Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

redbeansandrice
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von redbeansandrice »

Da stimm ich zu, dass Dudley Brooks vom historischen Kontext her plausibler ist, weil er nachweislich bei Johnson war, während es für Duke Brooks wenn ich das richtig verstehe keinen Link nach Kalifornien gibt

Die Box liest sich jedenfalls sehr spannend, vorne die Sachen mit Hodes und Rod Cless, dann Lucky Thompson und all das...
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gypsy tail wind
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von gypsy tail wind »

Warum ich dachte, dieser Pianist sei relevant? Weil die Produzenten der Mosaic-Box und Phil Schaap das denken - steht ja da. Ich habe leider keinen Zugriff auf die unterschiedlichen Quellen, die Mosaic für die Diskographie ausgewertet hat (da stehen auch unbestimmte wie Evensmo oder archive.org, so eine Box ist über längere Zeit in Arbeit ... ich würd natürlich hoffen, dass Wenzel seine Recherche dokumentiert hat, aber in den Booklets gibt's natürlich keine Fussnoten zu jeder Session). Auf den Labeln der Cee Pee Johnson-Platten stehen leider keine Namen der Sidemen, aber von irgendwo kommt, dass der Pianist als "E. Brooks" (in "discographies" stehe das so, laut den Liner Notes - ich hab nur meine alte Version von Bruyninckx, wo fast alles inkl. des Pianisten als "unknown" angegeben sind) gelistet sei, nicht als "D. Brooks". Daher meine Folgefrage: wie wäre denn "E." mit Dudley zusammenzubringen? Hiess er offiziell irgendwas mit E? Auf Wiki heisst er "Dudley" oder "Dudley A." - kein E in Sicht. Warum schreibt ihr nicht Scott Wenzel und fragt nach?
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von redbeansandrice »

Die Frage ist, ob die Überlieferung "E. Brooks" ist, was eher für St Louis spricht oder "Duke Brooks", was zunächst mal beide sein können, wobei dann Dudley doch naheliegender ist... Natürlich kann man das alles auch irgendwann Scott Wenzel fragen, aber vorher wär ich mir gern sicherer, nur weil irgendwas überraschend ist, muss es ja nicht falsch sein...
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thelonica
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von thelonica »

Für diesen Release wurde aus Teddy Buckner J. Buckner.

https://www.discogs.com/de/release/2240 ... o-Lonesome

Hier nochmal das Zitat:
...he was close to young Miles Davis. he dies young. He's an important ALMOST ENTIERLY UNRECORDED UNDOCUMENTED pianist. You may have a major find" (Schaap zit. von Wenzel)
Das "you may have" macht einen großen Unterschied. Vor lauter Begeisterung wurde die Entdeckung gar nicht mehr genauer (?) untersucht?
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gypsy tail wind
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von gypsy tail wind »

Mag schon sein, woher soll ich das wissen? Warum nicht einfach ein Mal schreiben: info@mosaicrecords.com - vielleicht hat Wenzel ja wirklich noch mehr Quellen dazu ausgegraben und denkt, das "may have" treffe zu? Sonst ist der Absatz im Booklet definitiv nicht optimal eingebettet.
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gypsy tail wind
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von gypsy tail wind »



Etta Jones nahm wie oben erwähnt schon am 29. Dezember 1944 (unter Leonard Feather) in New York eine erste Session für Black & White auf. Die Band, geleitet von Barney Bigard, nahm am selben Tag auch allein vier Stücke für Black & White auf - im 12"-Format, letztere im 12"-Format. Bei Jones sitzt Feather selbst am Klavier, dazu kommen Joe Thomas (t), Bigard (cl), Georgie Auld (as, ts), Chuck Wayne (elg), Billy Taylor (b) und Stan Levey (d) - eine spannende Mischung aus Swing- und Bop-Musikern. Jones singt vier Blues-Nummern, die alle von Feather stammen - drei waren Hits in den Versionen von Dinah Washington: "Salty Papa Blues", "Evil Gal Blues" und "Blow Top Blues" (die ersten beiden auf den Tag genau ein Jahr zuvor mit einer Combo unter Lionel Hampton für Keynote eingespielt, der "Blow Top Blues" war dann wirklich ein Hampton-Titel mit Washington als Sängerin, auf Hamptons Label Decca, aufgenommen im Mai 1945, also nach der Version von Jones). Als viertes Stück ist noch "Long, Long Journey" zu hören. Die Session ist weniger interessant als die zweite - aber Jones schlägt sich gut und es gibt da und dort hübsche Begleitungen von Thomas, Bigard und Auld. Der Saxophonist wird bei der Bigard-Session auf der einen Platte als Co-Star gelistet. Los geht es noch mit Feather am Klavier in seinem langsamen "Blues Before Dawn", dann übernimmt Cyril Hayes (der u.a. 1937 für Irving Mills' Variety Label aufgenommen hat, von Ende 1973 bis 1943 mit den Savoy Sultans spielte und für Decca aufnahm, später Hauspianist war im Café Society, dem Onyx und anderen New Yorker Clubs). Trompeter Joe Thomas hat seine Phrasierung und seine Time bei Louis Armstrong abgeschaut hat, aber etwas ganz anderes draus machte - keine Feuerwerke sondern pure Poesie. Auld hier auch am Altsax hören zu können, ist toll. Bigard hat einen tolle Ton und weiss, wie er ein hübsches Solo spielen kann - ohne dass er je wirklich tiefer gehen würde oder echt gute Idee hätte. Eine Art Kunst der Oberfläche - aber die wirklich in bewundernswerter Vollendung. Und dass es hier - wie oft bei Feather - bluesig zu und her geht, kommt ihm ganz klar zu gute. "Poon-Tang" ist Bigards Stück, das Tempo jetzt hoch, Levey dropt ein paar Bombs (sein Debut im Studio wie es scheint), Hayes spielt ein viel interessanteres Piano als der umtriebige Produzent, und Auld spielt ein wuchtiges erstes Solo am Tenorsax, seinem Hauptinstrument. Thomas dann am offenen Horn und klarem Ton, und wie immer mit einem Ohr für Melodien. Hayes' Solo ist zwar in Wilson (und Waller, nehme ich an) verwurzelt, aber passt doch hervorragend in den Sound dieser Swing-to-Bop-Band. Auld folgt dann gleich nochmal am Altsax, dann Wayne an der Gitarre, bevor Bigard den letzten Spot für sich beansprucht, von Levey und Riffs der anderen angetrieben. Bemerkenswert auch der Beat von Taylor am Bass - immer präsent, der Maschinenraum dieser Combo. Es folgt das entspannte "Nine O'Clock Beer" (Frank Davenport) mit exzellentem Auld, der hier ein wenig an Ben Webster erinnert, und superbem Bigard. Zum Ausklang gibt es dann den "How Long Blues" von LeRoy Carr mit Auld am Altsax und dem Leader erneut so gut, wie man ihn überhaupt zu hören kriegt (das ist nicht wenig, aber Tiefgang hatte er halt einfach nicht - musste in einer grösseren Band oder bei den Armstrong All Stars auch nicht jeder mitbringen).



Eine Woche später, am 5. Januar 1945, trafen die Musiker um Barney Bigard sich wieder mit Feather im Studio - doch mit zwei entscheidenden Veränderungen: Joe Thomas (ts) ersetzt Auld, am Klavier übernimmt kein geringerer als Art Tatum - und die Gitarre entfällt. Eine inspirierte Idee, die Feather hier umgesetzt hat. "Can't Help Lovin' That Man" mit den beiden Joes im Lead - Trompete mit dem Thema, Tenorsax mit Schnörkeln darum herum und dann dem ersten Solo (eine seltene Gelegenheit, den Lunceford-Sideman als Freelancer zu hören) - ist der erste Titel der Session, für die man leider wieder zum 10"-Format zurückgekehrt ist. Tatum macht sich schon hinter den Bläsern bemerkbar und kriegt dann auch ein paar Takte für eine tolles Solo, bevor der Leader auch noch kurz soliert. "Please Don't Talk About Me When I'm Gone" folgt, von Tatum am Klavier eröffnet und im raschen Tempo und eine weitere superbe Nummer - wieder mit Dialog der Joes und dann mehr Piano und Bigard am Ende, zunächst nur in der tiefen Lage. In "Sweet Marijuna Brown" (Feather) ist Saxer-Joe auch als Sänger zu hören - wie auch bei Lunceford immer mal wieder. Und wie dort, singt er sehr entspannt und durchaus charmant über das damals noch illegale Kraut. Bigard soliert nach dem Gesang einmal mehr ziemlich gut und Tatum folgt - glänzt aber auch in allen vier Stücken mit hervorragender Begleitung. Als Closer gibt es "Blues for Art's Sake" (Bigard-Tatum) mit einem Bläser-Riff zum Einstieg, dann langsames Piano, tolles Tenorsax, gute Klarinette mit viel Pausen, und zum Abschluss nochmal Trompeten-Joe mit einem exzellenten letzten Solo (letztes der Session, er taucht in der Box wieder auf). Die ganze Session definitiv ein Highlight - und für mich heute eine wunderbare neue Entdeckung.

Feather steht auch hinter der nächsten Session in der Box, Mitte Februar 1945 mit der Sängerin Linda Keene produziert. Für mich ein neuer Name, was aber nicht für die meisten Leute aus der Band gilt. Charlie Shavers (t), Aaron Sachs (cl), Joe Springer (p), Remo Palmieri (elg), Clyde Lombardi (b), Eddie Dell (d) - und auf zwei Stücken als Gast noch Red Norvo (vib). Keene (1911-1981) kam in Mississippi als Florence McCory zur Welt, zog mit 16 los, um Sängerin zu werden, borgte ihren Bühnennamen von der Figur von Ginger Rogers in "Shall We Dance". Sie nahm mit Lennie Hayton auf, trat mit Red Nichols, Muggsy Spanier und regelmässig mit Jack Teagarden auf, bevor sie mit der Radio-Show bei NBC, "The Chamber Music Society of Lower Bain Street", weitherum bekannt wurde. Feather wird sie im Radio gehört haben und vielleicht auch im Famous Door an der 52nd Street. Die Band, die er für sie zusammenstellte, bestand hauptsächlich aus Leuten der Red Norvo-Combo der Zeit (vgl. V-Disc-Faden). Dell und Springer sind die weniger bekannten Namen. Springer spielte in den Vierzigern länger mit der Band von Gene Krupa. Keene bringt wie Connee Boswell (auch hier: siehe V-Disc-Faden) oder Helen Humes einen Südstaaten-Sound mit - und singt ziemlich gut in drei Klassikern ("Gee Baby Ain't I Good to You", "I Don't Stand a Ghost of a Chance with You" - mit Norvo - und "I Must Have That Man") sowie einem weiteren Feather-Blues ("Blues On My Weary Mind", wieder mit Norvo).
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thelonica
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von thelonica »

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https://archive.org/details/calauem_004365/mode/2up

Cee Pee Johnson's Band wahrscheinlich mit Buddy Banks am Tenor, Kirtland Bradford, Buddy Collette und Alton Redd

und wahrscheinlich mit Dudley Brooks (etwas verdeckt durch die Hand vom Bandleader) am Piano, den man am Kinn ganz gut erkennen kann (nennt man das Grübchen?) siehe unten. Das Foto mit dem Stempel von RKO Pictures (Copyright 1941) auf der Rückseite wurde 2024 hochgeladen. Das Foto kannte ich noch nicht, es ist aus der Sammlung von Bette Y. Cox, möglicherweise hat es mit "Citizen Kane" zu tun.


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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von gypsy tail wind »

Danke! Hat Dudley Brooks auch mal für B&W aufgenommen? Könnte ja durchaus passen, die waren ja auch im Bereich R&B bzw. RnR bevor man's so nannte, tätigt?

Die eine Frage, die ich aber habe, nachdem ich jetzt auch ein paar Stunden ohne viel Erfolg etwas herumgesucht habe: woher kommt die Idee, dass Dudley Brooks auch den Übernamen "Duke" hatte? Ich hab dazu keinen Hinweis ausser dem deutschen Wiki-Eintrag (und einem Teddy Edwards-Bootleg auf Cool & Blue, dessen Infos dann von Deezer, Shazam und all denen weiterverbreitet werden) gefunden. Gibt es dazu auch noch etwas, was man wirklich als Beleg betrachten kann?

Das hier wäre ein möglicher Beleg, aber dann würde man Miles Davis vorwerfen, eine Falschinformation in die Welt gesetzt zu haben, weil er ja sagt, Emmanual "Duke" Brooks habe mit Red Callender aufgenommen:



https://www.discogs.com/release/1547598 ... eals-To-Me
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von thelonica »

gypsy tail wind hat geschrieben: 03 Mai 2026, 07:59 Danke! Hat Dudley Brooks auch mal für B&W aufgenommen? Könnte ja durchaus passen, die waren ja auch im Bereich R&B bzw. RnR bevor man's so nannte, tätigt?

Die eine Frage, die ich aber habe, nachdem ich jetzt auch ein paar Stunden ohne viel Erfolg etwas herumgesucht habe: woher kommt die Idee, dass Dudley Brooks auch den Übernamen "Duke" hatte?
Gute Frage! Das mit dem Namen könnte sein, weil Brooks mit einer Gruppe von Sonny Greer aufgenommen wurde, für Capitol Records, die Band nannte sich auch Sonny Greer And The Duke's Men. Eigentlich schade, dass Sonny Greer nicht groß raus kam mit tollen eigenen Alben später, aber er bekam nach Verlassen der Ellington Band jahrelang noch Gehalt. Was auch gut und nobel war, aber vielleicht eine gewisse Abhängigkeit schaffte? Vielleicht ein sehr spezieller Deal zwischen den beiden.
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thelonica
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von thelonica »

gypsy tail wind hat geschrieben: 03 Mai 2026, 07:59 Das hier wäre ein möglicher Beleg, aber dann würde man Miles Davis vorwerfen, eine Falschinformation in die Welt gesetzt zu haben, weil er ja sagt, Emmanual "Duke" Brooks habe mit Red Callender aufgenommen:



https://www.discogs.com/release/1547598 ... eals-To-Me
Miles war Anfang 20 und schon in New York als die Platte rauskam, der II. Weltkrieg ging zu Ende. Wenn du dann später hörst, dass ein Jugendfreund beim Abspringen von einem Zug (?) ums Leben kam, denkst du vielleicht anders über so eine Platte und bewahrst diese Erinnerung, obwohl sie vielleicht nicht ganz richtig ist.