Kann das nachvollziehen, aber urteile auch milder. Die letzte Episode in Paris fand ich echt schön und auch berührend, die mittlere mit der krass dysfunktionalen Frauentrias schon auch irgendwie stark.Jan Lustiger hat geschrieben: 14 Apr 2026, 16:24Langweilig zum einen, ja, aber was mich darüber hinaus nervte, war, dass ich bei dem Film nie das Gefühl bekam, einer Geschichte (bzw. drei) zu folgen, sondern einfach nur vom Filmemacher vollgelabert zu werden. Die Charaktere scheinen ihm lediglich als Medium dafür zu dienen, denn ansonsten bleiben sie leer, eigenes Leben entwickeln sie nicht. Das wäre ja noch nicht einmal prinzipiell verwerflich, man könnte in dem Modus schon auch ein interessantes künstlerisches Statement machen. Aber Jarmusch hat nichts zu sagen oder schafft es nicht, weil er jeden mondänen Mist für Poesie zu halten scheint.JackofH hat geschrieben: 14 Apr 2026, 14:10 Hui, harsch. Ich fand den Film auch nicht besonders gut und stellenweise wirklich langweilig, aber eine durchschnittliche Wertung hätte ich schon noch vergeben. Was hat dich so sehr gestört?
Der letzte Film, den ich gesehen habe
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
Danke dafür, wusste von dem Film bisher nichts. Hab zwar die Arthaus-Box mit 10 oder so Filmen drin, aber da sind leider kaum Bonusmaterialien dabei. Es gibt den Film in der Tube, aber vielleicht kauf ich von "À bout de souffle" doch noch ne schöne Einzelausgabe, meine Godard-Sammlung ist eh schon voller Doubletten.JackofH hat geschrieben: 14 Apr 2026, 10:20 Da ich neulich Linklaters Nouvelle Vague im Kino gesehen hatte, musste ich natürlich auch Außer Atem noch einmal anschauen. Leider habe ich die Kinovorführungen in Berlin verpasst (warum gab es da eigentlich kein Double Feature?). Darum besorgte ich mir beim Videodrom die DVD aus der Arthaus-Reihe von 2008. Diese enthielt als Bonusmaterial u.a. die Dokumentation Chambre 12, Hôtel De Suède von Claude Ventura. Wer sie noch nicht kennt, kann sie in der Tube anschauen. Vielleicht ja interessant für @Friedrich z.B.? Frappant fand ich die Parallelen zu Linklaters Werk - bis in den Aufbau der Filme hinein. Venturas Doku war offenbar eine wesentliche Inspiration für Nouvelle Vague.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
@JanLustiger
Kann alle Einwände zu "The Kid" inhaltlich nachvollziehen, nur wiegen sie bei mir deutlich weniger. Einzige Ausnahme: Der Traum, mit dem ich schon seit dem ersten Schauen arg unzufrieden bin. Er wird aber schon alleine durch Coogans Darstellung im gesamten Film locker wettgemacht, der uns eine der besten, charismatischsten Kinderrollen überhaupt schenkt. Und ja, auch dank ihm berührt mich der Film wahrhaftig und kaum weniger als "City Lights" oder "The Circus".
Kann alle Einwände zu "The Kid" inhaltlich nachvollziehen, nur wiegen sie bei mir deutlich weniger. Einzige Ausnahme: Der Traum, mit dem ich schon seit dem ersten Schauen arg unzufrieden bin. Er wird aber schon alleine durch Coogans Darstellung im gesamten Film locker wettgemacht, der uns eine der besten, charismatischsten Kinderrollen überhaupt schenkt. Und ja, auch dank ihm berührt mich der Film wahrhaftig und kaum weniger als "City Lights" oder "The Circus".
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (Ready or Not, Matt Bettinelli-Olpin / Tyler Gillett, 2019)
Grace heiratet mit Alex Le Domas den Sprössling einer Dynastie von Spielefabrikanten, eine verschrobene Bande reicher Menschen. Um wirklich Teil der Familie zu werden, soll Grace ein Spiel spielen, das von einer mysteriösen Box ausgewählt wird. Dummerweise zieht sie die schlechteste Karte von allen und ist nun verdammt, in dem riesigen Haus Verstecken mit der Familie zu spielen. Wird sie gefunden, wird man sie töten. Überlebt sie bis zum Morgengrauen, wird angeblich die ganze Familie sterben. Denn das Spiel gehört zu einem Pakt mit dem Teufel, den die Familie einst schloss.
Im Kino habe ich den Film damals verpasst, deshalb habe ich ihn jetzt per Streaming geschaut. Erstens wegen des recht positiven damaligen Feedbacks auf den Film, zweitens weil die Fortsetzung ja gerade im Kino ist und der Trailer mich neugierig gemacht hat. Außerdem kenne ich von dem Regieduo Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett drei Filme, die mich mindestens gut unterhalten haben (Scream, Scream VI und besonders Abigail). Gut unterhalten wurde ich auch hier wieder, in einem Ranking ihrer Werke wäre der Film bei mir aber bisher auf dem letzten Platz. Ich mag den teilweise auch etwas derben Humor in Wort und Bild, ein bisschen Splatter geht bei mir auch immer. Weiterhin auf der Habenseite sind der Look und Samara Weaving (Grace). Damit ist der Film leider nur gehobene Durchschnittsware, für mehr fehlt es an Originalität. Das betrifft vor allem die Story, die recht vorhersehbar ist. Außerdem schafft es der Film nie, zu seinen Themen wirklich etwas zu sagen. Weder das Motiv Ehe noch noch das sozioökonomische Thema, das u.a. in Form von Klassenunterschieden aufkommt, scheinen die Macher sonderlich interessiert zu haben. Es gibt ein paar Eat the Rich-Motive, aber der Film ist zu keiner Zeit ein in irgendeiner Form kritischer. Für mich kein Problem, nicht jeder Horrorfilm muss ein Get Out sein. Auch nicht, um eine Höchstwertung zu bekommen. Aber dafür muss es eben ein Film sein, der aus irgendeinem Grund einen tieferen Eindruck hinterlässt, was Ready or Not leider nicht schafft.
Das klingt jetzt etwas negativer als es soll. Wer anderthalb Stunden nette Unterhaltung sucht und Horrorkomödien aus Hollywood grundsätzlich mag, wird hier sicher nichts falsch machen. Immerhin hatte ich genug Spaß, um unmittelbar nach Filmende ins Kino zu fahren um Teil 2 zu schauen. Dazu später mehr. Für den ersten Teil gebe ich 6,5/10 ehemaligen Angestellten
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
Jackie Coogan ist wirklich fantastisch in dem Film, gar keine Frage.Fevers and Mirrors hat geschrieben: 14 Apr 2026, 20:29 Der Traum, mit dem ich schon seit dem ersten Schauen arg unzufrieden bin. Er wird aber schon alleine durch Coogans Darstellung im gesamten Film locker wettgemacht, der uns eine der besten, charismatischsten Kinderrollen überhaupt schenkt.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
Danke für den Tipp @JackofH! Ich kann aber nicht sagen, ob und wann ich Zeit finde, Chambre 12, Hôtel De Suède anzusehen.JackofH hat geschrieben: 14 Apr 2026, 10:20 Da ich neulich Linklaters Nouvelle Vague im Kino gesehen hatte, musste ich natürlich auch Außer Atem noch einmal anschauen. Leider habe ich die Kinovorführungen in Berlin verpasst (warum gab es da eigentlich kein Double Feature?). Darum besorgte ich mir beim Videodrom die DVD aus der Arthaus-Reihe von 2008. Diese enthielt als Bonusmaterial u.a. die Dokumentation Chambre 12, Hôtel De Suède von Claude Ventura. Wer sie noch nicht kennt, kann sie in der Tube anschauen. Vielleicht ja interessant für @Friedrich z.B.? Frappant fand ich die Parallelen zu Linklaters Werk - bis in den Aufbau der Filme hinein. Venturas Doku war offenbar eine wesentliche Inspiration für Nouvelle Vague.
Nouvelle Vague hast du also inzwischen gesehen? Hattest Du schon was dazu geschrieben? Meine Einschätzung von Außer Atem bleibt ambivalent: Ich verstehe, dass der Film einflussreich war, dass er eigentlich ein Film über Film auf der Meta-Ebene ist, aber gerne habe ich ihn eigentlich nicht gesehen. Und ich bin mir nach wie vor unsicher, wie andere Zuschauer den Film wahrnehmen. Umgekehrt habe ich die Mockumentary Nouvelle Vague sehr gern gesehen. So verdreht kann es zugehen.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
Ich habe das gesagt, aber das war lediglich ein Zitat meiner taiwanesischen Kollegen bzgl. der Filme von Hou hsiao-hsien. Zu Hong habe ich nur meine koreanische Kollegin zitiert, dass er in seiner Heimat eher wegen seinem Privatleben einem etwas breiteren Publikum bekannt geworden ist als wegen seiner Filme. Das heißt aber nicht, dass er dort nicht schon länger bei den Kritikern sehr beliebt ist. Viel eingespielt dürfte bislang keines seiner Werke, was bei den Minibudgets aber so oder so in keinster Weise ein Problem darstellt. Freut mich jedenfalls, dass du mit seinen Filmen viel anfangen kannst, auch wenn ich nichts anderes erwartet hatte.gypsy tail wind hat geschrieben: 08 Apr 2026, 09:52 Dass das alles Filme fürs europäische Arthouse-Publikum sind, glaube ich allerdings sofort ... ist das denn wirklich so, hab ich dazu hier im Thread eine Bemerkung aufgeschnappt oder war das woanders?
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
War zuletzt etwas mit meinem Privatleben beschäftigt bzw. damit, zur Abwechslung mal ein bisschen meine "Jugend" auszukosten.
Zum Filmschauen bin ich trotzdem genug gekommen, zwei davon habe ich auch im Kino genießen können.
Marty Supreme (Josh Safdie; 2025)
Dennoch am Ende sehr gute * * * * und easy in der Top 10 von 2025.
Project Hail Mary (Phil Lord & Chris Miller; 2026)
Gehen sich bei mir aber trotzdem noch knappe * * * 1/2 aus.
Zum Filmschauen bin ich trotzdem genug gekommen, zwei davon habe ich auch im Kino genießen können.
Marty Supreme (Josh Safdie; 2025)
Natürlich ein Selbstläufer, dass mir das im Kino eine gute Zeit bereiten muss. Da war schon alles drin, was ich an der filmischen Safdie-Vision schätzen gelernt habe: Unbändige Energie und Rastlosigkeit, tolle Kamera, dazu hervorragende musikalische Untermalung. Meinem Begleiter war das alles am Ende schon ein bisschen zu viel, ich war von "Uncut Gems" noch abgehärtet, den habe ich auch wesentlich stressiger in Erinnerung. Eine feine Ergänzung für das Oeuvre, auch wenn ich da auch etwas bei @Shanks bin: das war für mich auch letztlich mehr eine Zusammenfassung der Ideen der letzten beiden Filme als eine Formvollendung dieser.Grievous Angel hat geschrieben: 18 Mär 2026, 08:08 Und nachdem die Safdies unter allen Regisseuren mit Regie-Debüt in diesem Jahrtausend bei mir an der Spitze stehen (vor Barry Jenkins, Andrea Arnold, Jonathan Glazer, Kenneth Lonergan, etc. - das wäre auch eine interessante Thread-Idee), freue ich mich nach dem vielen Lob hier für "Marty Supreme" umso mehr auf einen baldigen Kino-Besuch.![]()
Dennoch am Ende sehr gute * * * * und easy in der Top 10 von 2025.
Project Hail Mary (Phil Lord & Chris Miller; 2026)
Deine Reviews lese ich bekanntlich immer sehr gerne (an dieser Stelle mal wieder danke dafür!) und hatte mich danach auch schon auf einen Kino-Besuch gefreut. War auch eine schöne, runde Sache, die im Kino besonders gut kommt. Mir persönlich dann etwas zu rund, das beschreibst du ja auch sehr zielsicher. Musste auch die meiste Zeit des Films an "Flubber" denken, aber den behalte ich ja auch in guter, leicht verklärter Erinnerung. Sehr schick, sehr glatt und sehr nett.motörwolf hat geschrieben: 28 Mär 2026, 14:34 Ebenfalls gut aussehen tut der ganze Film, nach technischen Aspekten (Kamera, Farbe, Ton, Setdesign usw) betrachtet ist ziemlich perfekt. Wenn man etwas an Project Hail Mary kritisieren wollte, dann ist es vielleicht eben jene Perfektion. Der Film hat keinerlei Ecken und Kanten, er ist gefällig bis zum geht nicht mehr. Jede Szene sitzt, jede Szene löst beim Zuschauer recht zuverlässig genau die gewünschte Emotion aus (ich glaube, bei Hüllers Gesang stieg die Luftfeuchtigkeit im Raum sprunghaft an ob all der vergossenen Tränen). Mir ist das allerdings komplett egal. Es gibt bei mir ein Bedürfnis auch nach solchen Filmen, die mich einfach mitnehmen auf eine wunderbare, emotionale Reise mit tollen Bildern. Ideologisch ist es wohl überholt, einen einzelnen, weißen und männlichen Charakter mal eben die Welt retten zu lassen. Aber mal ehrlich, in Zeiten wie diesen, in denen unsere reale Welt eine starke Abwärtsspirale durchlebt, würde ich einen Retter nicht ablehnen wollen, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder Hautfarbe.
Ich gebe 8,5/10 Astrophagen.
Gehen sich bei mir aber trotzdem noch knappe * * * 1/2 aus.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe
Danke Dir, dann hatte ich das etwas verdreht/verkürzt, pardon. Dazu hatte @JackofH auch schon was geschrieben.Grievous Angel hat geschrieben: 16 Apr 2026, 03:39Ich habe das gesagt, aber das war lediglich ein Zitat meiner taiwanesischen Kollegen bzgl. der Filme von Hou hsiao-hsien. Zu Hong habe ich nur meine koreanische Kollegin zitiert, dass er in seiner Heimat eher wegen seinem Privatleben einem etwas breiteren Publikum bekannt geworden ist als wegen seiner Filme. Das heißt aber nicht, dass er dort nicht schon länger bei den Kritikern sehr beliebt ist. Viel eingespielt dürfte bislang keines seiner Werke, was bei den Minibudgets aber so oder so in keinster Weise ein Problem darstellt. Freut mich jedenfalls, dass du mit seinen Filmen viel anfangen kannst, auch wenn ich nichts anderes erwartet hatte.gypsy tail wind hat geschrieben: 08 Apr 2026, 09:52 Dass das alles Filme fürs europäische Arthouse-Publikum sind, glaube ich allerdings sofort ... ist das denn wirklich so, hab ich dazu hier im Thread eine Bemerkung aufgeschnappt oder war das woanders?![]()
Leider hab ich krankheitshalber gestern mit "In Our Day" jetzt den ersten Film der Reihe verpasst (der zweite Termin fällt auf den 80. meines alten Herrn, klappt also auch nicht).
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Ready or Not 2 (Ready or Not 2: Here I Come, Matt Bettinelli-Olpin / Tyler Gillett, 2026)
Der Film startet mit dem Ende von Teil 1, wir sehen also eine nahtlose Fortsetzung der Geschichte. Grace kommt wegen ihrer Verletzungen ins Krankenhaus, wo bald ihre Schwester Faith auftaucht. Diese war als Grace' Notfallkontakt hinterlegt, aber eigentlich haben sich die beiden längst entfremdet. Währenddessen lernt der Zuschauer den Hohen Rat kennen, zu dem auch die Familie Le Domas gehörte. Durch deren Tod wurde im Rat der höchste Posten vakant, und wer ihn besetzen will, muss - Überraschung! - Jagd auf Grace machen und diese töten. Da Grace keine Lust hat, das Spiel mit zu machen, wird Faith als Druckmittel eingesetzt, und die Hatz beginnt von vorn. Jetzt eben auf beide Frauen. Immerhin, sollte Grace auch dieses Mal überleben, winkt ihr der Posten im Rat und damit de facto die Weltherrschaft. Dafür müsste sie sich dann allerdings auch dem Teufel unterwerfen.
Eine Fortsetzung wie aus dem Lehrbuch. Frei nach dem Motto citius, altius, fortius wird hier gegenüber Teil 1 alles ein wenig gesteigert. Das geht los mit der reinen Anzahl der designierten Opfer, und auch die Zahl der Jäger ist größer geworden. Daher wird auch der Handlungsraum erweitert, diesmal ist er nicht nur das Innere einer Villa, sondern ein riesiges Anwesen, wodurch sich im Bildhintergrund etwas mehr Abwechslung ergibt. Am wichtigsten aber ist die Erweiterung der Perspektive. Teil 1 hat eine Familiengeschichte zum Hintergrund und konzentriert sich auf eben diese Familie. Hier wird jetzt ein regelrechtes World Building betrieben, wir erfahren, dass der Teufel nicht nur mit den Le Domas einen Vertrag hat, sondern mit vielen, auch miteinander verknüpften. Diese sitzen auf der ganzen Welt verteilt, und es stellt sich heraus, dass diese Familien nicht nur wirtschaftlich mächtig sind. Wir sehen, wie dieses Netzwerk arbeitet, lernen den echten Advocatus Diaboli kennen (es ist Elijah Wood) und über diesen auch die Regeln, nach denen die Zusammenarbeit von Hölle und Erde funktioniert. Das alles ist natürlich nötig, um den eigentlich in sich geschlossenen ersten Teil sinnvoll fortzuführen, ich denke aber, dass nebenbei schon daran gedacht wurde, im Erfolgsfall ein Franchise installieren zu können. Ich musste während des Film öfter an die John Wick-Filme denken, in denen auch erst ab dem zweiten Teil klar wird, was für eine starke Parallelgesellschaft hier neben und in unserer Gemeinschaft besteht.
Qualitativ steht der Film seinem Vorgänger in meinen Augen in nichts nach, aber er toppt ihn auch nicht. Das abgedroschene "Wer Teil 1 mochte, wird auch diesen mögen" gilt daher auch in diesem Fall. Ich hatte erneut viel Spaß, aber auch hier fehlt mir ein wenig das Originelle. Also gebe ich auch hier 6,5/10 voreiligen Angreifern.