Nik Bärtsch / Ronin / Mobile

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Friedrich
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Nik Bärtsch / Ronin / Mobile

Beitrag von Friedrich »

Ich habe Nik Bärtsch und seine Bands Ronin und Mobile erst letztes Jahr und vom hinteren Ende aus - dem damals aktuellen Album SPIN - und einem Konzert im Berliner A-Trane kennengelernt

In diesem Gespräch mit dem geistreichen, eloquenten und humorvollen Musiker erfährt man unter anderem, welche Bedeutung Béla Bartók, Herbie Hancock, Fußball, Aikido und „Wellenmenschen“ für ihn haben:



Deutschlandfunk Zwischentöne vom 14. Dezember 2025: Jazzmusiker Nik Bärtsch „Zuhören ist eine eigene Kunst“

Der Podcast beginnt damit, dass Nik Bärtsch bei seinem Stück Modul 58_12 vom Soloalbum Entendre (2021, deutsch: "Hören") tastend, pulsierend, leicht rhythmisch verschoben, immer wieder den gleichen Ton auf dem Klavier spielt. Redakteurin Maja Ellmenreich: „Wieder und wieder ein und dieselbe Taste auf dem Klavier. Der Schweizer Nik Bärtsch lässt seine Musik oft an einem einzigen Punkt beginnen - und wie durch ein kleines Loch schlüpft man beim Hören ein in eine Klangwelt, die im Lauf der Zeit immer vielschichtiger wird.“
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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Friedrich
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Re: Nik Bärtsch / Ronin / Mobile

Beitrag von Friedrich »

Ich hatte überlegt, ob es Sinn ergibt, hier im Forum ein Thema mit dem Titel „Zwischen den Stilen“ zu eröffnen. In letzter Zeit habe ich oft Musik gehört, die weder in die Schublade Pop noch in Jazz oder Klassik passt. Im Zweifelsfall landet das am Ende in einem Jazz-Thread, denn den Begriff Jazz kann man ja so schön weit auslegen. Nik Bärtschs Musik enthält zwar auch improvisatorische Elemente, vielleicht swingt sie, eher groovt oder pulsiert sie. Aber manchmal scheint sie auch näher an zeitgenössischer Klassik oder Minimal Music zu sein. Zwischen den Stilen halt.

Bild

Ich habe mir inzwischen Nik Bärtschs Solo-Album Entendre aus dem Jahr 2021 auf CD beschafft und mehrmals gehört. Mit der Erwartungshaltung „Jazz“ kommt man da als Hörer nicht sehr weit.

NB baut seine Stücke auch hier aus von ihm so genannten „Modulen“ auf, kleinen komponierten Motiven, die er variiert, kombiniert und als Grundlage für Improvisationen nutzt. Kleine repetitive Patterns, ganz am Anfang sogar nur ein einziger Ton, den er tastend und pulsierend wiederholt. Dieses kleine Motiv wird dann ergänzt und variiert, so dass daraus ein komplexeres Gewebe entsteht. Meist beginnt das ganz vorsichtig lauernd, Nik Bärtsch lässt sich und der Musik viel Zeit und Raum. Manchmal passiert sekundenlang scheinbar(*) immer das gleiche oder sogar mal überhaupt nichts - auch Stille ist hier ein musikalisches Gestaltungmittel - bis sich etwas neu entfaltet, es zu einer Wende oder einen Höhepunkt kommt. Das erfordert beim Hörer manchmal etwas Geduld, Hinhören, ist aber gerade daher spannend, manchmal dramatisch.

So sensibel NB mit Zeit umgeht, so geht er auch mit Klang um. Da wird das Klangspektrum des Flügels weit ausgenutzt, von der nur leicht angeschlagenen einzelnen Taste über perkussives Hämmern bis zum dröhnenden Cluster. Und NB nutzt den Flügel als Klangkörper, mit allem, was er hergibt und bei dem er auch mal in die Saiten greift und auf den Korpus schlägt, dass es klappert. Ich selbst bin HiFi-mäßig nicht besonders gut ausgerüstet, aber diese Aufnahme vermittelt selbst mit meiner Gerätschaft den Eindruck des Flügels als einen riesigen Apparats aus Holz und Eisen, den NB feinfühlig und lustvoll in Resonanz versetzt.



Entendre ist nicht mein erstes Album von Nik Bärtsch und ich würde es auch nicht als Einstieg empfehlen. Es ist aber das erste Solo-Piano-Album von ihm, dass ich kennenlerne. Und obwohl ich schon einen Übersättigungseffekt bei mir befürchtete, ist Entendre für mich als Kontrast zu den Alben in größerer Besetzung (Ronin, Mobile) ein ganz besonderes und inspirierendes Hörerlebnis.

(*) Die kursiven Stellen habe ich nachträglich geändert oder ergänzt. Zu NBs Musik kommen mir oft erst im Nachhinein passende Worte. Sie resoniert lange nach. Und dann merkt man erst: Es ist ein Unterschied, ob "immer das gleiche" oder "scheinbar immer das gleiche" passiert und dass "Stille" auch spannend sein kann.
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