West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

Ich starte hier mal einen Sammelthread über West Coast Jazz und erlaube mir, ein paar ältere, zum Thema passende Posts hineinzukopieren.

Anlass waren @redbeansandrice ' posts zu Shelly Manne. Daraufhin schlug ich einen Thread über Shelly Manne vor. Aber vielleicht gibt Shelly Manne allein nicht genug Gesprächsstoff her. Mit redbeans’ Einverständnis nehme ich Shelly Manne zum Anlass, etwas weiter auszuholen. Shelly Manne hat nicht nur viele Alben als leader veröffentlicht, sondern spielte auch als sideman von Chet Baker, Shorty Rogers, Gerry Mulligan und vielen anderen – die man allerdings bei weitem nicht alle mit West Coast Jazz assoziiert – und war in Hollywood an vielen Film- und TV-Soundtracks beteiligt, so z.B. Henri Mancinis The Pink Panther, Peter Gunn oder Breakfast At Tiffanys. Shelly Manne ist also vielleicht ein ganz guter Ausgangspunkt und bietet viele Anknüpfungspunkte.

Ich kann und will hier aber keinen umfassenden Überblick liefern, eigentlich nur eine Plattform anbieten, auf der man sich gerne austauschen kann.

Fangen wir einfach mal mit einem kurzem Feature des Deutschlandfunks anlässlich Shelly Mannes 100. Geburtstag im Jahr 2020 an

Bild

„Wer Shelly Manne sagt, muss auch West Coast Jazz sagen. Was eigentlich etwas merkwürdig ist, denn Shelly wurde in New York geboren und dort machte er auch seine ersten Aufnahmen. Doch weil es ihn ab 1951 nach Los Angeles zog, seine Karriere ab dort ordentlich Fahrt aufnahm und vor allem weil er dann an der Westküste entscheidenden Anteil an diesem luftig-leichten Gegenentwurf zum New Yorker Bebop hatte, gilt Shelly Manne bis heute als zentrale Figur eben dieses Westküstenjazz der 1950er- bis 70er-Jahre.“
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:37, insgesamt 2-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:



Shelly Manne & His Men – Play More Music From Peter Gunn: Son Of Gunn!!
im Januar und Mai 1959 nahm Shelly Manne zwei Alben mit Musik auf, die Henry Mancini für die Serie Peter Gunn komponiert hatte... zu dem Material hab ich jetzt keinen besonderen Bezug, aber es scheint mir absolut geeignet für ein fröhliches Jazzalbum... die Frontline der Band hat sich tatsächlich komplett ausgetauscht, bei Teil 1 gab es noch Conte Candoli und Herb Geller, hier spielen Richie Kamuca und Joe Gordon, win-win, das Team, das dann im September die Serie aus dem Blackhawk aufnehmen sollte... Im Blackhawk sitzt Victor Feldman am Klavier, auf den beiden Peter Gunn Alben spielt er Vibraphon und Marimbaphon, während am Klavier Russ Freeman sitzt, der über die Jahre immer mal wieder einer der Men war... die Besetzungen wechseln sich ein bisschen ab, es spielen nicht immer alle mit, und so ist es ein aufgewecktes und buntes Album geworden, auf dem alle ein bisschen glänzen können..
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 18:59, insgesamt 2-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:



Shelly Manne - Checkmate
Das lief jetzt ein paar Mal hinterher, auch hübsch, ein bisschen peppiger als die Musik, die zB Richie Kamuca später gemacht hat, Candoli ist zurück aber ganz gut... Russ Freeman wie immer super und der neue Bassist Chuck Berghofer passt auch... [/quote]
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:01, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice hat geschrieben: 14 Sep 2026, 14:38 

Shelly Manne & His Men – Play More Music From Peter Gunn: Son Of Gunn!! im Januar und Mai 1959 nahm Shelly Manne zwei Alben mit Musik auf, die Henry Mancini für die Serie Peter Gunn komponiert hatte... zu dem Material hab ich jetzt keinen besonderen Bezug, aber es scheint mir absolut geeignet für ein fröhliches Jazzalbum... (...)
Shelly Manne hatte wohl eine Neigung, sich mehr oder weniger populäres Material jazzig anzueignen. Es gibt auch ein Album mit Musik aus My Fair Lady von ihm, das ich aber leider nicht kenne. Ich habe ein Album von ihm, auf dem er jüdische / jiddische / irgendwie mit Israel verbunden Stücke spielt. Darunter Stücke mit Titeln wie Die Greene Koseene, My Yiddishe Momme, offenbar hebräisches wie Orchah Bamidbar oder die Titelmelodie des Filmes Exodus.
Apropos Peter Gunn, Friedrich, du hast doch irgendwo auch eine Jazz-Version der Titelmusik! Aber der Reihe nach.
So klingt das Original von Henri Mancini:

Das ist Shelly Mannes Version:

Und dies hat Quincy Jones daraus gemacht:

An der Flöte übrigens Rahsaan Roland Kirk - was man auch sofort raushört. Die Aufnahme stammt ursprünglich vom Album Quincy Jones Explores the Music of Henry Mancini. Ich habe sie aber von der aufregenden Compilation Crime Jazz – Music In The First Degree. Davon gibt es auch noch eine Fortsetzung und da kann man neben Henri Mancini selbst auch eben Quincy Jones, Shorty Rogers, Stan Kenton, Lalo Schifrin, Stan Getz (!) und viele andere hören.
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:04, insgesamt 2-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:

ja, diese Titelmusik haben wir auch im Schulorchester gespielt, und wir dürften damit nicht die einzigen gewesen sein... die Version von Roland Kirk hab ich mir damals aus den 90ern mit der Mercury Box aus der Stadtbücherei... und die Shelly Manne Version vom ersten Peter Gunn Album lief auch gestern mal... ich find tatsächlich, dass die Balance zwischen Soundtrack und Hard Bop auf Son of Gunn und Checkmate besser gelingt als auf dem ersten Gunn Album... das wegen der berühmten Melodie wohl ein grosser Kassenerfolg war, 1300 Have bei discogs deuten auch in die Richtung, wobei andere Manne Alben da noch höhere Zahlen haben, Black Hawk Vol 1 hat 3000 und My Fair Lady sogar 6000... und ja, Manne hat viele Programme aufgenommen, hier läuft gerade das dritte Album von Shelly Manne & his Friends (nicht zu verwechseln mit "his Men", der grösseren Band), My Fair Lady war das zweite...



Shelly Manne and his Friends - Li'l Abner

die Friends, das Klaviertrio aus Andre Previn, Leroy Vinegar und Manne versuchen sich hier an dem Musical Li'l Abner ("the show is, on the surface, a broad spoof of hillbillies, but it is also a pointed satire on other topics, ranging from American politics and incompetence in the United States federal government to propriety and gender roles" so wiki), komponiert von Gene dePaul, dem Komponisten von I'll remember April und You don't know what love is. Zweifellos ein talentierter Komponist, auch wenn Stücke wie "The country's in the very best of hands" oder "Progress is the root of all evil", die hier zu hören sind, keine Standards geworden sind... wobei das schon witzig wäre, wenn "Progress is the root of all evil" ein Standard wie "All the things you are" wäre... eigentlich ist das Programm aus meiner heutigen Sicht bei all diesen Alben auch ziemlich egal, die Qualität des Songmaterials ist schon immer so, dass diese Weltklassebands was ansprechendes draus machen... und Andre Previn ist eigentlich immer ein kleines bisschen toller, als man es erwartet für jemanden, für den Jazz nur ein Hobby gewesen sein mag...
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:06, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:



Shelly Manne & his Friends

das hier ist schon zu recht so bekannt geworden, wie es das ist... und auch wenn ich jetzt gar nicht sagen kann, dass ich die Songs von My Fair Lady besonders mag, scheinen sie sich für so ein Klaviertrio schon ziemlich gut als Grundlage zu eignen
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:07, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

gypsytailwind schrieb:

 

Milt Bernhart His Octet and His Brass Ensemble – The Horns

Bin davon total positiv überrascht, hatte wesentlich mehr "set pieces" und weniger Jazz erwartet - aber das ist echt gut und man kriegt vom Leader sehr viel zu hören, hie und da bei der LP (zuerst gibt es die von Jimmy Giuffre arrangierte EP, dann die LP inkl. das Tracks "Lullaby of Birdland", der auf einer Omnibus-LP gleichen Namens landete) auch Soli von Shorty Rogers, John Graas oder Jack Marshall. Für die EP im Herbs 1954 steht Bernhart vor einer luxuriös besetzten Band (Rogers, Bud Shank, Bob Cooper, Giuffre, Pete Jolly, Curtis Counce und Irv Kluger), für die LP dachte er sich dann ein neues Konzept aus: eine Band nur mit Blech und einer transparenten Rhythmusgruppe (g/b/d). Hier sind zwei Trompeten dabei (drei Sessions, Rogers und Ray Linn, Pete Candoli und Linn, Rogers und Candoli), Horn (Graas), Euphonium (Maynard Ferguson) und Tuba (Ray Siegel, auf der letzten Session Paul Sarmento), dazu Jack Marshall, Red Mitchell und Kluger (auf der letzten Session Irv Cottler). Arrangiert haben Giuffre, Candoli, Rogers sowie Andre Previn, Pete Rugolo und Wes Hensel, es gibt ein Dutzend (plus "Lullaby") kurz gehaltene Stücke, das ist vom Sound her speziell und sehr abwechslungsreich. Neben ein paar Standards und Mu ("Tangerine", "What Is There to Say", "London in July" "It's All Right with Me", "Looking for a Boy", "Hooray for Hollywood") gibt es ein paar Tunes von Kollegen ("Amor Flamenco" von Laurindo Almeida und "Lullaby" von George Shearing) sowie eigene Stücke von Giuffre, Candoli und Previn.
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:09, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:

Cleopatra's Needle kenn ich noch nicht...



Jack Montrose Sextet Featuring Bob Gordon

ist das hier eins der grossen Saxophonalben? ich würd sagen, es spielt in der zweiten Liga der Saxophonalben schon ziemlich weit vorne mit, also: in meiner Top 100 von Saxophonalben könnte es knapp drinsein... und zwar wegen den beiden Saxophonisten, Montrose (Tenor) und Gordon (Bariton), die sich gegenseitig hochpushen... Montrose ist vielleicht ein bisschen eine Figur wie Gerry Mulligan, als Komponist und Arrangeur mindestens so wichtig, wie als Saxophonist... aber deswegen natürlich trotzdem kein schlechter Saxophonist... dritter Bläser ist Conte Candoli, der mal wieder nicht nervt, und in den Ensembles einiges hinzufügt, die Band wird komplettiert durch Paul Moer, Ralph Pena und Shelly Manne.
andere Ausgaben des Albums sehen so aus:

Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:10, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:



Gerry Mulligan And The Sax Section – The Gerry Mulligan Songbook Volume 1

kann etwas, was "Volume 1" heisst, ein grosses Album sein? Zumal wenn es kein Volume 2 gibt? Knifflig... das hier hätte vom Personal auch das Zeug zum grossen Saxophonalbum gehabt, aber am Ende ist es irgendwie zu zahm geworden... die Rhythmusgruppe ist kurios, Freddie Green (g), Henry Grimes (b), Dave Bailey (dr)... man hört immer noch nicht viel von Green, aber natürlich mehr als wenn noch ein Klavier dabei ist... an sich kennt man den Mulligan Sound ja ohne Harmonieinstrument... und vermutlich wurde Green hier angeheuert, um die Solisten zu stabilisieren? Kann man sich die legendäre Band mit Chet Baker und Gerry Mulligan als Quintett mit Green vorstellen? Ich kann das nicht, zumal wenn ich das Album hier höre, fast alles von der Freiheit, die es im klassischen Mulligan Quartett gab, ist auf einen Schlag weg...
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 22:30, insgesamt 2-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Benutzeravatar
Friedrich
Beiträge: 282
Registriert: 20 Dez 2023, 09:11
Wohnort: Berlin
Has thanked: 40 times
Been thanked: 93 times

Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice schrieb:



Lennie Niehaus – Vol.1 The Quintet

nochmal Saxophone, drei Stück diesmal, begleitet von Bass und Schlagzeug, nochmal Volume 1, nochmal ein Coverfoto von William Claxton (genau wie bei Mulligan und Montrose), nochmal 10in (wie bei Brandt und Gullin) und vor allem fast die gleiche Band wie auf dem Montrose Album, nur ein anderer Bassist (Budwig statt Pena) und Lennie Niehaus (as) statt Paul Moer (p). Diese Niehaus Alben auf Contemporary gelten ja ein bisschen als Geheimtipp, dieses hier braucht sich auf jedem Fall vor keinem der Alben verstecken, die hier heute morgen liefen... im Vergleich mit Mulligan ist die Musik einfach so viel fokussierter und kompakter... klar ist das berühmte Mulligan Quartett von zwei Jahre eher hier ein Vorbild (Sommer 52 vs 54), aber die Musik ist auch ziemlich eigen...
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)