Womit? Dem geforderten Subforum? Nein. Meinetwegen kann da auch Post-Punk stattfinden. Purismus steht im Widerspruch zu einem offenen Austausch. Ich persönlich würde Joy Division nicht in meine Liste der besten Punkalben packen is all I'm saying. Trotzdem hätte es Joy Division ohne die Sex Pistols nie gegeben.salamandersalat hat geschrieben: 20 Jul 2026, 21:33 Um das zu verstehen: Du willst dich auf Punkrock beschränken?
Zum restlichen Post: Jein. Punk ist, wie so viele kulturelle Phänomene, widersprüchlich, gerade in seinem Verhältnis zu Rockmusik. Punk hat bewusst an einige Grundpfeiler der klassischen Rockband die Axt angelegt. Sein größter Verdienst in dieser Hinsicht ist mE die Wiederherstellung sowie Verstärkung einer Niedrigschwelligkeit, die Mitte der 70er weitgehend verloren gegangen war, und dass er durch seine Stunde-Null-Attitüde diese Niedrigschwelligkeit mit einem enormen kreativen Potenzial ausstattete (das dann auch Nährboden für Post-Punk war).
Punk sagte kontemporären Rockbands den Kampf an. Gleichzeitig war er rückwärtsgewandt, aus gewisser Sicht also sogar reaktionär. Er wollte Rock'n'Roll statt Prog, 2:30 Minuten lange Popstrukturen, durch den Drehwolf des Sounds einer aggressiven Garage-Rock-Band gedreht. Eine Band wie Emerson, Lake & Palmer wurde als Ergebnis einer Pervertierung von Rock'n'Roll wahrgenommen. In gewisser Weise sehnte sich früher Punk zurück ins Jahr 1965. Es war aber nicht 1965, sondern 1975, und der Zeitgeist gemeinsam mit dem Milieu, in dem Punk entstand, produzierte dann wiederum eine eigene Perversion der Vorlage - die dann wiederum im Dienste der Subversion zelebriert wurde. Kill your idols? Ja. Aber um Idole umzubringen, muss man erstmal welche haben.
Anti-Rockismus kam im Zusammenhang mit Punk erst auf; ich meine, der Begriff wurde 1978 von Paul Morley geprägt. Punk stellte sich gegen den Idealismus der Gegenkultur der späten 60s und frühen 70s, den er mit seinem Nihilismus zerschlagen wollte. Punk zelebrierte Negativität, nahm Speed statt LSD und verabscheute Virtuosität. Doch auch Punk hat seine Rockismen, die Idealisierung einer vermeintlich authentischen Ausdrucksweise etwa. Das Ideal der berüchtigten "handgemachten" Musik, die im Gegensatz zu anspruchslosem Entertainment auch etwas zu sagen haben hat, ist definitiv vorhanden, auch wenn das so mancher Poptheoretiker mit Punk-Background nicht zugeben würde (ich vor zehn Jahren zum Beispiel, haha). Letzten Endes waren das auch weiterhin Jungsbands (größtenteils), die es geil fanden, mit Gitarren cool klingenden Lärm zu machen. Das waren Black Sabbath auch. Dass die Ramones, als sie im Vorprogramm von Black Sabbath auftraten, mit Flaschen beworfen wurden, kam trotzdem nicht von Ungefähr, sondern von einem ideologischen (Teil-)Widerspruch. (Heutzutage wäre dieses Pairing tatsächlich überhaupt kein Problem mehr. Die Zeit hat die ideologischen Wogen geglättet.)
Ich hoffe, das ist soweit nachvollziehbar. Ich bin schon sehr lange wach.