1976

Die Siebziger - die Dekade und Einzeljahrgänge
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Wopperdaler
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1976

Beitrag von Wopperdaler »

Da ich keinen anderen Thread gefunden habe, stelle ich meine Gedanken zu einigen Alben von 1976 hier ein.

In loser Reihenfolge stelle ich Alben vor, die 1976, also vor 50 Jahren erschienen sind.

John Miles - Rebel ( D 44, UK 9, US 171 )
Im März 1976 erschien das Debut Rebel von John Miles, welches im UK auf Platz 9 landete und den großen Hit Music enthielt. Als Produzent des Albums agierte Alan Parsons, bei dem auf den späteren Alben des Alan Parsons Project auch John Miles seine Stimme erklingen ließ. (Tales Of Mystery And Imagination, Pyramid, Stereotomy, Gaudi, Freudiana) Highlights auf Rebel sind: Music, Highfly, Pull The Damn Thing Down und Have It All.

Boston - Boston ( D 4, UK 11, US 3 )
Das Debutalbum des Soundtüftlers Tom Scholz mit seiner Band Boston gilt als Startschuß des melodischen Hardrock und enthielt den All-Time Radio Hit More Than A Feeling. Bis zum Erscheinen des ersten Albums von Guns N' Roses war es das meistverkaufte Debutalbum eines Interpreten. Highlights: More Than A Feeling, Peace Of Mind, Foreplay/Long Time, Smokin'.

Black Sabbath - Technical Ecstasy ( D -, UK 13, US 51 )
Das vorletzte Album der Ozzy Ära in den 70er Jahren läutete langsam den vorübergehenden Abstieg ein. Drogen jeglicher Art und der Tourwahnsinn forderten ihren Tribut, trotz einiger Highlights wie Dirty Women, All Moving Parts (Stand Still), You Won't Change Me und Gypsy.

Uriah Heep - High And Mighty ( D 48, UK 55, US - )
Das letze Album der Kernbesetzung Box, Byron, Hensley in den ersten sechs Jahren. Ähnlich Black Sabbath sank die Popularität der Band im Allgemeinen. Speziell Sänger David Byron war durch seine Starallüren und der Alkoholsucht nicht länger tragbar und wurde nach der Tour zum Album entlassen, freiwillig nahm auch Bassist John Wetton seinen Hut. Highlights waren One Way Way Or Another (der einzige Lead Vocal Beitrag von John Wetton in seiner Heep Zeit) Weep In Silence, Footprints In The Snow und Confession. Interessant sind einige Songdemos von Ken Hensley, die es nicht auf die Platte schafften, es aber anstelle einiger anderer Songs durchaus verdient gehabt hätten. (Name Of The Game, Does Anything Matter, I Close My Eyes)
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Wopperdaler
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Re: 1976

Beitrag von Wopperdaler »

Die nächsten Besprechungen einiger Alben von 1976.

Eloy - Dawn (D -, UK -, US -)

Zu dieser Platte habe ich eine besondere Beziehung, denn bei der Tour 1976 war ich beim Konzert in der Düsseldorfer Philipshalle zugegen. Eloy hatte 1975 mit Power And The Passion ein Konzeptalbum veröffentlicht, in dem schon alle späteren Ingredenzien vorhanden waren. Auch der Nachfolger Dawn ist ein Konzeptalbum und quasi die Fortsetzung des Vorgängers. Das war ein Quantensprung für ihre Karriere, was die großartige Produktion und Instrumentierung mit den drei Neuzugängen Detlev Schmidtchen, Klaus-Peter Matziol und Jürgen Rosenthal betraf, wobei Rosenthal für die Texte zuständig war. Auf diesem Album hört man epischen Rock, packende Melodien und wuchtige und ebenso fließende Keyboards, da konnte man den häufig kritisierten Dialekt von Sänger und Gitarrist Frank Bornemann leicht verschmerzen.
Highlights - Awakening, Between The Times, The Sun-Song, The Midnight Fight/The Victory Of Mental Force.

Das obengenannte Konzert vor vollbesetzen Rängen war sehr professionell und regelrecht bombastisch, was Sound und Licht betraf. Es wurden Highlights aus vier der bis dato fünf veröffentlichten Alben gespielt, das Debut fand keine Berücksichtigung. Höhepunkte waren The Awakening, Between The Times, Gliding Into Light And Knowledge, Midnight Fight, Inside und Mutiny.


Blue Öyster Cult - Agents Of Fortune ( D -, UK -, US 29)

Nachdem die US Band mit ihren ersten drei Alben, auch bekannt als die Black/White Trilogie, nur wenig Erfolg hatte, wurde ihr viertes Album auch dank des Single Hits (Don't Fear) The Reaper ein Hit in den USA. Während sie sich vorher hauptsächlich auf Riff Rock mit psychedischen Einflüssen und mysteriösen Texten stützten, bedeutete Agents Of Fortune einen deutlichen Schritt in Richtung Mainstream. Die Songs wurden eingängiger, melodischer und auch vielfältiger. Das unsterbliche (Don't Fear) The Reaper mit seinem verführerischen Dialoggesang sicherte ihnen auf ewig einen Platz in der Geschichte des Rock.
Highlights - (Don't Fear) The Reaper, E.T.I., The Revenge Of Vera Gemini, Tenderloin.


Golden Earring - To The Hilt ( D -, UK -, US 156)

Meine Lieblingsband aus den Niederlanden hatte 1976 bereits eine recht lange Geschichte hinter sich. ( das erste Album erschien 1965) Im Jahr 1973 hatten sie ihren ersten großen Single Hit außerhalb ihrer Heimat, nämlich Radar Love vom Album Moontan, das als gekürzte Version in Deutschland und dem UK in die Top 10 und in den Staaten auf Platz 13 landete.
1976 erschein dann ihr Album To The Hilt als Nachfolger von Switch. Auf To The Hilt waren sie näher dran am Progressive Rock, neben ihrem üblichen melodischen Hard/Blues Rock mit gelegentlicher Pop Schlagseite. Leider konnten sie damit ihren langsamen Abstieg, was höhere Chartplatzierungen außerhalb der Niederlande betraf, nicht aufhalten. Ich finde die Platte großartig, da sie mal etwas abseits ihrer Erfolgsformel wagten und verstärkt Synthesizer, Saxophon und Streicher in ihre Songs integrierten.
Highlights - Why Me?, Nomad, Sleepwalkin', Latin Lightning.

P.S. In den Niederlanden haben sie bis heute fünf Nummer 1 Singles und neun Nummer 1 Alben.
Zuletzt geändert von Wopperdaler am 08 Mär 2026, 12:35, insgesamt 1-mal geändert.
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dengel
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Re: 1976

Beitrag von dengel »

Zu "To The Hilt": Liegt bei mir bandintern auf Platz 3 und damit weit vor "Switch", aus den Gründen die du genannt hast. Sie wollten mal was anderes machen. War vielleicht nicht kommerziell erfolgreich, aber musikalisch ein Highlight.
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pipe-bowl
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Re: 1976

Beitrag von pipe-bowl »

Zu Golden Earring: Das höre ich anders. Richtig ist, dass die Band nach ihrem besten Album "Moontan" (1973) mit dem Keyboarder Robert Jan Stips neue Wege beschritt. Für mich funktionierte das weder auf "Switch" noch auf "To the hilt" sonderlich gut. Die vier Alben, die zwischen 1970 und 1973 erschienen, höre ich bei weitem lieber. Ich höre auf den beiden Alben von 1975 und 1976 jeweils einen Track, der mir gefällt. Auf "Switch" ist das "Kill me (Ce soir)" und auf "To the hilt" ist imho der mit Abstand beste Track "Nomad". Der große Rest ist für mich wenig begeisternd. Höflich ausgedrückt.

Zu Blue Öyster Cult: Der neben "The reaper" herausragende Track des Albums ist für mich "Morning final".
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Talking Head
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Re: 1976

Beitrag von Talking Head »

Lieber wolfgang @Wopperdaler, schön, was du hier so machst! Ich lese interessiert mit!

Btw. Halte ich Switch für ein sehr gelungenes Album von Golden Earring.
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Onkel Tom
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Re: 1976

Beitrag von Onkel Tom »

Schön, @Wopperdaler. Lese hier mit viel Vergnügen mit.

Bester Song neben dem Reaper ist auf dem besagten Album natürlich "The Revenge Of Vera Gemini". "To The Hilt" gefällt mir auch gut. Bester Song "Sleepwalkin'". Daneben aber noch einige gute bis sehr gute Songs (Why Me?). Das Album hat bei mir stabile ****+, wie auch "Switch".
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Wopperdaler
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Re: 1976

Beitrag von Wopperdaler »

Weiter geht es mit Alben von 1976.

Golden Earring - Contraband (D -, UK -, US 182)

1976 war die Band besonders produktiv, das neue Album Contraband war bereits die zweite LP VÖ in diesem Jahr. Personell gab es Veränderungen, der Keyboarder Robert Jan Stips war nur noch Gastmusiker und als zweiter Gitarrist kam Eelco Gelling von der holländischen Bluesband Cuby & Blizzards zur Band. Der brachte sich gleich dahingehend ein, das er eine großartige Slidegitarre spielte. Die Experimente des letzten Albums wurden abgehakt und man setzte hauptsächlich wieder auf straighten Gitarren Rock. Der exotische Opener Bombay glänzte gleich mit eingängigen Sounds. Ursprünglich hatte George Kooymans hierfür den Titel Mayday erkoren, aber Sänger Barry Hay, der in Indien geboren und aufgewachsen war, fand Bombay passender. Hier ist auch die holländische Backgroundsängerin Patricia Paay zu hören. Auf dem nächsten Stück Sueleen glänzte Eelco Gelling auf der Slidegitarre. Die beiden nächsten Stücke Con Man und Mad Love's Comin' kommen jeweils auf über sieben Minuten Spielzeit. Während Con Man ein klassischer Rocksong war, imponierte Mad Love's Comin' mit einem hypnotischen Gitarrenmotv, welches sich ständig wiederholt. Die Halbballade Fightin' Windmills entwickelte sich zum Live Klassiker. Die letzten beide Stücke Faded Jeans und Time's Up fallen etwas ab, sind aber immer noch gut hörbare Nummern. In den USA wurde die Platte unter dem Namen Mad Love veröffentlicht und der Track Faded Jeans wurde durch I Need Love ersetzt.

Highlights: Bombay, Sueleen, Mad Love's Comin', Fightin' Windmills


Sweet - Give Us A Wink ( D 9, UK -, US 27)

Auf ihrem vierten Studioalbum wollten sich die Glamrocker als Albumband und Hardrocker etablieren. Das gelang ihnen locker und es wurde das härteste Album ihrer Geschichte. Die Single Action erreichte in D Platz 2 und UK/US die Top 20. Die zweite Single The Lies In Your Eyes war weniger erfolgreich, in D Platz 5 und im UK Top 40.
Der Rest des Albums waren brettharte Rocker, die deutlich in Richtung Deep Purple gingen. Gitarrist Andy Scott war ein Bewunderer von Ritchie Blackmore und bei der US Tour 1976 jammte Blackmore auf der Bühne mit Sweet zum Free Klassiker All Right Now.

Highlights: Keep It In, Action, 4th Of July, Yesterday's Rain


Lucifer's Friend - Mind Exploding ( keine Chartsplatzierung)

Es war das vierte Album der deutschen Band mit ihrem britischen Sänger John Lawton, der schon früh in der Musikszene Fuß fasste und der Öffentlichkeit durch seine Mitwirkung bei den Les Humphries Singers bekannt wurde, die restlichen Mitglieder verdienten ihre Brötchen hauptsächlich im Orchester von James Last. Gitarrist und Bandchef Peter Hesslein war damals auch sehr umtriebig , außer bei James Last spielte er unter anderem bei den Les Humphries Singers, German Bonds und den Rattles mit, außerdem war er auf den ersten drei Alben von Marius Müller-Westernhagen zu hören.
Mit Mind Exploding entfernten sie sich vom Stil ihres Vorgängers Banquet, auf dem hauptsächlich Jazz/Fusion vermischt mit Prog und Hard Rock zu hören war. Das neue Album bot wieder mehr Hard Rock mit gelegentlichen Funk Rock und Soul Einschüben. Höhepunkte des Albums waren der Opener Moonshine Rider mit treibenden Gitarren und fetten Chören, die stark an Uriah heep erinnerten, sowie der siebenminütige Song Yesterday's Ideals, das von einem ruhigen Klavierintro, untermalt von Streichern in einen emotionalen Gesangspart von Lawton übergeht, der mit zum Besten, was Lawton als Sänger abgeliefert hat, gehört, nach ca. vier Minuten kommt ein wilder Orchesterpart nebst kurzem Saxophonsolo, bis zum Ende der vorherige Gesangspart wieder aufgegriffen wird. Großes Kino.

Highlights: Moonshine Rider, Fugitive, Free Hooker, Yesterday's Ideals

Jetzt noch die Geschichte, wie Lawton nach der Platte bei Uriah Heep landete. Sänger David Byron war gefeuert worden und es wurde ein Nachfolger gesucht. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Lawton mit Ray Stiles von Mud zusammen und als Mud 1976 in Bremen spielten, gab Lawton Stiles eine Kassette von Mind Exploding mit. Die Roadies von Mud kannten die Roadies von Uriah Heep und diese gaben die Kassette an Ken Hensley weiter, für den nach der Lauschung des ersten Stückes Moonshine Rider feststand, wer der neue Heep Sänger wird. Lawton konnte und wollte nicht ablehnen und wurde im September 1976 der neue Sänger der Briten.
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Re: 1976

Beitrag von Mozza »

Onkel Tom hat geschrieben: 08 Mär 2026, 13:17 Schön, @Wopperdaler. Lese hier mit viel Vergnügen mit.

Bester Song neben dem Reaper ist auf dem besagten Album natürlich "The Revenge Of Vera Gemini". "To The Hilt" gefällt mir auch gut. Bester Song "Sleepwalkin'". Daneben aber noch einige gute bis sehr gute Songs (Why Me?). Das Album hat bei mir stabile ****+, wie auch "Switch".
Bester Song neben dem "Reaper" ist für mich ganz klar der Opener, "This Ain't The Summer Of Love".
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dengel
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Re: 1976

Beitrag von dengel »

Wolfgang, denke die "Mind Exploding" findet den Weg zu mir.
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Re: 1976

Beitrag von dengel »

dengel hat geschrieben: 10 Mär 2026, 17:09 Wolfgang, denke die "Mind Exploding" findet den Weg zu mir.
Vorhin mit einem Kumpel telefoniert. Kommt morgen mit der Platte vorbei und bei einem Bierchen werden wir sie reinziehen.