1976

Die Siebziger - die Dekade und Einzeljahrgänge
Benutzeravatar
Wopperdaler
Beiträge: 287
Registriert: 06 Dez 2023, 18:57
Wohnort: Wuppertal
Has thanked: 55 times
Been thanked: 37 times

Re: 1976

Beitrag von Wopperdaler »

The Sensational Alex Harvey Band - The Penthouse Tapes ( D -, UK 14, US -)

Heute möchte ich ein Album besprechen, das zum großen Teil aus Coverversionen besteht, aber durch die Interpretationen eine hohe Eigenständigkeit besitzt. Nach ihrem sensationellen Livealbum vom Vorjahr nahm Alex Harvey und seine Truppe ein höchst abwechslungsreiches Album auf, bei dem drei Songs von der Band komponiert wurden, während sieben Stücke Coverversionen waren.

Eigenkompositionen:
I Wanna Have You Back ist ein starker Glam Rock Song mit einer T. Rex ähnlichen Gitarre. Gitarrist Zal Cleminson bezeichnet ihn als Mischung aus T. Rex, Sweet und Gary Glitter, macht Laune.

Jungle Jenny hat Hitpotential und eine ebenso große Glam Schlagseite, mit einem härteren Mott The Hoople Anteil und Cleminson's Gitarre variert zwischen Mick Ronson und Andy Scott.

Say You're Mine (Every Cowboy's Song) ist eine Country Ballade im Hank Williams Style mit einer feinen Slidegitarre.


Coverversionen:
Runaway (Del Shannon) Hier parodiert Harvey sein eigenes Ego und als Liveaufführung war der Song perfektes Rocktheater mit der Band als Kabaretttänzer, einfach nur großartig.

Love Story (Jethro Tull) Eine starke Version des frühen Tull Stückes, der zuerst langsamer als das Original startet, bevor das Tempo erhöht wird und Keyboards, sowie Gitarre sich duellieren.

School's Out (Alice Cooper) Nach einer gesprochenen Einleitung hält sich der Song recht nah am Original, finde ich misslungen und das schwächste Stück des Albums.

Goodnight Irene (Leadbelly) Beginnt mit feinen A-Capella Harmonien und geht in eine swingende Nummer über. Country Rock im Jerry Lee Lewis Stil. So etwas ähnliches machten die Kinks häufig in ihrer Muswell Hillbillies Phase.

Gamblin' Bar Room Blues (Rogers/Alley) Die Band performte eine durchgeknallte Version dieses Songs (im Original von 1933) in der Supersonic Show in voller Kostümierung in einer Bar, bei der Harvey am Ende Cleminson (in seinem Pierrot Kostüm) und Ted McKenna (als Polizist) erschießt.

Crazy Horses (The Osmonds) Eine ziemlich Keyboardlastige Version des Osmonds Klassiker, bei der Harvey gekonnt den Madman gibt.

Cheek To Cheek (Irving Berlin) Dieser klassische Song wurde bei der Christmas Show 1975 im Victoria Theatre/London mitgeschnitten, ein wunderbar swingendes Stück, bei dem man den Spaß regelrecht spürt, den die Band dabei gehabt hat.

Highlights - I Wanna Have You Back, Jungle Jenny, Runaway, Gamblin' Bar Room Blues, Cheek To Cheek
Think I'll sit down and invent some fool - some Grand Court Jester
Benutzeravatar
dengel
Beiträge: 968
Registriert: 04 Dez 2023, 11:40
Has thanked: 21 times
Been thanked: 39 times

Re: 1976

Beitrag von dengel »

Wolfgang, deine Besprechung reizt mich nicht für mehr. Liegt wahrscheinlich an meiner Abneigung gegen Coveralben jeglicher Art.
Benutzeravatar
Wopperdaler
Beiträge: 287
Registriert: 06 Dez 2023, 18:57
Wohnort: Wuppertal
Has thanked: 55 times
Been thanked: 37 times

Re: 1976

Beitrag von Wopperdaler »

dengel hat geschrieben: 26 Mär 2026, 16:43 Wolfgang, deine Besprechung reizt mich nicht für mehr. Liegt wahrscheinlich an meiner Abneigung gegen Coveralben jeglicher Art.
Kann ich verstehen, ich brauche Coveralben auch nicht zwingend, aber hier macht es die Mischung, abwechslungsreich und recht weit von den Originalen entfernt.
Think I'll sit down and invent some fool - some Grand Court Jester
Benutzeravatar
Talking Head
Beiträge: 369
Registriert: 05 Dez 2023, 16:27
Wohnort: Berlin Spandau
Has thanked: 43 times
Been thanked: 73 times

Re: 1976

Beitrag von Talking Head »

Hm, @Wopperdaler, kenne ich noch nicht und mich hat deine Rezension der Penthouse Tapes neugierig gemacht. Höre ich mir mal an und werde dann berichten.
Das Leben als Pensionär ist einfach nur geil!
Benutzeravatar
Talking Head
Beiträge: 369
Registriert: 05 Dez 2023, 16:27
Wohnort: Berlin Spandau
Has thanked: 43 times
Been thanked: 73 times

Re: 1976

Beitrag von Talking Head »

Peter Baumann – Romance 76 (1976) * * * * *

Im Unterschied zu Tangerine Dream – Stratosfear habe ich dieses Album nicht bei seiner Veröffentlichung, sondern erst etwas später Anfang der 80er Jahre kennen gelernt.

Peter Baumann war zu der Zeit Mitglied von Tangerine Dream und hat maßgeblich an dem Album Stratosfear mitgewirkt.

Er entschloss sich jedoch, fast parallel dazu sein erstes Soloalbum zu veröffentlichen. Einer meiner besten Freunde schleppte das Album irgendwann an, wir legten es auf und ich war fasziniert von den Klängen, die da aus den Lautsprechern strömten.

Das Album hat für meine Ohren auf der ersten Seite sogar die etwas spannenderen Momente und „verliert“ erst auf der zweiten Seite ganz knapp gegen Stratosfear.Ich möchte es allen Fans der reinen elektronischen Musik wärmstens ans Herz legen.
Das Leben als Pensionär ist einfach nur geil!
Benutzeravatar
Talking Head
Beiträge: 369
Registriert: 05 Dez 2023, 16:27
Wohnort: Berlin Spandau
Has thanked: 43 times
Been thanked: 73 times

Re: 1976

Beitrag von Talking Head »

Mich verwundert, dass sich hier noch niemand an den ganz großen Werken des Jahres 1976 versucht hat. Eins davon ist für mich:

Al Stewart - Year Of The Cat * * * * *

Einige Kritiker verdammen dieses Album, denn damit hat sich aus ihrer Sicht Stewart dem Mainstream hingegeben. Ich höre das ganz anders. Kann gut daran liegen, dass ich Al Stewart erst mit diesem Album kennen gelernt habe und mir sein Frühwerk erst in der Retrospektive erschlossen habe.

Das Album eröffnet gelungen mit einem sehr melodischen Lord Grenville, startet dann mit dem vom Klavier eröffneten, von sphärischen Sytheziserklängen begleiteten und einer mörderisch guten Gitarre mit On The Border so richtig durch. Einfach mal tief Luft holen und diesen Track genießen. Weiter geht es mit dem gelungenen Midas Shadow.

Bei Sand In Your Shows wechselt der Stil ein wenig und driftet für meine Ohren tatsächlich sehr in den Mainstream ab. Mit If It Doesn't Come Naturally schaltet Stewart aber gleich wieder einen Gang höher und präsentiert ein deutlich rockigeres Image.

Mit Flying Sorcery geht es wieder in etwas ruhigere Gefilde. Da bleibt Stewart auch im Broadway Hotel, allerdings mit einer Instrumentierung inklusive Geige, die einfach göttlich gut gelungen ist. One Stage Before kommt dann wieder mit diesen atmosphärischen Synthesizern daher und geht in meinen Ohren immer noch runter wie Öl.

Am Ende zelebriert Stewart dann für mich sein Meisterwerk Year Of The Cat. Da passt einfach alles perfekt zusammen. Ein phänomenaler Track, der für immer in meiner TOP 100 seinen Platz finden wird, wie auch das gesamte Album.
Das Leben als Pensionär ist einfach nur geil!
Benutzeravatar
Wopperdaler
Beiträge: 287
Registriert: 06 Dez 2023, 18:57
Wohnort: Wuppertal
Has thanked: 55 times
Been thanked: 37 times

Re: 1976

Beitrag von Wopperdaler »

Electric Light Orchestra - A New World Record (D 7, UK 6, US 5)

In kommerzieller Hinsicht war das Album ihr weltweiter Durchbruch, nachdem der starke Vorgänger Face The Music in den USA Platz 8 erreicht hatte. Der Albumtitel wurde inspiriert durch die Olympischen Spiele 1976 in Montreal, wo Jeff Lynne ständig den Ausruf: "A New World Record" hörte. Die Platte warf drei Hitsingles ab, Livin' Thing, Telephone Line und Rockaria! In den Klassik Rock der Vorjahre mischten sich zeitlose Ohrwurm Pop Melodien, sinfonische Arrangements, elektronische Effekte und Gesangsharmonien, die mehrfach gedoppelt wurden.

Rockaria! ist klassischer Rock 'n' Roll mit einer Opernsängerinnen Einlage. Telephone LIne ist ein wunderbar schwermütiger Song und zeigt textlich die Hilflosigkeit, wenn man auf den Telefonrückruf wartet, der dann nicht erfolgt. Mission (A World Record) hat was von einem Weltraum Soundtrack mit schwerelosen Sounds und dramatischen Streichern. Do Ya ist ein altes Stück von The Move, welches neu aufgenommen wurde und für ELO Verhältnisse ein harter Rocker.
Das Vorzeigestück ist Livin' Thing, sinfonisch, melodisch und mit einem Refrain, der Suchtpotenzial hat. Davon konnte ich mich 1976/77 in meiner Stammkneipe mehr als genug überzeugen, denn der Wirt hat die Platte bis zum Erbrechen gespielt. Livin' Thing ist heute für mich ein typisches Beispiel von einem totgenudelten Song, was natürlich nichts an der Qualität des Stückes ändert. Noch erwähnenswert ist der Albumcloser Shangri-La, eine schöne Ballade mit einem langen dramatischen Orchester Fade-Out.

Highlights - Telephone Line, Rockaria!, Livin' Thing. Do Ya, Shangri-La
Think I'll sit down and invent some fool - some Grand Court Jester
Benutzeravatar
Onkel Tom
Beiträge: 384
Registriert: 04 Dez 2023, 11:42
Has thanked: 54 times
Been thanked: 42 times

Re: 1976

Beitrag von Onkel Tom »

@Wopperdaler

"Year Of The Cat" liebe ich auch sehr. Neben dem Titelsong gefällt mir inzwischen "Midas Shadow" am besten. Das Album liegt bei mir auf Position 10. Und E.L.O. haben es bei mir auch noch in die Top 20 geschafft. Die Liste stelle ich morgen rein.
Benutzeravatar
Hallogallo
Beiträge: 489
Registriert: 22 Jun 2023, 10:34
Has thanked: 378 times
Been thanked: 88 times

Re: 1976

Beitrag von Hallogallo »

Klaatu - 3:47 EST

Die kanadischen Sci-Fi-Fans Klaatu wurden eine zeitlang für die Beatles gehalten. Ich zitiere hier mal das englische Wiki:

Their first album, 3:47 EST (named Klaatu in the US as Capitol Records' executives found the original title too obscure), was released in September 1976, in North America. The band elected to include no photos, no individual musician credits, and no biographical information in the album package; all songs were simply listed as being written and published by "Klaatu."

In 1977, an article published in the Providence Journal by journalist Steve Smith speculated that 3:47 EST could actually be a release by a secretly-reunited Beatles recording under a pseudonym, leading to widespread rumours.[9] These rumours were fueled by a number of factors, including the fact that their album was released by Capitol Records (also the Beatles' label in North America), the lack of artist and producer credits or photographs in the album packaging, Klaatu's avoidance of public performances, and the fact that the group's vocal and musical style was reminiscent of the Beatles.[10] In addition, Ringo Starr's 1974 album Goodnight Vienna had featured cover art with Starr appearing in place of the character Klaatu from the movie The Day the Earth Stood Still.[11] The album as a whole had a Beatlesque sound. Subsequent to the Beatles rumour, the songs "Sub-Rosa Subway" and "Calling Occupants of Interplanetary Craft" became minor hits for Klaatu in 1977. "Calling Occupants" was covered by the Carpenters that same year, becoming a Top 40 hit worldwide.[12][13] https://en.wikipedia.org/wiki/Klaatu_(band)


Schwer nachvollziehbar, wenn man sich das Album anhört. Oder doch nicht? Auch Klaatu nutzen das Studio als Instrument, als Spielwiese für kreativ-experimentelle Versuchsanordnungen, kein Song kommt ungeschoren davon. Aber trotzdem. Die Beatles? Allein schon wegen des Gesangs ist da eigentlich ein vertun. Ab und zu ist das Album aber durchaus beatle-esk. Naja, egal, bizarre Story am Rande, die aber nicht vom Album ablenken sollte, das ist nämlich spitze!

Auch der obskure Eröffnungstrack Calling Occupants of Interplanetary Craft, der auch von den Carpenters gecovert wurde, was noch bizarrer ist, würde ich den Beatles niemals zutrauen.
:sci-fi-beamup:
Was 3:47 EST so toll macht, ist das Zusammenspiel von technischer Könnerschaft, spielerischer Leichtigkeit und Spaß am ungewöhnlichen. Die Band verliert sich aber nie in reiner Effekthascherei. Hinter den Experimenten und Spielereien stehen immer gute Songs, die Spielereien sind immer songdienlich. Ein Muss für jeden, der wissen will, wie viel Magie man 1976 in ein 16-Spur-Tonbandgerät pressen konnte. Macht immer noch Spaß dieses Album zu hören.

*****

http://www.klaatu.org/
We hope you all enjoy the show. And remember, people, that no matter who you are and what you do to live, thrive and survive, there're still some things that makes us all the same. You. Me. Them. Everybody. Everybody.
Benutzeravatar
Onkel Tom
Beiträge: 384
Registriert: 04 Dez 2023, 11:42
Has thanked: 54 times
Been thanked: 42 times

Re: 1976

Beitrag von Onkel Tom »

Celeste - Principe di un Giorno

Von den 111 Alben die ich aus den Jahrgang besitze, habe ich ca. 90 in den letzten Wochen nochmal durchgehört.
Besonders das Album "Principe di un Giorno "der italienischen Prog Band Celeste hat es mir dabei sehr angetan. Die Band hatte sich 1972 in San Remo gegründet und bestand nur einige Jahre. Der Keyborder der Band kam offenbar von einer anderen Prog-Band namens Museo Rosenbach (auch empfehlenswert). In der Zeit ihres Bestehens in den 70er Jahren haben sie dann leider nur ein Album herausgebracht. Die Musik würde ich als Symphonic Prog bezeichnen. Irgendwo las ich auch den Begriff "Pasatoral". Das trifft es m.E. sehr gut. Das Mellotron wird öfter sehr prominent eingesetzt. Auch diverse Blasinstrumente (Flöte aber auch Saxophon) kommen zum Einsatz. Die Songs sind meist ruhig und unaufgeregt angelegt und erinnen mich teilweise an die Genesis der "Trespass" Phase (z.B. Visions of Angels) und die ruhigen Momente von King Crimson und Van Der Graaf Generator ohne deren "Ausbrüche".
In den 1990ern haben Sie dann weitere Alben veröffentlicht und sind offenbar auch heute noch tätig. Diese Alben kenne ich aber bisher nicht.
Das Album höre ich immer wieder gerne und es liegt derzeit auf Platz 11 meiner Jahrgangsliste.