West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.
Ich höre Kessel schon als ziemlich lupenreinen Bebopper. Das war eine Erkenntnis - die grosse vielleicht - die ich aus dem Mosaic-Set mit den Aufnahmen des frühen Peterson Trios (mit Kessel und Brown) gewann. Und Swing - besonders der im Stil von Count Basie - ist ja eine der essentiellen Zutaten des (weissen/kühleren/luftig-leichten/gemütlicheren) West Coast Jazz. Das mag man bei Shorty Rogers oder mittelgrossen Giuffre-Bands besser heraushören als bei Kessel, aber da waren ja immer dieselben Leute dabei und so manches zeigt sich auch besonders deutlich bei den Rhythmusgruppen, dünkt mich (und die Leute, die diese bildeten, waren ja echt immer dieselben).
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
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redbeansandrice
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Barney Kessel - To Swing or Not to Swing
auf diesem dritten Kessel Album wird die Auseinandersetzung mit dem Swing eine Spur bewusster, ein paar Giganten der Swingära werden in die Band eingeladen... wenn man den Downbeat Poll von 1955 zu Rate zieht, link, dann war Harry Edison zu der Zeit halb vergessen, Musiker wie Ronnie Woellner oder Johnny Windhurst lagen vor ihm, genau wie ziemlich viele Musiker, die noch heute bekannt sind... (nicht, dass ich nichts von Woellner oder Windhurst im Regal stehen hätte, aber...) George Auld ist auch eindeutig ein Swingtenorist, damals im Poll teilte er sich einen beachtlichen zwölften Platz mit einem gewissen Sonny Rollins... Die zwei als Frontline auf vier der elf Tracks ist jedenfalls eine Hommage an die guten alten Zeiten... der andere Tenorist, der auf einem Teil der Tracks mitspielt ist Bill Perkins, damals die Nummer 8 in der Popularität, ganz knapp hinter Coleman Hawkins... und auf den drei Tracks, auf denen Perkins mitspielt, scheint der West Coast Cool Jazz am klarsten durch... auch im Repertoire ist viel Platz für die gute alte Zeit... Klar, 75 Jahre später hört man wahrscheinlich nicht mehr so deutlich wie damals, dass hier junge Leute so tun als wär es 1944 und nicht 1955... aber ein bisschen hört man es doch... wichtiger: Kessel, Edison, die Saxophonisten und Jimmy Rowles (p) spielen tolle Soli... nicht das spanendste Album, aber doch ein Erfolg.
- gypsy tail wind
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.
Interessant, das mit Edison ... 1956 startet er quasi neu durch: die Rolle als Solist bei Sinatra, eigene Alben als Leader auf Verve (und als Sideman mit Ben Webster, Lester Young), von denen das vielleicht schönste sogar ein halbes West Coast-Album ist ("Sweets" mit Webster, Jimmy Rowles, Barney Kessel, Joe Mondragon und Alvin Stoller).
Wiki fasst es so zusammen:
Also vergessen bei den Jazzfans, aber vermutlich mit ganz gutem Auskommen ... eine knappe Generation bevor Leute wie Benny Carter, J.J. Johnson etc. dasselbe taten und in den Studios von Hollywood "verschwanden".
Wiki fasst es so zusammen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Harry_EdisonIn the early 1950s, he settled on the West Coast and became a highly sought-after studio musician, making important contributions to recordings by such artists as Billie Holiday, Frank Sinatra, Nat King Cole, Billy Daniels, Margaret Whiting, Bing Crosby, and Ella Fitzgerald. In 1956, he recorded the first of three albums with Ben Webster. On Sinatra's albums, he worked closely with the arranger Nelson Riddle, who gave Edison a microphone that was separate from the rest of the trumpet section. He made use of a Harmon mute to improvise his solos and obbligatos.
Also vergessen bei den Jazzfans, aber vermutlich mit ganz gutem Auskommen ... eine knappe Generation bevor Leute wie Benny Carter, J.J. Johnson etc. dasselbe taten und in den Studios von Hollywood "verschwanden".
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redbeansandrice
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Music to listen to Barney Kessel by
wir schreiben das Jahr 1956, Barney Kessel hat sich im Downbeat Poll den ersten Platz erarbeitet, 1955 war es noch der zweite hinter Johnny Smith gewesen... und auch sein treuer Drummer Shelly Manne hat sich den ersten Platz von Max Roach erkämpft... am Klavier sitzt Andre Previn, die Nummer 19 zwischen Basie auf 18 und Ellington auf 20 (im Pianisten-Ranking, Basie und Ellington machten natürlich auch bei "Jazz Band" "Hall of Fame" "Personality of the Year" und so mit)... auf anderen Tracks spielen Claude Williamson und Jimmy Rowles Klavier... Was aber am meisten auffällt: Man hat beschlossen, endlich mal ein richtiges West Coast Jazz Album mit Kessel zu machen, gepflegt mit einem Bläserquintett aus Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Bassklarinette (wobei die fünf alle mehrere Instrumente spielen). Auf dem Papier machte mir das ein bisschen Angst, aber die war unbegründet, alles in allem ist das hier ein prima Jazzalbum, auch mit guten Soli nicht nur von Kessel sondern auch von Rowles und einzelnen der Bläser. West Coast Jazz ist halt schon ein freundliches, aufgewecktes und sonniges Genre mit vielen bunten Farben... und das komm hier tatsächlich klarer raus als auf den beiden Kessel Alben, die ich davor gehört hab.
- Friedrich
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.
Danke für den link!kathisi hat geschrieben: 02 Okt 2026, 14:00So war es, er lebte primär von der finanziellen Unterstützung seiner Ehefrau Lucille Pearson, die eine Festanstellung hatte, sowie von seinen angesparten Tantiemen aus früheren Plattenaufnahmen.Friedrich hat geschrieben: 02 Okt 2026, 13:19 2-3 Jahre sind schon ein sehr lange Auszeit, die man nicht ohne weiteres finanziell durchsteht - es sei denn man ist ein erfolgreicher Popstar. Ich äußere mal die Vermutung, dass er dabei von seiner damaligen Lebensgefährtin unterstützt wurde.
https://www.jazztimes.com/features/prof ... 470fe406d4
„insecurity, anger, envy, depression“ … und man arbeitet in einem Beruf, in dem es viel Konkurrenz gibt, in dem Nachtarbeit normal ist, an Orten, wo getrunken und geraucht wird und in dem man viel Zeit in Verkehrsmitteln und Hotelzimmern verbringt. Allein das kann einen ja schon fertig machen. Gut nachvollziehbar, dass Rollins sich da rausziehen musste. Zum Glück hatte er die nötige Unterstützung dafür. Andere stürzen ab und stehen nicht wieder auf. „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“
Ja, das Thema hatten wir schon mal. Zur Verteidigung dieses Billig-Labels muss ich sagen, dass die CD zwar nicht toll aber auch nicht katastrophal klingt. Da habe ich schon schlimmeres erlebt. So oder so ist es schön jetzt ein „Original“ zu haben.gypsy tail wind hat geschrieben: 02 Okt 2026, 14:34Das fasst das Label in etwa zusammen... das Geschäftsmodell waren die laschen Urheberrechtsgesetze in Andorra und man bediente sich einfach anderswo (...)Friedrich hat geschrieben: 02 Okt 2026, 13:19 Diese Compi von Shelly Manne habe ich noch:
Shelly Manne Septet – West Coast Sounds (Aufnahmen 1951/52/53, VÖ 2003)
... irreführend ... Label aus Andorra ... doch etwas dumpfer klingt
Also: gut hast Du Dich noch um eine ordentliche Ausgabe gekümmert!
Ja, das mit der 7“-EP hatte ich im Nachhinein auch so verstanden. Insgesamt eine etwas verwirrende Sache mit den verschiedenen Formaten. Aber egal: Schön, dass Du diese alten Platten hast!redbeansandrice hat geschrieben: 05 Okt 2026, 10:34
um das von oben noch zu klären: ne, bei Manne hab ich nicht das 10in Album sondern eine 7in EP, die zusammen mit einer zweiten ihrer Art die 10in EP ergibt... ich hab zwei der 10in Alben aus dem Contemporary Katalog, beide sind genau wie das Manne Album später zu 12in Alben ergänzt worden, in dem man noch Material von einer andere Band hinzugefügt hat. (...)
Harry Sweets Edison kenne ich natürlich über Ben Webster. Eigentlich eigenartig, dass er an der West Coast auftaucht, da ich ihn mit beiden Beinen fest im Swing verorten würde. Kansas City statt Los Angeles. Aber das Job-Angebot zog ihn wohl an die Westküste – was sich aber nicht zwangsläufig in einem stilistischen Wandel zeigt.gypsy tail wind hat geschrieben: 05 Okt 2026, 12:10 Interessant, das mit Edison ... 1956 startet er quasi neu durch: die Rolle als Solist bei Sinatra, eigene Alben als Leader auf Verve (und als Sideman mit Ben Webster, Lester Young), (...)
Wiki fasst es so zusammen:https://en.wikipedia.org/wiki/Harry_EdisonIn the early 1950s, he settled on the West Coast and became a highly sought-after studio musician, making important contributions to recordings by such artists as Billie Holiday, Frank Sinatra, Nat King Cole, Billy Daniels, Margaret Whiting, Bing Crosby, and Ella Fitzgerald. In 1956, he recorded the first of three albums with Ben Webster. (...)
Also vergessen bei den Jazzfans, aber vermutlich mit ganz gutem Auskommen ... eine knappe Generation bevor Leute wie Benny Carter, J.J. Johnson etc. dasselbe taten und in den Studios von Hollywood "verschwanden".
Ich finde, dass die Barney Kessel-Alben hier schon stark nach Swing klingen. Was nicht böse ist. Music To listen To Barney Kessel By mit seinen etwas komplexeren Bläser-Arrangements und seinem „freundlichem, aufgewecktem und sonnigem“ Swing „mit vielen bunten Farben“ klingt in meinen Ohren tatsächlich schon west coast-iger. Für meinen Geschmack vielleicht etwas zu leicht, die Bläser im Hintergrund etwas zu süß, als dass es mich wirklich begeistern könnte. Aber ganz hübsch.redbeansandrice hat geschrieben: 05 Okt 2026, 12:12
Music to listen to Barney Kessel by
(…) Man hat beschlossen, endlich mal ein richtiges West Coast Jazz Album mit Kessel zu machen, gepflegt mit einem Bläserquintett aus Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Bassklarinette (wobei die fünf alle mehrere Instrumente spielen). Auf dem Papier machte mir das ein bisschen Angst, aber die war unbegründet, alles in allem ist das hier ein prima Jazzalbum, auch mit guten Soli nicht nur von Kessel sondern auch von Rowles und einzelnen der Bläser. West Coast Jazz ist halt schon ein freundliches, aufgewecktes und sonniges Genre mit vielen bunten Farben... und das komm hier tatsächlich klarer raus als auf den beiden Kessel Alben, die ich davor gehört hab.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.
Ein Album mit Shelly Manne als leader habe ich hier noch anzubieten:

Shelly Manne - Steps To The Desert (1962)
Was hier mit diesem unscheinbaren Allerwelts-Cover daherkommt, ist ein Konzeptalbum, auf dem Shelly Manne mit Shorty Rogers (flh, tp), Teddy Edwards (ts), Victor Feldman (p, vib), Al Viola (git) und Monty Budwig (b) traditionelle jüdische / jiddische und / oder mit Israel verbundene Musikstücke in Jazz übersetzt. In den liner notes wird ein weiter Bogen gespannt, in dem die Tradition jüdischer Musik mit Einflüssen aus dem Orient, dem Mittelmeerraum und anderen Teilen Europas aufgezeigt wird und dass deren Einfluss bis in die populäre Musik der USA reicht - Gershwin, Berlin, Rodgers. Das Programm des Albums ist ein bunter Strauß aus volkstümlichen Liedern, alten Schlagern, Musicalnummern und mit Exodus der Titelmelodie des gleichnamigen Films.
Man hört dem Album die Unterschiedlichkeit des Materials an. Manchmal meint man auf einer Bar Mitzwa zu sein, manchmal klingt das exotisch orientalisch, manchmal wie ein Schlager oder ein Volkslied, manchmal auch einfach wie Mainstream Jazz und zwei Stücke (Zama Nodad und Exodus) sind als Bossa Nova arrangiert. Was irgendwie lustig ist, denn das treibt den kulturellen Mischmasch auf die Spitze. Für Abwechslung ist also gesorgt, wobei die Band das alles mit schönen unisono Passagen von Rogers und Edwards und daraufgesetzten Soli – auch von Feldman und Viola – gut zusammenhält. Auch Steps To The Desert ist mehr eine Ensembleplatte als ein Album eines leaders mit Begleitung. Denn der sitzt hinterm Schlagzeug.
Sicher keine typische West Coast-Platte, aber eine originelle und unterhaltsame Kuriosität im Werk von Shelly Manne.
Die Besetzung ist übrigens ein buntes Gemisch an Ethnien: Jüdisch-Amerikanisch (Manne, Shorty Rogers aka Milton Rajonsky, Produzent Lester Koenig), Afro-Amerikanisch (Teddy Edwards), Britisch (Victor Feldman) und Italo-Amerikanisch (Al Viola). Woher Budwigs Familie stammt, weiß ich nicht. Schleswig-Holstein?

Shelly Manne - Steps To The Desert (1962)
Was hier mit diesem unscheinbaren Allerwelts-Cover daherkommt, ist ein Konzeptalbum, auf dem Shelly Manne mit Shorty Rogers (flh, tp), Teddy Edwards (ts), Victor Feldman (p, vib), Al Viola (git) und Monty Budwig (b) traditionelle jüdische / jiddische und / oder mit Israel verbundene Musikstücke in Jazz übersetzt. In den liner notes wird ein weiter Bogen gespannt, in dem die Tradition jüdischer Musik mit Einflüssen aus dem Orient, dem Mittelmeerraum und anderen Teilen Europas aufgezeigt wird und dass deren Einfluss bis in die populäre Musik der USA reicht - Gershwin, Berlin, Rodgers. Das Programm des Albums ist ein bunter Strauß aus volkstümlichen Liedern, alten Schlagern, Musicalnummern und mit Exodus der Titelmelodie des gleichnamigen Films.
Man hört dem Album die Unterschiedlichkeit des Materials an. Manchmal meint man auf einer Bar Mitzwa zu sein, manchmal klingt das exotisch orientalisch, manchmal wie ein Schlager oder ein Volkslied, manchmal auch einfach wie Mainstream Jazz und zwei Stücke (Zama Nodad und Exodus) sind als Bossa Nova arrangiert. Was irgendwie lustig ist, denn das treibt den kulturellen Mischmasch auf die Spitze. Für Abwechslung ist also gesorgt, wobei die Band das alles mit schönen unisono Passagen von Rogers und Edwards und daraufgesetzten Soli – auch von Feldman und Viola – gut zusammenhält. Auch Steps To The Desert ist mehr eine Ensembleplatte als ein Album eines leaders mit Begleitung. Denn der sitzt hinterm Schlagzeug.
Sicher keine typische West Coast-Platte, aber eine originelle und unterhaltsame Kuriosität im Werk von Shelly Manne.
Die Besetzung ist übrigens ein buntes Gemisch an Ethnien: Jüdisch-Amerikanisch (Manne, Shorty Rogers aka Milton Rajonsky, Produzent Lester Koenig), Afro-Amerikanisch (Teddy Edwards), Britisch (Victor Feldman) und Italo-Amerikanisch (Al Viola). Woher Budwigs Familie stammt, weiß ich nicht. Schleswig-Holstein?
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)