Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

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stardog
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von stardog »

Über die Veröffentlichung und die Klangqualität lässt sich natürlich unterschiedlicher Meinung sein. McCoy Tyners Beitrag in „Giant Steps“ ist jedoch mal wieder bemerkenswert.
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lotterlotta
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von lotterlotta »

und wieviel hörst du davon??????
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
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gypsy tail wind
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von gypsy tail wind »

Na ja, man wusste ja um die Quellen und es gab so einiges im Voraus zu lesen, inkl. Links auf Auszüge aus Tiberis Bändern - da find ich jetzt die Beschwerden etwas irritierend. Ist ja auch nicht das erste Mal, dass bei Coltrane Aufnahmen in minderer Qualität herauskommen (man denke z.B. an das Olatunji Concert).

Aber gut, es gibt ja noch einiges mehr - der Jazzdetektiv hat wieder einiges am Start, und von Roy Hargrove ist auch noch was dabei:

Bill Evans - At the BBC with Chuck Israels and Larry Bunker (Elemental Music)
Roy Hargrove - Bern (Time Traveler Recordings)
Joe Henderson - Consonance: Live at the Jazz Showcase (Resonance)
Ahmad Jamal - At the Jazz Showcase: Live in Chicago (Resonance)
Yusef Lateef - Alight Upon the Lake: Live at the Jazz Showcase (Resonance)
Michel Petrucciani - Kuumbwa with Dave Holland and Eliot Zigmund (Elemental Music)
Cecil Taylor Unit - Fragments: The Complete 1969 Salle Pleyel Concerts (Elemental Music)
Mal Waldron - Stardust & Starlight: At the Jazz Showcase (Resonance)
Mal Waldron/Steve Lacy - Play Monk: Ellington & Strayhorn. Live at Yoshi's 1994 (Elemental)

Die CD-Ausgaben kommen am 24.4. bzw. 1.5., wenn dieses Jahr denn wieder alles klappt (letztes Jahr gab's ja teils erhebliche Verzögerungen, die Herbst-Runde kam teils erst im Januar heraus, obwohl sie für irgendwann im November angekündigt gewesen war). Mal schauen, welche lustigen Fehler dieses Mal dabei sind ;-)
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

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redbeansandrice
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von redbeansandrice »

Ich muss zugeben, dass ich bei den Tiberi Tapes ein bisschen auf ein Wunder gehofft hatte, dass mit moderner Technik vielleicht noch etwas mehr hörbar gemacht werden kann; oder dass Tiberis Equipment an einzelnen Abenden deutlich besser funktionierte als an denen, die man von YouTube kannte; oder dass die Originaltapes von Tiberi immer noch besser klingen als die Kopien von Kopien von Kopien auf YouTube.... Und vielleicht stimmt das auch alles ein bisschen, aber dann halt scheinbar doch nicht soo sehr (hab selber noch nichts gehört).

Klar, Tiberi hat diese Tapes wohl in erster Linie gemacht, um Coltrane Soli zu transkribieren, dafür reicht die Klangqualität... Später hat er sie mit dem gleichen Ziel mit seinen Schülern geteilt... Und jetzt hat jeder die Gelegenheit... Und jetzt kann man sagen, die Tiberi Tapes sollten nur für ernsthafte Musikstudenten käuflich erwerbbar sei, weil nur die sie würdigen können... Aber so ein elitäres Konzept ist praktisch nicht so leicht umzusetzen... Und ich persönlich finde es ok, das nicht zu wollen...
redbeansandrice
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von redbeansandrice »

Wegen den RSD Veröffentlichungen, eine weitere, die ganz interessant aussieht, ist McCoy Tyner mit Bobby Hutcherson...
https://recordstoreday.com/SpecialRelease/19895
Aber ich muss zugeben, dass es mir bei fast all diesen Sachen so geht, dass ich die ursprünglichen Diskografien eigentlich noch zu schlecht kenne, um solche Veröffentlichungen von der Seitenlinie zu brauchen, zumal sie ja auch nicht gerade billig sind... That said: Mal wieder Grant Green wäre nett.
soulpope
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Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von soulpope »

https://www.elemental-music.com/inicio/ ... 05212.html

Dank für den Hinweis @ "gypsy" .... nicht dass ich einen Mangel an Duo Aufnahmen dieser beiden Musiker hätte, aber der ggstdl Mitschnitt eine Option .... zumindest ....
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gypsy tail wind
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von gypsy tail wind »

redbeansandrice hat geschrieben: 20 Apr 2026, 09:35 Wegen den RSD Veröffentlichungen, eine weitere, die ganz interessant aussieht, ist McCoy Tyner mit Bobby Hutcherson...
https://recordstoreday.com/SpecialRelease/19895
Aber ich muss zugeben, dass es mir bei fast all diesen Sachen so geht, dass ich die ursprünglichen Diskografien eigentlich noch zu schlecht kenne, um solche Veröffentlichungen von der Seitenlinie zu brauchen, zumal sie ja auch nicht gerade billig sind... That said: Mal wieder Grant Green wäre nett.
An die hatte ich auch noch gedacht ... Tyner kenne ich schon recht umfassend, daher interessiert mich das wohl, falls es denn mal auf CD kommen wird (was bei Red ja nicht auszuschliessen ist, die machten die letzten Jahre ja ein paar Reissues, auch ein paar erweiterte).

Und bei Grant Green (und auch Wes Montgomery) wäre ich auch gerne wieder dabei!
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gypsy tail wind
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Re: Jazz-Neuerscheinungen aus dem Archiv

Beitrag von gypsy tail wind »



Pierre Favre Trio - Bird Food | Erscheint zwar erst Mitte Juni, aber ich hab die CD vorgestern schon in der Post gehabt. Eine halbe Stunde aus dem Radiostudio Zürich mit Irène Schweizer (p), George Mraz (b) und Pierre Favre (d) - ein halbes Jahr bevor das Favre Trio (dann mit Peter Kowald am Bass) sein einziges Album "Santana" einspielte. Vier Stücke sind zu hören, zum Einstieg das von Ornette Coleman, das dem Album den Namen gibt, danach das sperrige "Sounds II" von Schweizer, von der auch die zwei weiteren stammen, "Hinten" und "The Attack". Das bewegt sich alles mühelos zwischen einem Groove, der fast von Herbie Nichols stammen könnte (längere Passagen von "Hinten") bis zu freiem Spiel im Stil von Cecil Taylor, wird dabei stets sehr integriert und eng verzahnt. Ein Beat, ein Puls tauchen auf und verschwinden wieder, das Trio kann swingen und es kann nahtlos ins Freie ausbrechen und wieder zurückfinden.

Schweizer erinnert sich in ihrem Buch an die Zeit, wie sie 1967 Favre kennenlernt, von 1968 bis 1970 mit ihm und Kowald im Pierre Favre Trio unterwegs war. Der Drummer arbeitete im Luzerner Hinterland, in Nottwil, bei Paiste. Er hatte Familie und einen Job - und suchte eine Sekretärin. "Und ich habe gedacht, wieso nicht wieder mal arbeiten, und so kam ich auch zu Paiste." Dort schauten" alle wichtigen Schlagzeuger der Welt" vorbei, es gab "einen riesigen Übungsraum, wo ein Flügel stand und viele Schlagzeuge und Becken: Da haben wir das erste Mal als Duo zusammengespielt und waren beide sehr davon begeistert - wie Pierre spielte, hat mir sofort gefallen. Bei Paiste standen eben mehrere Schlagzeuge rum, und da hab ich mit Pierre manchmal auch im Schlagzeug-Duo gespielt."

Anfangs sei sie gependelt, manchmal kam sie bei Favres Familie unter. Kowald hat davon Wind bekommen: "Eines Tages stand er plötzlich vor der Tür und wollte mit uns im Trio spielen. Pierre war nicht ganz so happy, da er mit diesen deutschen Free-Jazzern eigentlich gar nichts anfangen konnte. Er ist von Brötzmann und Kowald in die Szene reingezogen worden, gewollt hatte er das aber so nicht - eigentlich bis heute noch nicht: Die freie Spielerei hat ihn in der Form nicht interessiert, mit seinen Leuten hat er immer eine ganz andere Musik gemacht. Ich war so zwischendrin und hatte mit Jiří Mráz bereits ein freies Duo. Ich habe schon mehr zur deutschen Free-Jazz-Szene gehört als Pierre, doch wir waren nie der Überzeugung, dass wir denen jetzt nacheifern müssen. Diese Kraftprotzerei hat uns auch eher abgestossen" (S. 77f. in Christian Broecking, "Dieses unbändige Gefühl der Freiheit. Irène Schweizer - Jazz, Avantgarde, Politik").

Favre war schon etwas früher bei Paiste (Schweizer ev. auch, sonst geht die erinnerte Timeline nicht ganz auf) und für die Klangentwicklung und die Kontrolle der Qualität zuständig. "Ich sollte sehr viel reisen und war für Paiste bei allen Festivals. Irène war immer dabei und wir hatten die Chance, zu spielen. Ich reiste mit ihr durch Europa, tagsüber führte ich Schlagzeugspielern das Paiste-Programm vor, und abends haben wir in einem Club gespielt. Ohne Paiste hätten wir das so nicht machen können. Das erste Konzert war 1967 in Ungarn, ich kann mich noch erinnern. Unser Bassist was George Mraz, damals noch Jiří Mráz. Als er in die USA auswanderte, kam Peter Kowald." (ebenda, S. 78) - Dieses Trio war, folgerichtig nach dem, was Schweizer zu Favre sagte, weniger frei als das von Schweizer mit Trepte und Neumeier davor. "Ich hatte Paul Bley entdeckt und die Stücke von Carla Bley habe ich sehr gerne gespielt. Die Art, wie Paul Bley improvisiert hat, fand ich wahnsinnig schön und harmonisch" (nochmal S. 78).

Im Schweizer-Buch wird noch ein Gig in Willisau mit Mraz erwähnt, sechs Tage vor der Radio-Session, also am 13. Februar 1968, in der Kreuzstube - das Publikum soll, so Broecking, "von dieser radikalen Musik schockiert, [Niklaus] Troxler [der Gründer/Leiter des Jazzfestival Willisau und zugehöriger Konzertreihen] hingegen begeistert gewesen sein". Irène war für Willisau insofern zentral, als sie schon Beziehungen nach London hatte und diese Troxler zur Verfügung stellte, um Leute aus London nach Willisau zu bringen (wieder S. 78).

Also: eine höchst willkommen Veröffentlichung - etwas kurz leider, aber so ist das ja oft mit solchen Radio-Aufnahmen. Mraz' Rolle im Trio ist super, er hält vieles zusammen und spielt im Coleman-Stück einen präzisen aber frei wirkenden Part und kriegt auch gleich ein Solo. Favre meint (in den Liner Notes von Bill Meyer): "I think Irene played her best on this album. What I like is that she listened, and I could hear what she played, and we could choose things to do. React, but in a way, you don't react." - In diesem Trio passiert ständig etwas, das Ergebnis ist frische, sehr spontane Musik, die frei mit Formen umgeht. Es wird reagiert und eben auch nicht - manchmal passiert etwas, ohne dass die anderen mitgehen, und das gehört ja gerade auch dazu: "you don't react".
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