Ich höre gerade .... Blues

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zoji
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von zoji »

Ich misstraue Dir in dieser Angelegenheit. Du bist so ein Licht-unter-den-Scheffel-Steller. Deinen Wiener Plattenschrank würde ich gerne einmal sehen. ;)

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Disc Three
Und lieg` ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Gu-i-tah-re! Und gebt sie mir mit in mein Grab! (Der rührselige Cowboy, D. Duck)
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zoji
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von zoji »


Roosevelt Sykes: The Honeydripper´s Ball
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zoji
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von zoji »


Tail Dragger & His Chicago Blues Band: Crawlin´ Kingsnake :banana-jumprope:
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von Friedrich »

Ich habe mir dieses Album inzwischen angeschafft:

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Canned Heat and John Lee Hooker – Hooker n’ Heat (1970)

Ursprünglich 1970 eine Doppel-LP, 1991 als Doppel-CD wiederveröffentlicht. Auf der ersten Platte gibt es JLH fast ausschließlich solo, mit „instr. & vocal“ zu hören, Gitarre, Mit-dem-Fuß-Stampfen und Gesang. Bei einigen Stücken kommt Alan Wilson von Heat an der Mundharmonika und am Piano dazu. Auf der zweiten Platte zwei weitere Stücke im Duo bevor der Rest der Band, mit 2. Gitarre, Bass und drums hinzukommt – mit Ausnahme des Sängers Bob Hite. Die JLH-Soloaufnahmen wirken etwas improvisiert und tastend, so als spiele er sich im Studio erst mal warm, in Zwiesprache mit seiner Gitarre. Das ist noch nicht ganz auf den Punkt gebracht und hat manchmal auch Längen, aber es wirkt spontan, lässig und lebendig. Zwischen den Stücken hört man etwas Geplauder und Lachen im Studio. Auf der zweiten Platte verdichtet sich die Musik mehr und mehr, der Groove wird immer mitreißender und beim abschließenden, über 11-minütigen Boogie Chillen No. 2 gibt es kein Halten mehr.

Auch wenn – vielleicht gerade weil – man als Hörer anfangs etwas hingehalten wird, hat Hooker n’ Heat eine tolle Dramaturgie, von skelettartigen Soloaufnahmen bis sich JLH und Heat gemeinsamen in einen Rausch spielen. Und dann sind da noch das Zusammenspiel von Hooker und Heat und der Sound: Alle reiten auf dem gleichen Groove, den JLH mit natürlicher Autorität vorgibt und keiner schiebt sich demgegenüber in den Vordergrund. Vielleicht kann man die Platte so hören, dass Canned Heat sich nach und nach auf Hooker einstellen bis alle auf der gleichen Betriebstemperatur sind. Der Sound ist zupackend, fett und erdig, herb und kratzbürstig. JLHs Stimme, der Klang der Gitarre und der Harmonika klingen wie tief aus den Eingeweiden kommend.

Es gibt auch ein gekürzte Version des Albums (The Best Of Hooker n’ Heat) mit nur 10 der 17 Stücke auf einer CD. Das ist nicht übel, aber ich will einige der hier ausgelassene Solo- oder Duo-Aufnahmen (Send Me Your Pillow, wo JLH zwischendurch nur noch die gedämpften Saiten der Gitarre anschlägt, als sei sie ein Waschbrett, Drifter und Burning Hell mit der tollen Harp von Wilson!) nicht missen. Und irgendwie geht dadurch auch etwas vom Charme und Charakter des gesamten Albums verloren.



Interessant ist auch die Geschichte von Canned Heat: Benannt nach einem alten Blues, der wiederum benannt nach Brennspiritus in Dosen, der eigentlich zum Kochen gedacht ist, aber so manchem Alkoholiker zum Verhängnis wurde. Die Gründer Alan Wilson und Bob Hite waren leidenschaftliche Bluesfans, zunächst Sammler und Hörer alter Platten, später wurden sie selbst Musiker. Als sie Hooker n' Heat aufnahmen, waren sie etwa halb so alt wie JLH. Ich stelle sie mir ungefähr so vor wie den Comic-Zeichner und Blues-Fan Robert Crumb, der völlig nerdig in Trödelläden nach alten 78ern stöbert und über Jahrzehnte eine riesige Sammlung zusammenträgt.

Alan Wilson war hochsensibel, litt unter psychischen Problemen und beförderte sich halb absichtlich, halb unabsichtlich mit 27 selbst ins Grab, kurz vor Veröffentlichung von Hooker n' Heat. Sein Foto hängt auf dem Cover hinten an der Wand. Bob Hite hatte wohl eine robustere Konstitution (psychisch und körperlich, auf dem Cover ist er ganz links zu sehen), was ihn aber nicht davor bewahrte, mit 38 Jahren den Drogentod zu sterben. Das könnte auch Thema eines Blues sein.
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zoji
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von zoji »

Sehr schön friedrich, so höre ich es in weiten Teilen auch, wenngleich es für mich keine Längen hat. Finde Deine Einlassungen immer bereichernd, danke Dir. In jungen Jahren, in den 80ern, habe ich auch deshalb begonnen Blues zu hören, weil ich ihn als maximal unkommerzielle Musik wahrnahm, ich mich wider dem mainstream positionieren wollte und so, blablabla. Irgendwann habe ich die Perspektive schmerzfrei über Bord geworfen, bzw. als für mich irrelevant betrachtet. Dabei war mir auch Hookers kleines Bonmot hier behilflich: If we go for a triple album, we go for the triple money, gefolgt von schallendem Gelächter. Nur schade, dass daraus nichts wurde.

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BYRDIE
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von BYRDIE »

für mich einer der interessantesten und großartigsten Gitarristen:

EARL HOOKER - Smooth Slidin'

Eine Kompilation rarer Songs, eingespielt zwischen 1962 und 1967
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von Friedrich »

zoji hat geschrieben: 03 Sep 2026, 22:07 Sehr schön friedrich, so höre ich es in weiten Teilen auch, wenngleich es für mich keine Längen hat. Finde Deine Einlassungen immer bereichernd, danke Dir. In jungen Jahren, in den 80ern, habe ich auch deshalb begonnen Blues zu hören, weil ich ihn als maximal unkommerzielle Musik wahrnahm, ich mich wider dem mainstream positionieren wollte und so, blablabla. Irgendwann habe ich die Perspektive schmerzfrei über Bord geworfen, bzw. als für mich irrelevant betrachtet. Dabei war mir auch Hookers kleines Bonmot hier behilflich: If we go for a triple album, we go for the triple money, gefolgt von schallendem Gelächter. Nur schade, dass daraus nichts wurde.
Gern geschehen! Hörend schreiben und schreibend hören ...

Ich finde es mutig, dass ein Album wie H n' H in dieser Form veröffentlicht wurde. Die erste Platte in ihrer locker gestrickten Art (so könnte man es auch ausdrücken) hat ja keine Hitqualitäten und ich weiß nicht, ob von H n' H eine Single veröffentlicht wurde. Eher nicht. Canned Heat hatten vor H n' H Hits gehabt und vielleicht hatten sie damit bei ihrer Plattenfirma was gut. Kalkuliert kommerziell klingt das jedenfalls nicht. Aber dass sowohl Heat als auch Hooker von ihrer Musik leben wollten und mussten ist klar und besonders für Hooker war diese Zusammenarbeit sicher auch kommerziell erfolgversprechend. Seinen Scherz kann ich gut verstehen. :D Und tatsächlich ist H n' H auch ein kommerzieller Erfolg geworden. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass heute ein Major-Label sowas veröffentlichen würde.

Blues war eine zeitlang sicher kommerziell orientiert. Die Chess Bros. z.B. waren vor allem Unternehmer und andere Labelbetreiber ebenso. Irgendwann kam Blues aber wohl aus der Mode und wurde zum Nischenprogramm - bis solche Nerds wie Alan Wilson, Bob Hite und irgendwelche britische Bohemiens ihn wiederentdeckten. Aber das weiß ja jeder blablabla ;-)
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von redbeansandrice »


Blues by Lonnie Johnson

Kann ich jetzt schlecht drüben posten, aber ich geb zu: ich kam hierdrauf weil ich die Swingville Serie von Prestige sehr mag, mit tollen Sidemen wie (hier) Claude Hopkins (p) und Hal Singer (ts)...wenn jetzt eine Trompete dabei wäre, wäre es Jazz, so hat man Lonnie Johnson, der Gitarre spielt und recht viel singt... die Band ist perfekt, die Gitarrensoli von Johnson super charmant.... Abzüge für den vielen Gesang, aber ich hab schon angefangen, mich an die Stimme zu gewöhnen...
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von kathisi »

Friedrich hat geschrieben: 04 Sep 2026, 00:10
zoji hat geschrieben: 03 Sep 2026, 22:07 Sehr schön friedrich, so höre ich es in weiten Teilen auch, wenngleich es für mich keine Längen hat. Finde Deine Einlassungen immer bereichernd, danke Dir. In jungen Jahren, in den 80ern, habe ich auch deshalb begonnen Blues zu hören, weil ich ihn als maximal unkommerzielle Musik wahrnahm, ich mich wider dem mainstream positionieren wollte und so, blablabla. Irgendwann habe ich die Perspektive schmerzfrei über Bord geworfen, bzw. als für mich irrelevant betrachtet. Dabei war mir auch Hookers kleines Bonmot hier behilflich: If we go for a triple album, we go for the triple money, gefolgt von schallendem Gelächter. Nur schade, dass daraus nichts wurde.
Gern geschehen! Hörend schreiben und schreibend hören ...

Ich finde es mutig, dass ein Album wie H n' H in dieser Form veröffentlicht wurde. Die erste Platte in ihrer locker gestrickten Art (so könnte man es auch ausdrücken) hat ja keine Hitqualitäten und ich weiß nicht, ob von H n' H eine Single veröffentlicht wurde. Eher nicht. Canned Heat hatten vor H n' H Hits gehabt und vielleicht hatten sie damit bei ihrer Plattenfirma was gut. Kalkuliert kommerziell klingt das jedenfalls nicht. Aber dass sowohl Heat als auch Hooker von ihrer Musik leben wollten und mussten ist klar und besonders für Hooker war diese Zusammenarbeit sicher auch kommerziell erfolgversprechend. Seinen Scherz kann ich gut verstehen. :D Und tatsächlich ist H n' H auch ein kommerzieller Erfolg geworden. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass heute ein Major-Label sowas veröffentlichen würde.

Blues war eine zeitlang sicher kommerziell orientiert. Die Chess Bros. z.B. waren vor allem Unternehmer und andere Labelbetreiber ebenso. Irgendwann kam Blues aber wohl aus der Mode und wurde zum Nischenprogramm - bis solche Nerds wie Alan Wilson, Bob Hite und irgendwelche britische Bohemiens ihn wiederentdeckten. Aber das weiß ja jeder blablabla ;-)
Zu den kommerziellen Aspekten der frühen Bluesszene gibt es dieses tolle Buch - wir kennen die Wurzeln ja nur durch Schellack-Aufnahmen, die dann in den 50er/60er Jahren wiederentdeckt wurden. Und diese Aufnahmen wurden durchaus aus kommerziellen Gründen aufgenommen und vermarktet, z.B. von Möbelfirmen, die Grammophonmöbel an die schwarze Bevölkerung im Süden verkaufen wollten und daher für die Zielgruppe passende Musik bereitstellen mussten.

Elijah Ward - Escaping the Delta: Robert Johnson and the Invention of the Blues

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Love Goes On!
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade .... Blues

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice hat geschrieben: 04 Sep 2026, 09:23
Blues by Lonnie Johnson

Kann ich jetzt schlecht drüben posten, aber ich geb zu: ich kam hierdrauf weil ich die Swingville Serie von Prestige sehr mag, mit tollen Sidemen wie (hier) Claude Hopkins (p) und Hal Singer (ts)...wenn jetzt eine Trompete dabei wäre, wäre es Jazz, so hat man Lonnie Johnson, der Gitarre spielt und recht viel singt... die Band ist perfekt, die Gitarrensoli von Johnson super charmant.... Abzüge für den vielen Gesang, aber ich hab schon angefangen, mich an die Stimme zu gewöhnen...
Auch sehr schön! Genau genommen aus der Prestige Bluesville-Serie.

Das Lonnie Johnson-Album habe ich vor vielen Jahren zusammen mit Alben von Sunnyland Slim, Memphis Slim und Blind Gary Davis vom Grabbeltisch bei Zweitausendeins gekauft. Das war damals spottbillig. Zweitausendeins verscherbelte all die Sachen die zyx / Bernhard Mikulski von Prestige, Riverside und anderen Labels lizensiert hatte. Auch Vinyl, für aus heutiger Sicht lächerlichen Preisen. Vieles davon habe ich noch. Aber wenn man damals gewusst hätte, was man heute dafür zahlt, hätte man eigentlch alles kaufen sollen.

Gehört nur am Rande hierher: Mikulski hat sicher nicht aus persönlicher Leidenschaft für Jazz und Blues gehandelt oder als Kulturbotschafter, sondern hat alles einge- und verkauft, was ein Loch in der Mitte hatte, Musik wiedergab und Gewinn versprach. Aber ohne dass er es wollte, hat er damit viel zu meiner musikalischen Sozialisation und meiner Plattensammlung beigetragen.

Ich lege nach mit

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Sunnyland Slim - Slim's Shout (1960)

Mit King Curtis am Sax.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)