Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

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gypsy tail wind
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

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Das Big-Band Segment umfasst die knapp eineinhalb Stunden - den Schluss von CD 10 und die ganze CD 11 der Mosaic-Box, und beginnt mit einem einzelnen Stück von Will Osborne and His Orchestra, "When the Gooses Come Back to Massachussetts", aufgenommen im Februar 1946 in Los Angeles. Der Solist ist Red Nichols, der am Kornett glänzt (ein ausstehendes Hörprojekt von mir, seine Aufnahmen zu vertiefen). In der Band finden sich sonst wenige Namen, die mir bekannt sind, eigentlich nur Matty Matlock, einer der Saxophonisten, und der Bassist Jack Ryan. Osborne startete als Schlagzeuger, wurde dann aber zum Crooner - und Gesang (von Eileen Wilson allein und im Duett mit dem Leader) wird der Grund sein, warum die weiteren Titel der Session weggelassen wurden. Osborne leitete inn den Dreissigern auch eine Sweet-Band, die zum Tanz in den grossen Ballsälen und Hotels im ganzen Land aufspielte, und leitete auch die Band einer NBC-Radio-Show.

Deutlich prominenter - zumindest für Jazzfans - geht es dann mit den zwei Sessions weiter, die Gerald Wilson and His Orchestra für Black & White gemacht haben. Verantwortlich im Studio war beide Male Norman Granz. In der Band lesen wir diverse klingende Namen. Bei der ersten Session im Februar 1946 sind das z.B. Snooky Young, Hobart Dotson, Melba Liston, Eddie Davis (nicht Lockjaw, der andere), Maurice SImon oder Jimmy Bunn. Bei der zweiten Session vom September 1946 sind die ausser Young und Bunn auch dabei, zudem Al Killian (statt Young) und dazu auch noch Vic Dickenson, Henry Coker, Irving Ashby und Red Callender. Wilson leitete von 1945 bis zu seinem Tod 2014 eine Big Band. Davor hatte er in der Band von Lunceford Sy Oliver abgelöst. Leider gibt es im Text von Vera/Wenzel keine Solisten-IDs, aber da hilft Anatol Schenker, der die Liners zu den beiden Classics-CDs von Wilson (1945-1946 mit der ersten, 1946-1954 mit der zweiten B&W-Session) schrieb. Die erste Session öffnet mit "Cruisin' with Cab" (comp./arr. Wilson) - Bunn am Piano im Wechsel mit dem Blech, dann ein Sax-Tutti, wieder mit Einwürfen vom Blech. Eddie Davis - mit dem etwas eleganteren Ton als Kollege Vernon Slater - spielt das ziemlich gute Solo am Tenorsax, danach, die hohe Trompete stammt dann von Snooky Young (nicht wie Vera/Wenzel schreiben von Killian, der gar nicht dabei ist) und nach Bunn kriegen wir noch kurz das Altsax von Gus Evans. Weiter geht es mit Wilsons Arrangement des Basie-Klassikers "One O'Clock Jump". Bunn spielt das erste Solo mit stark synkopischer Phrasierung, dahinter hört man die Rhythmusgitarre von Buddy Harper. Das Tenorsax ist dann das von Slater, erkennbar am etwas rauheren Ton und den mehr in Richtung R&B-gehenden Strategien (Triller, lange Töne und sowas). Danach ist Melba Liston kurz an der Posaune zu hören und erneut Snooky Young, der in die Höhe geht und das ist immer - immer! - geschmackvoll bei ihm. Danach setzt das Stück mit Bunn quasi neu an, bevor die Bläser nochmal durch das Thema riffen. Ein sehr gutes Arrangement. Von Melba Liston (comp./arr.) stammt dann "Warm Mood", in dem der Lead-Altsaxer Floyd Turnham das Thema spielt - in der Linie von Johnny Hodges und Willie Smith, dem vormaligen Kollegen von WIlson in der Band von Lunceford. Bunn spielt ein feines kurzes Intermezzo, begleitet nur von der Rhythmusgruppe (Bob Rudd-b und Henry Tucker Green-d). Die Session endet mit "Pammy" von Ralph Bledsoe (comp./arr.), der in der Posaunensection sitzt - ein charmantes Riff-Stück, in dem die eh hervorragende Trompten-Section nochmal glänzen darf.

Die zweite Session ist ganz von Wilson arrangiert und beginnt mit seinem "Et-ta" (Wilson - in der 78discoraphy heisst das Stück "Eb-la", bei Discogs fehlen die beiden Platten der zweiten Session, B&W 813 und 814) - ich tippe auf Davis am Tenorsax (Schenker hilft hier leider nicht mehr). In "Pensive Melody" (Wilson) geht es gemütlicher zur und her, wie der Titel erahnen lässt - und das Arrangement ist ziemlich gut. Schde ist das nicht in Hi-Fi-Qualität zu hören mit den sich verschränkenden Linien, der Trompete, der starken Barisax (Simon) und der guten Rhythmusgruppe. Am Ende ist am Altsax wohl wieder Turnham zu hören ist. Für die zwei folgenden Stücke schreibt Schenker, sie seien von Wilson und Melba Liston zusammen komponiert worden, Mosaic sagt aber, "The Saint" sei von WIlson/Snooky Young (Classics sagt in der Trackliste Wilson-Younge-Listen - keine Ahnung, ob der mittlere Name Snooky Young mit Tippfehler sein soll) und "The Moors" wieder nur von Wilson (Classics gibt in der Trackliste nur Liston an). In "The Saint" kriegen wir wieder ein Altsax - hier dann ziemlich sicher Evans, danach gibt es ein Bass-Solo mit Bläser-Begleitung - eine feine Idee. Wilson war als Arrangeur schon zu dieser frühen Zeit exzellent. "The Moors" ist wieder eine Mood-Nummer mit einer offenen und einer gestopften Trompete (Killian und Dotson? Wilson spielt anscheinend selbst nur bei der ersten Session im Satz mit). Das Arrangement ist wieder super, es folgt eine sehr besondere Sax-Passage mit einem mysteriösen Alt und einem grundierenden Bari in der Tiefe, dann ein zurückhaltendes Solo am Tenor (Davis wohl). Beide Sessions Höhepunkte der ganzen Box, keine Frage - aber auch keine Überraschung, weil ich sie seit längerem kenne.

Und mehr schaffe ich heute auch nicht mehr - auch weil ich die Wilson Tracks teils doppelt und dreifach hören musste, so gut, wie sie sind.
Zuletzt geändert von gypsy tail wind am 04 Mai 2026, 21:07, insgesamt 1-mal geändert.
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redbeansandrice
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von redbeansandrice »

dein Landsmann Mario Schneeberger hatte hier angekündigt, die Solisten der Wilson Big Band in den 40ern und Davis im Besonderen gründlich zu untersuchen... auf der Seite hat sich aber leider schon länger nichts mehr getan...
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gypsy tail wind
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von gypsy tail wind »

redbeansandrice hat geschrieben: 04 Mai 2026, 20:52 dein Landsmann Mario Schneeberger hatte hier angekündigt, die Solisten der Wilson Big Band in den 40ern und Davis im Besonderen gründlich zu untersuchen... auf der Seite hat sich aber leider schon länger nichts mehr getan...
Drei schöne Unterfangen ... die Leute, die sich sowas zutrauen, kommen halt in die Jahre oder sind schon weg (Evensmo), das ist bedauerlich.
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Re: Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949

Beitrag von gypsy tail wind »



Schlussrunde - CD 11 der Mosaic-Box mit einer knappen Stunde Musik der Band des Posaunisten Earle Spencer, der hier allerdings nur noch als Bandleader agiert - geboren 1925 (nicht wie mancherorts steht 1926) sei Spencer von September 1943 bis Ende Juni 1945 bei der Navy gewesen, nach seiner Entlassung habe "rheumatic fever" das Posaunenspiel verunmöglicht. Darauf stellte er zusammen mit dem Arrangeur Bob Gillett eine Band zusammen, die zunächst nur als "rehearsal band" funktionierte aber genügend lokalen Support hatte, dass sie im Casino Gardens Ballroom in Ocean Park (Santa Monica) auftreten konnte. Ralph Bass kriegte Wind davon und mochte die Band offensichtlich.

Dass die Musik in die "progressive" Ecke gehört, wird schnell klar. Schon in den ersten Takten des "Concerto for Guitar" denkt man an Boyd Raeburn und noch mehr an Stan Kenton. Vera/Wenzel schreiben im Booklet, die Band sei damals als eine Art "poor man's Stan Kenton" wahrgenommen worden und schiebt in einer Klammer nach: "even the recording engineer's use of reverb makes these discs sound like a Kenton-Capitol record". Es gibt wuchtiges Blech, oft mit Stakkato-Rhythmen, die Trompeten dabei oft in der obersten spielbaren Lage, das ganze klingt irgendwie futuristisch und in seiner Steifheit - auch eine Parallele zu Kenton - manchmal auch irgendwie kubistisch. Spencer sei am 19. September 1973 gestorben, laut seiner Veteranen-Todesakte "struck by a car Wednesday night as he was walking along U.S. 91", südlich von Kanosh, Utah. Eine gute Band, die allerdings trotz dieser Aufnahmen unter dem Radar flog.



Mitte August 1946 lesen wir in der Band sind bei der ersten Session (von fünf, alle bei Radio Recorders in Hollywood aufgenommen, viermal mit Ralph Bass, bei der letzten Session mit Paul Reiner) noch nicht allzu prominente Namen. Tommy Todd (p), Red Callender (b) und Jackie Mills (d) haben wir schon angetroffen, Jack Marshall ist der Gitarrist, der im ersten Stück gleich ein grosses Feature kriegt. Wenzel/Vera meinen, man habe auf den Session-Blättern der Musikergewerkschaft Local 47 (die weisse kalifornische Musikergewerkschaft) alle Namen der jeweils beteiligten gefunden, die Diskographie in der Mosaic-Box sei also so akkurat wie nur möglich). Ralph Lee ist der Tenorsax-Solist in "Bolero in Boogie", dem zweiten Stück (von Paul Polena arrangiert, aber wie viele der Stücke von Spencer/Gillett komponiert, andere sind nur von Spencer, wieder andere von Spencer/Polena/Gillett oder von Spencer/Polena), Paul Lopez der Trompetensolist. In in "Production on Melody" hören wir Todd und Ray Heath, einen der Posaunisten (ehemals mit T. Dorsey, Herman, Goodman), in "Soft and Warm" (arr. Morty Corbb) mit Alternate Take am Ende der CD) kriegen wir Les Robinson am etwas altmodischen Altsax mit grossem Ton (er war davor Lead-Saxer bei Artie Shaw, wir hörten ihn hier ja auch schon). "Lover Man" (arr. Paul Nelson) ist von dieser Session verloren, im Closer "Earle Meets Stan" (arr. Frank Erickson - auf der Tops-LP laut Mosaic fälschlich als "Spenceria" ausgegeben) kriegen wir hauptsächlich die ganze Band. "Diese Stück und der alternate Take von "Soft and Warm" erschienen erst später auf zwei unterschiedlichen 10"-LPs auf dem Label Tops.



Ralph Bass war am 5. und 6. September 1946 hat sich das Line-Up etwas verändert. Al Killian ist im Lead im Stratosphärenregister, Ollie Wilson beim tiefen Blech, und Skeets Herfurt der neue Lead-Altsaxer, während Herbie Steward am Tenor auftaucht. Polena und/oder Milt Raskin spielen Klavier, Tony Rizzi, Artie Shapiro (erster Tag) bzw. Morty Corb (zweiter Tag) und Mills vervollständigen die Rhythmusgruppe und die Sängerin Annette Warren (erster Tag) bzw. der Sänger Bob Hayward (zweiter Tag) stossen dazu, wobei das Stück der Sängerin ("Lover Man") verloren sei (wenn die Master-Nummer nicht doch zu "Spenceria" (arr. Erickson) gehört, das ebenfalls verloren wäre. Bei der zweiten Session gibt es zudem noch zwei Hörner dazu. Drei Stücke wurden auf zweiteiligen 10"-Platten veröffentlicht. Der Opener "E.S. Boogie" (Spencer, arr. Gillett, mit Ensemble Vocal), die "Rhapsody in Boogie" (Spencer, arr. Franck Erickson - Teil 1 am ersten, Teil 2 am zweiten Tag eingespielt) und "Spencerian Theory" (Spencer/Polena/Erickson, arr. Erickson). Die drei Stücke in sechs Teilen erschienen auch auf dem Album "Progressions in Boogie". Nach den Kraftstrotzereien von Teil 1 von "E.S. Boogie" mit Killian im Lead und Polena (so Wenzel/Vera) als Klavier-Solist ist Teil 2 ein schöner Kontrast mit einem langen Solo einem Trompeter, den Wenzel/Vera "Polez" nennen - ein Name, den es im Line-Up aber nicht gibt (Paul Lopez steht nur bei der August-Session drin, was meine Art Vertipper wäre) sowie kurzen Beiträgen von Wilson (tb), einem Tenorsax (Wenzel/Vera schreiben Lee, aber der ist nicht dabei, ich tippe auf Steward, der andere wäre Francis Polifroni) und Killian, der einen guten Kontrast zum Haupt-Trompetensolist abgibt, der am Ende zurückkehrt. "Rhapsody in Boogie" ist viel nachdenklicher - und Wenzel/Vera schreiben wieder, dass Lee der Tenorsolist sei - seltsam. Auch hier gibt es wieder rasendes Piano, die meiste Zeit nicht im Boogie-Stil, eher in einer Art Adaption davon, die in diesen etwas pompösen Rahmen hervorragend passt, dabei aber recht schlank bleibt (ob wirklich Polena oder doch Raskin weiss die Diskographie ja eben auch nicht wirklich, das "or" suggeriert ja auch, dass es nur Raskin sein könnte). Den dritten Zweiteiler "Spencerian Theory" hat Harry Wham arrangiert und darin sind Versatzstücke aus Ravels "Pavane" und Kentons "Artistry in Rhythm" untergebracht. Steward, so Wenzel/Vera jetzt mit korrektem Line-Up neben sich beim Schreiben, sei wohl der Tenor-Solist (der Stil scheint mir durchaus zu den anderen Soli von eher-nicht-Lee zu passen, Steward klingt hat jedenfalls noch all das Blut in den Venen, das manchem Brother später abhanden kam). Dazu gibt es wieder Spots für das Piano und am Ende auch kurz für die Drums. Am zweiten Tag entstand als erstes das Feature für den Sänger Bob Hayward, das hübsche, auch leicht modernistisch daherkommende aber angenehm fliessende "Amber Moon", vom Sänger mit Richard Hazard zusammen komponiert und als B-Seite von "Soft and Warm" veröffentlicht - hier kriegen wir die Hörner zu hören, in einem Arrangement von Morty Corb, dem Bassisten der Session. (Mosaic hat die Stücke nicht nach Master-Nummer/Aufnahmereihenfolge gruppiert, weil sie sonst durcheinander und zweimal Teil 2 vor Teil 1 gruppiert worden wären ... sondern wie auf dem Album und am Ende dann die Gesangsnummer).



Im Oktober 1946 nimmt Spencer schon wieder für Black & White auf. Die Band ist ähnlich besetzt, u.a. mit Al Killian als Lead der fünf Trompeten, Ollie Wilson und Ray Sims im jetzt fünfköpfigen Posaunensatz, Les Robinson (as), Ralph Lee und Don Lodice (ts) bei den Saxophonen, dazu Hal Schaefer (p), Mike Bryan (g), Corb oder Shapiro (b) und Sam Weiss (d) - Lodice (ehemals mit Bunny Berigan und Teddy Powell) und Schaefer (als Jazzpianist in L.A. aktiv und wie Phil Moore Stimmcoach in Hollywood, u.a. für Marilyn Monroe, Judy Garland oder Jane Russell) sind Veteranen, die Wenzel/Vera herausstreichen. Im ersten Stück, "Five Guitars in Flight" von Arv Garrison, stösst dieser mit seinem E-Gitarren-Quintett dazu: Barney Kessel, Irving Ashby, Tony Rizzi und Gene Sargent sind die anderen. Die Gitarren - schon im "Concerto for Guitar" - sorgen natürlich für einen weiteren Aspekt im "progressiven" Soundgewand dieser Band. Garrison ist der Solist und Al Killian kriegt auch ein typisches Solo in der hohen Lage. Das nächste eingespielte Stück, die "Polychronic Suite" (arr. Paul Nelson), ist leider verloren. Weiter geht es mit "Gangbusters" (Spencer) wurde vermutlich von Polena arrangiert und wir kriegen Lee (ts) und Schaefer (p) zu hören - und Killian, der über den Ensembles schwebt. Vom "Piano Interlude" (Spencer/Polena, arr. Gillett) gibt es wieder zwei Takes, der erste erschien au der rechts abgebildeten Tops-LP. Killian spielt hier hohe und "sweet" Trompete, dazu kriegen wir wohl wieder Lee und Schaefer, der altmodischer klingt als die Pianisten davor, während der Bass im ganzen Stück sehr aktiv agiert.

Die letzte Session fand im Februar 1949 statt - produziert von Reiner, da Bass bereits zu Savoy gewechselt hatte. Buddy Childers (t), Harry Betts und Jimmy Knepper (tb), Art Pepper (as), Tony Ortega (ts), Laurindo Almeida (g) sind hier die bekannten Namen (Wenzel/Vera nennen auch Herb Geller, aber in der Diskographie steht Bob Lively als Lead-Altsaxer). "Oh You Beautiful Doll" öffnet mit souveräner Trompete von Childers (nicht so gepresst und kraftstrotzend wie Killian) über einer Art Trad-Band-Arrangement, zu dem dann auch der Band-Gesang später passt. Wenzel/Vera schreiben, das Arrangement stamme von Dexter Culbertson (der als Dane Dexter auch als Trompeter wirkte, z.B. bei der Navy-Session von 1946 aus Hawaii mit einem gewissen John Coltrane am Altsax) - aber in der Diskographie steht zu dem Stück kein Arrangeur. "Jazzbo" (comp./arr. Paul Nelson) ist eine Hommage an Al Collins ("Jazzbo", später "Jazzbeaux"), der an beiden Küsten populären D.J. - ein Ton-Poem in vielen Farben und einem schönen Flow mit ein paar Akzenten vom Pianisten Shannon Fletcher - hier und auch schon im ersten Stück der Session ist auch eine Klarinette zu hören, bei der die Session-Logs leider auch nicht weiterhelfen (Lively und Pepper spielten beide auch Klarinette). In "Sunday Afternoon" (arr. Nelson) steht die Sängerin Toni Aubin im Mittelpunkt, die ist ziemlich gut und klingt, wie Wenzel/Vera schreiben, ein wenig wie June Christy. Wenzel/Vera schreiben auch, die "melody" sei von Spencer, in der Trackliste steht "?. Seely-?. Blackburn). Das letzte Stück ist dann "Box Lunch" (comp./arr. Nelson). Ein einfaches Riff wird wiederholt, dazu ein rollender Beat (Roy Hall ist der Drummer hier), bis dann Childers' Trompete sich erhebt und die Saxophone riffen (nicht zum ersten Mal mit prominentem Bari, hier gesielt von Howard Phillips).

Echt bedauerlich, dass diese Band so unbekannt geblieben ist ... bei Fresh Sound gibt es eine Doppel-CD mit diesen Aufnahmen und Live-Aufnahmen auf der zweiten CD - und die wird, eine grosse Ausnahme, im Mosaic-Booklet sogar erwähnt, weil Pujol wohl einiges an Infos zusammengetragen hat, bei denen sich Vera/Wenzel vermutlich auch mal bedienten. Davor gab es die Aufnahmen auch auf LP bei der International Association of Jazz Record Collectors IAJRC.

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