thelonica hat geschrieben: 01 Okt 2026, 13:43
SONNY ROLLINS & THE CONTEMPORARY LEADERS - same
Das war wohl das letzte Album vor der längeren Auszeit für Sonny Rollins, er tourte noch etwas in Europa danach und es ging erst weiter mit "The Bridge". Die Contemporary Leader (Hawes, Kessel, Vinnegar, Manne und Feldman) spielten hier etwas mehr zurückhaltend bei einem Programm aus Standards, überliessen Sonny Rollins größtenteils die Show. Mir persönlich sind Sonny Rollins Volume 1 (BN) und auch "For Real" von Hampton Hawes/Harold Land etwas lieber. Ansonsten schon interessant, dass es eine Fortsetzung für Sonny bei Contemporary gab.
Ich habe mich noch gefragt, wie Rollins in der dreijährigen Auszeit finanziell zurecht kam, aber dafür gibt es bestimmt eine Erklärung (wahrscheinlich eine Kombination aus Sparsamkeit, niedriger Miete und genügend Rücklagen).
2-3 Jahre sind schon ein sehr lange Auszeit, die man nicht ohne weiteres finanziell durchsteht - es sei denn man ist ein erfolgreicher Popstar. Ich äußere mal die Vermutung, dass er dabei von seiner damaligen Lebensgefährtin unterstützt wurde.
Ein East Coast-Leader mit West Coast sidemen. Ich hätte auch noch eine genau umgekehrte Konstellation anzubieten. Aber dazu später.
Zunächst:
Diese Compi von Shelly Manne habe ich noch:
Shelly Manne Septet – West Coast Sounds (Aufnahmen 1951/52/53, VÖ 2003)
Fast der gleiche Titel wie bei der weiter oben erwähnten LP und tatsächlich sind hier auch 8 der 12 Stücke davon enthalten. „Shelly Manne Septet“ ist etwas irreführend, da zwar tatsächlich bei den verschiedenenAufnahmen je 7 Mann am Start sind, es bei den verschieden Session aber teils wenige bis keine personelle Überschneidungen gibt. Und auch stilistisch ist die Musik teils recht unterschiedlich. Bei den ersten 8 Aufnahmen klingt das noch sehr nach Swing oder flirtet mt Bebop. Auf zwei Stücken (All OF Me, It Ain’t Got That Swing) singt Shelly Manne, auf einem Stück eine Shelby Davis. Das ist okay, aber nichts, womit Shelly Manne sich einen Platz in der Jazzgeschichte erspielt hätte. Dann die 8 Stücke, die auch auf der erwähnten LP enthalten sind. Als Zugabe gibt es 3 teils kompliziert komponierte und arrangierte Stücke mit den Titeln Alternations, Dimensions in Thirds und Shapes Motions and Colors. Das klingt nach Third Stream und manchmal etwas überambitioniert. Eins der Stücke ist fast 7 Minuten lang. Interessant, aber nichts, was mich berührt.
Ich hatte diese Compi mal gekauft, weil es damals die einzige günstige und einfache Möglichkeit war, Stücke der West Coast Sound-LP digital zu bekommen. Die Compi stammt von so einem obskuren Label aus Andorra, ist eigentlich auch gestalterisch schön gemacht und in Ordnung. Und sie bietet einen guten Überblick von Shelly Mannes Entwicklung 1951-53.
In den letzten Tagen habe ich die LP und die CD mal parallel gehört und festgestellt, dass die CD doch etwas dumpfer klingt als die LP. Nicht nur darum habe ich mir inzwischen auch die vergriffene CD des ursprünglichen Albums mit etwas Glück günstig besorgt. Am Ende kann ich sagen, dass das Vinyl in jedem Fall am besten klingt. Eigentlich bescheuert, aber wirklich wahr.
So oder so empfehle ich das Album Shelly Manne & His Men / The West Coast Sound / Volume 1 allerwärmstens. Eine Sternstunde des raffiniert arrangierten und entspannt swingenden West Coast Jazz’.