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Musikalisches Tagebuch
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Re: Musikalisches Tagebuch
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Re: Musikalisches Tagebuch
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Re: Musikalisches Tagebuch
Sorry @Jan Lustiger, da habe ich mich mit einem Satz als der Disco und Dance-Analphabet verraten, der ich tatsächlich bin. Danke für die ausführliche Antwort und der fachkundigen Einordnung. Streichen wir das Wort Eurodisco und ersetzen es durch Produktion - die ist auf den genannten Alben einfach nicht mehr so konsequent stimmig und verliert sich in Experimenten- Lowlight ist hier für mich "Europa" - daher vielleicht auch der Reflex mit meiner Assoziation oben.Jan Lustiger hat geschrieben: 07 Jul 2026, 15:43Kann ich nicht nachvollziehen. Zum einen gibt es kein Blondie-Album, auf dem Eurodisco tatsächlich das tragende Element ist - das waren eigentlich immer nur Einzeltracks. Zum anderen geht es dem Eurodisco-Zeitgeist 2026 deutlich besser als seinem Rock- oder auch "New Wave"-Pendant. Autoamerican und vor allem The Hunter würden sich heute deutlich frischer anhören, wenn sie tatsächlich einen stringenten Disco-Einfluss aufweisen würden. Die Weichen dafür, dass jemand heute mit einem Track à la "One Way or Another" einen Hit haben könnte, werden derzeit zwar von Olivia Rodrigo gestellt, aber wie weit die Kreise sein werden, die dieser Impuls zieht, muss sich noch zeigen. Im Vergleich ist es alles andere als lange her, dass "Heart of Glass" Pate für kontemporäre Charterfolge stand. Stichwort: Nu-Disco.kathisi hat geschrieben: 07 Jul 2026, 10:22Kann ich zumindest für die ersten drei Alben unterschreiben - danach läßt es meiner Ansicht halt doch nach und man verzettelt sich im Eurodisco-Zeitgeist. Wobei "Call Me" natürlich ein Knaller ist!Talking Head hat geschrieben: 07 Jul 2026, 10:17 Die Alben von Blondie hören sich auch nach dieser langen Zeit für meine Ohren unglaublich frisch und unverbraucht an. Alle sehr gut gealtert. Kann man nicht unbedingt von jeder Band/jedem Interpreten aus dieser Zeit behaupten!
Madonna feiert gerade ihren vierten (?) Karrierefrühling dank eines Albums, das wiederum an ein anderes Album von ihr anknüpft, das 2005 die logische Überführung von Electrodisco ins 21. Jahrhundert darstellte. Möglich ist das, weil die 2010er die Kanonisierung queerer Dance-Kultur innerhalb eines größeren popkulturellen Kontexts entscheidend vorangebracht haben. Davon hat die Nu-Disco-Welle der frühen 2020er profitiert, die wiederum eine Abkehr von der Dominanz abstrakterer Produktionen im Electronica-Bereich (was Simon Reynolds damals kontroverserweise als "Conceptronica" bezeichnete, aber auch unter dem ungelenken Begriff "Deconstructed Club" firmiert) darstellte.
Zwar ist die Nu-Disco-Ära schon wieder vorbei, beendet mit tatkräftiger Beihilfe von Billie Eilish. Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der Künstlerinnen wie Charli XCX oder Slayyyter übersaturierte Techno-Beats erfolgreich in einen Pop-Kontext überführen (also ein bisschen die Geschichte von elektronischer Musik in den 90ern wiederholen, aber erweitert um eine post-ironische Self-Awareness, die geradezu "2020er" schreit) und mit ihren klanglich wie inhaltlich ungenierten Exzess zelebrierenden Dance-Pop-Dekonstruktionen die Widersprüche, die Nu-Disco und Conceptronica voneinander trennten, aufheben. Letzten Endes hat sich Disco als verlässlicher Träger neuer Impulse innerhalb der Massenkultur der letzten 20 Jahre erwiesen. Oder um Stephin Merritt zu zitieren: "Disco music never died / Everything became discofied"
PS. Der Post ist ein bisschen ausgeufert, aber vielleicht bietet er ja ganz interessante Diskussionsanstöße, also lasse ich ihn mal so stehen.
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Re: Musikalisches Tagebuch
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