dem meisterhaften Album The Lagos Music Salon zu arbeiten. Mit klischeehafter Weltmusik hatte das alles allerdings nie etwas zu tun. Für ihr aktuelles Album Petite Afrique ging es wieder zurück nach New York, der Titel bezieht sich auf das Viertel in Harlem, auch als Little Africa bekannt. Dieser Teil New Yorks ist jedoch nur Ausgangspunkt des Albums, das den Bogen deutlich weiter spannt. Hauptsächlich geht es um das Leben von Afroamerikanern im heutigen Amerika, ein Thema, das in Zeiten eines xenophoben Präsidenten hochaktuell ist. Während des Konzertes in Heidelberg fragte Somi scherzhaft, ob wir Trump nicht zurückhaben wollen, da er doch deutsche Wurzeln hat. Eines der Stücke, die davon handeln, ist Alien, eine Adaption von Stings Englishman In New York, das sich Somi hier zu eigen macht. Und es ist schwer beeindruckend, wie sie das tut. Zu dezenten Pianoklängen gesellen sich gedämpfte Drums, die klingen, als wären sie unter Wasser aufgenommen worden und im Verlauf des Albums noch des Öfteren zu hören sind, darüber singt Somi sanft, den Refrain mit tiefer Stimme, ein einziger Gänseschauer. Black Enough stellt dagegen die Identitätsfrage, ob sie für ihren Gegenüber denn schwarz genug sei, präsentiert als eine Art Afrobeat. The Gentry wiederum handelt von der Gentrifizierung des Viertels, all den schicken Wohnungen, die sich die ansässige Bevölkerung nicht mehr leisten kann, die einkehrende Spießigkeit („I can’t play my drums anymore“) und der Erkenntnis „I want it Black I want it back“. Unterstützt wird sie hier von Aloe Blacc. Herzstück des Albums ist jedoch Holy Room, das vom Ruf des Muezzin eingeleitet wird: “Allahu Akbar”. Das mag den ein oder anderen verstören, aber Somi entreißt hier den Ausruf den Terroristen, fügt ihn in ein Liebeslied ein und schafft damit das berückendste Stück Musik in diesem Jahr. Spiritualität und Sinnlichkeit treffen hier gleichermaßen aufeinander und verschmelzen zu 5 Minuten von unfassbar Schönheit. Kurz vor Schluss geht es dann zurück nach Little Africa, in Like Dakar vergleicht Somi das Viertel mit Dakar und Abidjan, angelegt als eine Art Saudade. Liberty Ellman lässt hier seine Gitarre zum Teil wie eine Kora klingen und darüber erklingen dezente Bläser. Am Ende lässt Midnight Angels noch einmal die kulturelle Vielfalt Harlems hochleben.
Somi gelingt das Kunststück, dem superben The Lagos Music Salon ein ebenbürtiges Album folgen zu lassen. Dabei gelingt ihr die Verschmelzung von Soul und Jazz auf der einen und westafrikanischen Spielarten auf der anderen Seite wie derzeit wohl keinem anderen Künstler. Ein wahrlich großes Album.
Wann kommt Horst Lichter mit dem Händlerkärtchen und knallt mich ab?

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