jazz 2026

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gypsy tail wind
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Re: jazz 2026

Beitrag von gypsy tail wind »

Es gibt hier einen Stream vom Konzert von Skyjack im Moods, am 27.4. - bricht ohne Abo nach einigen Minuten ab:
https://www.moods.ch/programm/skyjack-2026-04-27

Vermutlich ist das das erste Set, das ca. 65 Minuten gedauert haben dürfte. Oder ein Zusammenschnitt mit Ausschnitten aus beiden Sets (das zweite war etwas kürzer, das Konzert als Ganzes - mit Pause - dauerte ca. von 20:35 bis 22 Uhr).
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Re: jazz 2026

Beitrag von gypsy tail wind »



Moods, Zürich - 11. April 2026

Angelika Niescier & Mariá Portugal
Angelika Niescier, alto sax / Mariá Portugal, drums & voice

Vor ein paar Wochen war ich im Moods zum Doppel-Duo-Konzert im Rahmen der Aktivitäten zum 40. Geburtstag von Intakt Records - am Vorabend spielten schon das Sarah Büechi Trio und Schlippenbach mit Die Enttäuschung führte mal wieder was aus "Monk's Casino" auf - da konnte ich nicht. Los ging es mit Angelika Niescier und Mariá Portugal, die ich an dem Abend zwar nicht zum ersten Mal hörte - aber zum ersten Mal mit mehr als Klangmalereien zwischen Pianissimo und Mezzoforte. Das Duo spielte Stücke, die zum Teil stark ausgearbeitet und ziemlich virtuos dienten, aber auch als Sprungbrett für intensive Improvisation von Niescier dienten, die mit ihrem hochenergetischen Spiel ein paar Mauern hätte einreissen können (blöd ist das ein Betonbau). Beiden hatten Mikrophone und machten teils längere Ansagen. Niescier betonte die Wichtigkeit solcher Communities und auch des gemeinsamen Spielens und Hörens im Raum - aber wichtiger war, dass Portugal mehrmals sang - verspielte improvisierte Dinge, aber einmal, von einer Phrase von Niescier ausgelöst, auch "Corcovado", den Jobim-Klassiker - in der Pause, an der Bar, als ich Hawkins hallo sagte und mit den beiden Musikerinnen ins Gespräch kam, schämte sich Portugal fast ein wenig, sie habe gedacht, das sei so corny, aber Angelika habe halt diese Phrase gespielt, die aus Jobims Stück hätte kommen können und daher ... im freien Strom der lauten, sich überstürzenden Töne ein fast surrealer Moment. Subtile Musik war das eher nicht, auch wenn in beider Spiel viele Feinheiten und Nuancen zu finden sind.




Moods, Zürich - 11. April 2026

Alexander Hawkins & Hamid Drake
Alexander Hawkins, piano / Hamid Drake, drums

Das zweite Duo war dann natürlich der Hauptgrund für mich, hinzugehen. Hawkins habe ich viel zu lange nicht mehr gehört und getroffen. Das Set war eine grosse Hommage an Louis Moholo-Moholo, über den Hamid Drake auch länger sprach. Der Flow war gut, die Stimmung passte zu den Worten zur Community von Niescier. Es gab ein paar Stücke aus dem Repertoire der Exilanten, eins von der Brotherhood (ich hab nicht rausgekriegt, welches es war, Hawkins wusste es auch nicht, das Set lief wohl auch zu weiten Teilen ohne vorgängige Absprachen ab), und später auch noch "You Ain't Gonna Know Me ('cos You Think You Know Me)", dessen Autorschaft wie es scheint nicht geklärt ist (Feza oder Moholo). Aber klar ist: das Bass-Intro durften zu Moholos Lebzeiten nur zwei Leute spielen: Johnny Dyani und John Edwards. Und da dieser nicht da war (schade eigentlich!), gab es das Stück ohne Intro. Die Rahmentrommel, die auf einem Stuhl in der Mitte der Bühne bereit war, kam nicht zum Einsatz - die Musik blieb über die ganze Stunde zupackend, oft mit einem feierlichen Touch. Neben Worten zu Moholo-Moholo gab es dann - Intakt, klar - auch noch welche zu Irène Schweizer, von der Drake wie er meinte so manches gelernt habe. Und das habe für ihn plötzlich Sinn ergeben, als er hörte, dass sie auch Schlagzeug gespielt hat. Ein tolles Set voller Grooves und Riffs, Melodien aber auch freier Passagen. Drake mal wieder live zu hören war ein Erlebnis: die Freiheit, die er sich nimmt, während der Beat felsenfest durchläuft - das ist alte Schule, auch die Fills, die zu lange dauern und doch am exakt richtigen Ort landen ... manches war atemberaubend, und er erwies sich als mehr denn würdiger Nachfolger für das Duo, das Hawkins mit Moholo bildete (das ich leider als Duo nur ab CD kenne). Und wenn ich das richtig verstanden habe, war das auch das allererste Duo-Konzert der beiden - auf dass mehr davon folgen!

PS/Edit: irgendwann mitten im Set landeten die beiden auch bei John Coltranes spätem Stück "Peace on Earth".

Nach dem Konzert sass Drake länger mit Lucas Niggli auf der Bühne ... Irène Schweizer wäre natürlich auch da gewesen, wenn sie es denn noch erlebt hätte. Niggli hörte ich am Abend drauf dann im Orchestergraben des Opernhauses bei der Aufführung des neuen Neuwirth/Jelinek-Musiktheaters "Monster's Paradise" - und er hatte sehr, sehr viel zu tun und war zweifellos einer der Erfolgsfaktoren der tollen Aufführung. Aber das ist eine andere Geschichte ...



Skyjack - Moods, Zürich - 27. April 2027

Andreas Tschopp, trombone, kudu horn, flutes / Marc Stucki, tenor & soprano sax / Kyle Shepherd, piano / Shane Cooper, bass / Jonno Sweetman, drums

Diese Woche dann die zweite Begegnung mit Skyjack nach einigen Jahren - beim letzten Mal im Abhänge-Club der trendigen Twens, die nicht für die Musik dort waren, und mit Shepherd am Rhodes, weil es dort kein Piano gibt. Dieses Mal vor zwar etwas kleinerem (Montagabend) aber enthusiastischen Publikum im Jazzclub. Was sehr schnell klar wurde: das ist eine echte Band. Die drei Südafrikaner (damals noch mit Kesivan Naidoo an den Drums) und die beiden Schweizer lernten sich 2012 kennen und gingen 2013 zum ersten Mal gemeinsam auf Tour - und seither immer wieder. Alle fünf bringen Stücke mit, sie zelebrieren dabei stets einen reichen, warmen Band-Sound (Stucki spielt die allermeiste Zeit Tenorsax, das heisst es gibt zwei Blasinstrumente in derselben eher tiefen Lage), der stark davon lebt, dass sie alle auch rhythmisch mit allen Wassern gewaschen sind. Coopers Sound (mit Pick-Up) irritierte mich zunächst etwas, aber er braucht ihn, um nicht an die Bassgitarre wechseln zu müssen, um den Druck aufrechtzuerhalten in den funky Stücken, auch bei hohem Tempo durchzudringen: ein enger, etwas flacher, nicht sehr schwingender Sound. Manche der Stücke wirken fast wie Pop-Tunes mit raffinierten Changes und eingängigen Melodien - und auch mit hervorragenden Arrangements, in die nicht nur die Bläser und das Piano sondern auch die Drums und eben der Bass eingebunden werden. Eine normale Jazzband ist das auch in der Hinsicht nicht, dass es ständig von allen Soli zu hören gibt. Man kriegt von allen viel im Lauf des Abends - von Stucki mit seinem wuchtigen Tenorsax, das sich immer wieder ins Falsett hochschraubt und dort auch mal länger bleibt, um dann direkt von Coltrane zu den Barwalkern und Honkern der Vierziger runterzustürzen. Tschopp ist mehr der Lyriker, mit grossem, weichem, warmem Ton an der Posaune, aber auch mit einer hervorragenden Höhe. Und die beiden gönnen sich ihren Platz - das wirkte alles immer sehr kollegial und ergänzend, nie wie ein Wettstreit, wer die hipste Idee hatte oder den abgefahrensten Sound hinkriegte. Bis Shepherd zu hören war, dauerte es etwas länger, aber seine Soli waren allesamt Höhepunkte - er verbindet scheinbar mühelos Grooves und Melodien mit ziemlich abgefahrenen Ideen, immer neu aufgeschichtet, Layer über Layer und dennoch immer in Verbindung mit dem Ausgangsmaterial. Je einmal pro Set war ein Stück von Shepherd zu hören, in dem die alten Cape-Jazz-Rhythmen in neuer Form wieder auflebten. Anderswo klang die Musik eher ein wenig nach einem Update von äthiopischem Funk der Siebzigerjahre. Ein wunderbarer Abend jedenfalls, der erst um 23 Uhr zu Ende war, beide Sets dauerten eine gute Stunde, das zweite inklusive Zugabe wohl etwas weniger lang als das erste, dafür war es nochmal etwas besser.



Jazz im Seefeld, GZ Riesbach, Zürich - 29. April 2026

Django Bates / Mirjam Hässig Duo
Django Bates - piano, synthesizer, electronics, voice, alto horn / Mirjam Hässig - voice, synthesizer, shruti box, little instruments

Christy Doran / Franz Hellmüller Duo
Christy Doran - guitar / Franz Hellmüller - guitar

Auch beim letzten Jazzkonzert am Mittwoch gab es wieder zwei Duos. Leider auch vor etwas weniger Publikum als man sich's wünschen würde. Nils Wogram, der in der Nähe lebt, gehört zum Verein, der diese Konzertreihe organisiert (am letzte Mittwoch im Gemeinschaftszentrum Riesbach, meinem Stadtviertel). Den Auftakt machte ein Duo, das ich im Voraus überhaupt nicht einschätzen konnte. Die Sängerin Mirjam Hässig verfügt über eine schöne Stimme (vermutlich Mezzo oder Alt von der Lage her) und hat mit Django Bates ein Programm zum Thema Enden zusammengestellt, das zwischen Performance, Liederabend, Pop, nahezu klassischen, jazzigen Momenten und und elektronischer Musik changiert, sich aber mühelos zu einem Ganzen fügt. Bates spielte Klavier und Synthesizer mit unterschiedlichsten Sounds, spielte Samples und auch mal Beats vom Laptop zu, pfiff ein paar Male und sang auch ab und zu mit, mal summend als Begleitung, mal im Dialog oder als zweite Stimme zu Hässig. Und gegen Ende des Sets griff er auch zu seinem Althorn. Hässig hatte ebenfalls einen kleinen Synthesizer dabei für Beats, Samples und Riffs dabei, auch ein Tablett, dessen Akku etwas zu früh leer war - "this is the end of my i-pad" sang sie, als ihre Samples plötzlich wegbrachen, dazu eine Shruti-Box und ein paar kleine Objekte (eine Vogelpfeife und sowas). Ein Highlight war die Rhiannon-Giddens-Variante von Paul Simons "American Tune" oder auch eine surrealistische Version von "My Way".

Das zweite Set war dann gradlinig, Ein Gitarrenduo mit recht klar verteilten Rollen: Hellmüller, der ehemalige Schüler, spielte den Lead und die Mehrzahl der (bzw. die längeren) Soli, Doran, der einstige Lehrer, begleitete etwas leiser (und anders verstärkt bzw. mit anderen Saiten - bei Hellmüller hörte man ständig die Finger auf den Saiten herumrutschen - da brauchte es etwas, bis mich das nicht mehr störte), aber natürlich sehr gekonnt. Die Stücke stammten glaub ich allesamt von ihnen beiden, das Set wirkte so, als hätten sie schon oft zusammengespielt - auch ein false start brachte sie keine Sekunde aus der Fassung. Virtuose, oft mitreissende Musik, aber am Ende sind zwei (verstärkte) akustische Gitarren die konventionell gespielt werden halt doch nicht so richtig mein Ding. Das erste Set gefiel mir gerade ob seiner Vielfalt und der einen oder anderen Knalltüten-Idee deutlich besser.
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Re: jazz 2026

Beitrag von vorgarten »



jason moran, blankfor.ms, marcus gilmore, shards (2026)

musik für klavier, drums und schattenelektronik. klingt nochmal sehr viel organischer & bandgemäßer als das debüt, aber das schreiben ja alle. natürlich macht moran die hauptarbeit, aber gilmore erfindet oft aus dem stand interessante patterns, die sich nicht nach vorne schieben, und der elektronikkünstler schneidet mit, loopt, verfremdet, das alles live und sehr subtil - und tatsächlich ergibt sich eine form des zusammenspiels, die etwas neues schafft. ein großes spektrum hier, von gehämmerten grooves bis zu sehr zarten fragilen figuren im pianissimo - am ende zitiert (?) moran das "motherless child", am anfang rollt es vom klavier aus wie bei ellington. könnte vielleicht auch was für @Friedrich sein, der ja bei den neuigkeiten eher nach fast-jazz oder sachen sucht, die über jazz hinausgehen, wenn ich das richtig einordne.

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Re: jazz 2026

Beitrag von gypsy tail wind »



Red Norvo - The Secret Session | Die CD wieder zu hören war seit dem V-Disc-Marathon vor ein paar Wochen im Plan ... und mit auf die Musik der Vierziger eingestimmten Ohren habe ich die CD tatsächlich nochmal anders gehört, mehr Details und Nuancen, Bezüge usw. erkannt. Die Dreiviertelstunde oder so ist echt gut, die Band sehr gut eingespielt und mit viel Varianten im Sound - was auch an den Kompositionen und den Arrangements liegt, die möglicherweise von Johnny Thompson, Eddie Sauter sowie Norvo und Rogers stammen. Rogers spielt die Trompete, Eddie Bert die Posaune und Aaron Sachs ist an Klarinette und auch mal Altsax dabei. Der Pianist ist nicht gesichert (Hank Kahout ist die Vermutung), Bass und Drums sind wieder prominent und genau passend für so eine Swing-Band mit mehr als einem Fuss im modernen Jazz: Clyde Lombardi und Specs Powell. Da und dort klingt die Band etwas nach Ellington - was viel mit Eddie Bert zu tun hat, der mir hier hervorragend gefällt. Das Klangbild mit Xylophon (kein Vibraphon hier) und Klarinette, aber auch einer Quasi-Dixieland-Frontline, bietet echt viel und ist auch in einer eigenen Welt unterwegs, wie es sie im modernen Jazz kaum je wieder gab (wenn Dolphy mit Hutcherson auf "Out to Lunch" die Bassklarinette spielt ... moderner Jazz mit mehreren Bläsern aber - quasi - keinem Sax ist ja echt nicht oft zu hören).



Mike Westbrook - The Piano in the Room and the Blues | Gestern lief dann noch diese neu erschienene Piano-Solo-Scheibe von Mike Westbrook, dem vor ein paar Wochen verstorbenen englischen Pianisten. Es handelt sich um die dritte Veröffentlichung (nach einer Ayler-CD mit Live-Aufnahmen - das Fass ist jetzt leergekratzt - von Ende 2025 und dann einer Hot Five/Hot Seven-Compilation ... mehr ist erschienen, siehe hier - ob nun alay (oder aiay, was zu Hat Hut passen täte - ich Tippe eigentlich auf ALbert AYler, aber das Verwrrspiel ist sicher gewollt) oder thingamajig der Labelname ist, weiss ich nicht, vom Design her hätte ich auf letzteres getippt, die Website legt ersteres nahe - er vertickt die, vermutlich wegen einer Konkurrenzverbotsklausel beim Verkauf neulich - bisher nicht in der Schweiz). Eine Aufnahme von 2006 aus dem Falmouth Arts Centre ist das, wo Bilder von Kate ausgestellt wurden und im Foyer ein gestimmter Konzertflügel stand und die Akustik stimmte. Westbrook äusserte sich selbst dazu für die Liner Notes:
“I didn’t realise it at the time, but this recording, made in 2006, marked a change in my musical thinking. All the elements came together – my roots, the use of blues structures and the lifelong search for expression in music. I had unlimited time to think, to return again and again to a subject, to dig deeper into the blues. Falmouth is a large town by the sea in Cornwall. This recording was made at Falmouth Arts Centre on the Steinway grand in the main gallery where my wife Kate had a show.The beautiful sound of the room, the Steinway itself, the footsteps, conversations, the echoes of the street outside were all part of the improvisation. So too were Kate’s paintings on the gallery walls. ‘Art Music’ in fact.”
Das sind wunderliche Aufnahmen - sie swingen nicht, aber sie haben Drive. Er spielt den Blues, aber selten in 12 Takten (sondern in 8 oder in 16 und mit eigenen, erweiterten Changes - das taten die ganz alten Blueser ja alles auch). Die Musik ist unvirtuos und dennoch alles andere als einfach - und zugleich ist vieles so catchy, dass mir einzelne Motive schon nachlaufen. Zum Einstieg gibt es viermal den achttaktigen "Carillion Blues", an Jimmy Yanceys "Death Letter Blues" orientiert und dem Kollegen Danilo Terenzi gewidmet. Dann folgen "Blues Changes" Nummer 1 und 2 (da spielt er eine 12taktige Form), danach je zweimal an Stücke von Bessie Smith angelehnte Titel: den "Empress Blues" in 16 Takten (inspiriert von "Good Old Wagon") und den "'Runaround Blues" (48 Takte, von "Young Woman Blues" angeregt). Den Ausklang macht dann "Sunday Morning", das auf der Hülle als "no bar blues" bezeichnet wird. Das ist arranger's piano (oder composer's piano?) und wie immer bei Westbrook zugleich viel mehr als das. Toll!
Zuletzt geändert von gypsy tail wind am 07 Mai 2026, 07:14, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: jazz 2026

Beitrag von gypsy tail wind »

Ich hole das mal hier rüber:
vorgarten hat geschrieben: 07 Mai 2026, 07:03
gypsy tail wind hat geschrieben: 06 Mai 2026, 21:31

Jason Moran / BlankFor.ms / Marcus Gilmore - Shards | Das Cover wär ja fast ein Grund gewesen, das auf LP zu kaufen ... aber gut, heute kam die CD an und das Album ist im Player und verzaubert mich schon nach wenigen Minuten sehr. Die Interaktion zwischen den zwei Instrumenten und der Elektronik wirkt organisch und das Ergebnis gefällt mir klanglich hervorragend. Muss bald mal wieder den Vorgänger anhören, bei dem ich nicht so eine schnelle und deutliche Reaktion hatte.
beim vorgänger fand ich die arrangements unausgewogener, die drums fast als afterthought. man merkt, dass sie zwischenzeitlich öfter live miteinander gespielt haben.
Danke, das leuchtet mir total ein ... das neue Album ist wirklich ein Wurf, völlig aus einem Guss und mit unglaublich schönen Stimmungen (analog zum Cover, das mir auch total gefällt).

Jetzt muss ich dann endlich mal das Solo-Album von Moran in Ruhe hören, hab's neulich am BC Friday endlich gekauft, nicht mehr nur im 128 kbps-Stream auf Bandcamp.
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Re: jazz 2026

Beitrag von Friedrich »

vorgarten hat geschrieben: 05 Mai 2026, 16:48

jason moran, blankfor.ms, marcus gilmore, shards (2026)

musik für klavier, drums und schattenelektronik. klingt nochmal sehr viel organischer & bandgemäßer als das debüt, aber das schreiben ja alle. natürlich macht moran die hauptarbeit, aber gilmore erfindet oft aus dem stand interessante patterns, die sich nicht nach vorne schieben, und der elektronikkünstler schneidet mit, loopt, verfremdet, das alles live und sehr subtil - und tatsächlich ergibt sich eine form des zusammenspiels, die etwas neues schafft. ein großes spektrum hier, von gehämmerten grooves bis zu sehr zarten fragilen figuren im pianissimo - am ende zitiert (?) moran das "motherless child", am anfang rollt es vom klavier aus wie bei ellington. könnte vielleicht auch was für @Friedrich sein, der ja bei den neuigkeiten eher nach fast-jazz oder sachen sucht, die über jazz hinausgehen, wenn ich das richtig einordne.

Danke für den Tipp, @vorgarten! Ja, das ordnest Du schon ganz richtig ein. Ich bin musikalisch aktuell gerne "post-genre" unterwegs, wenn man so will.

Habe Shards mal auf meine "Beobachtungsliste" gesetzt und ströme es. Bin zugegeben von einigen einerseits sehr freien und polternden Passagen und andererseits sehr zurückhaltenden und meditativen Passagen etwas irritiert. Sehr improvisiert und tastend klingt das sowieso. Aber mal abwarten. apple music beschreibt Shard knapp mit "Leise aber beharrlich atmende Klänge zwischen Chaos und Struktur".

Beim letzten Stück (eigentlich solo Piano) hätte ich spontan auf ein Angel Eyes-Zitat getippt. Aber das sind nur Melodiefragmente und vielleicht täusche ich mich auch.

Das Cover finde ich auch sehr schön.
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Re: jazz 2026

Beitrag von vorgarten »

Friedrich hat geschrieben: 07 Mai 2026, 14:47
Beim letzten Stück (eigentlich solo Piano) hätte ich spontan auf ein Angel Eyes-Zitat getippt. Aber das sind nur Melodiefragmente und vielleicht täusche ich mich auch.
am anfang läuft die bandmaschine noch mit. und ich höre zweifelsfrei melodiefragmente aus "sometimes i feel like a motherless child", genauer die zeile "a long way from home" mit den entsprechenden akkorden. das stück hat moran ja auch mit archie shepp eingespielt, da sind seine verzierungen ganz ähnlich:

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Re: jazz 2026

Beitrag von gypsy tail wind »

Das fiel mir auch auf – ein sehr schöner Moment!
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Re: jazz 2026

Beitrag von Friedrich »

vorgarten hat geschrieben: 07 Mai 2026, 15:00
Friedrich hat geschrieben: 07 Mai 2026, 14:47
Beim letzten Stück (eigentlich solo Piano) hätte ich spontan auf ein Angel Eyes-Zitat getippt. Aber das sind nur Melodiefragmente und vielleicht täusche ich mich auch.
am anfang läuft die bandmaschine noch mit. und ich höre zweifelsfrei melodiefragmente aus "sometimes i feel like a motherless child", genauer die zeile "a long way from home" mit den entsprechenden akkorden. das stück hat moran ja auch mit archie shepp eingespielt, da sind seine verzierungen ganz ähnlich:

Da hatte ich mich wohl verhört oder konnte das einfach nicht korrekt zuordnen. Die Aufnahme im Duo mit Archie Shepp ist so oder so ergreifend. Amen!
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Re: jazz 2026

Beitrag von gypsy tail wind »



Carla Bley – Joyful Noise (Live In Hamburg 1984) | Lief gestern bereits ... und ist das wieder toll! 1984 war die Band kurz vor ihrem Ende und Bley startete ihre grosse fette Rhythmusgruppen-Band, aber hier sind sie noch dabei: Mike Mantler, Gary Valente, Steve Slagle, Tony Dagradi, Vincent Chancey und Bob Stewart. Das Piano überlässt Bley Ted Saunders, selbst spielt sie Orgel und Glockenspiel und leitet wohl vor allem die Band (inklusive ein paar Fetzen Deutsch in den Ansagen). Steve Swallow ist natürlich am E-Bass das Groove-Zentrum von dem allem und Victor Lewis am Schlagzeug sehr toll. Ich mag von dieser Band wirklich jeden Ton, den ich bisher zu hören gekriegt habe (es sind ein paar grossartige Live-Mitschnitte im Umlauf). Swallow hat einen kurzen Text für das Booklet geschrieben, in dem er berichtet, wie die Band zustande gekommen sei und wie Bley seit "European Tour 1977" das Format wirklich gemeistert habe:
She had assembled a loyal group of somewhat disreputable players, whose disparate personalities she managed to united in the music's interest. A concert by this band seemed always about to explode, were it not for the meticulous order in Carla's writing and the discipline she herself brought to the bandstand. Still, the inmates always seemed about to take control of the asylum. [...] This is a recording of a very good night. Michael Naura, who advocated for jazz for many years at the NDR, was a gracious host; he made us feel valued and we were comfortable. The band is on fire, declaiming the music with absolute conviction. This band didn't party after the gig, it partied on the gig - but it was, as Gil Evans said, a party with a purpose.
Noch bevor die ganzen Resonance- und Elemental-Ausgrabungen eintreffen ein grosses Archiv-Highlight des Jahres!
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