Ich höre gerade ... Jazz

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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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floating points, pharoah sanders, london symphony orchestra, promises (2021)

länger nicht mehr gehört. das ist immer noch sehr schön.
redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

Oh, Promises muss ich unbedingt auch wieder hören!
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »




Auf CD 2 des Ronnie Scott Sets geht es mit Alan Dean's Be-Boppers weiter (Proper macht "Reboppers" daraus), die im September 1949 in London fünf Stücke aufnahmen. Dean singt zeittypische Nonsens- oder Silbentexte ("Ool-Ya-Koo") und scattet über Charlie Parkers "Barbados", während die Frontline aus der Trompete von Hank Shaw und den Saxophonen von John Dankworth und Scott besteht. Die Rhythmusgruppe ist wieder vierköpfig und Pete Chilver spielt auch ganz gute Soli, ebenso wie Dankworth (der hier eher mehr Raum kriegt als Scott), während Shaw einen recht attraktiven Ton hat. Tommy Pollard, Joe Muddel und Laurie Morgan sind zudem dabei. Die zweite Session stammt von Anfang Februar 1951 mit den Melody Maker All Stars des Jahres, da ist die Besetzung grösser und ein paar bekannte Namen sind neben Scott und Dankworth (wie immer ts bzw. as - Dankworth hat hier auch beide Stücke komponiert) dabei: Kenny Baker (t), Victor Feldman (vib), Ralph Sharon (p) und Jack Parnell (d), dazu Gordon Lanhorn (tb), Ronnie Chamberlain und Henry McKenzie (cl), Dave Shand (bari), Ivor Mairants (g) und Charlie Short (b). Die Soli sind natürlich sehr kurz, aber das sind charmante Aufnahmen, bei denen das recht moderne Piano von Sharon oder die boppigen Stimmen von Dankworth und Feldman neben den fast traditionell klingenden Klarinetten einen interessanten Kontrast darstellen. Ende Februar kriegen wir dann wieder eine eigene Band von Ronnie Scott, sein Quartett mit Pollard, Bush und Tony Kinsey (d) in vier Stücken - und man kann hier weiter verfolgen, wie sich der Ton von Scott ändert, inzwischen fast ohne Vibrato, aber nicht kleiner. im letzten Stück, "Flamingo", spielt Tony Bush ein recht gutes Bass-Solo. Zwei Monate später ist dann wieder das Ronnie Scott Boptet zu hören, mit Jimmy Deuchar (t), Spike Robinson (as), Feldman (p), Bush (b) und Tony Crombie (d) - hier steht waschechter Bebop ("Chasin' the Bird", "Little Willie Leaps") unmittelbar neben frühem Hard Bop ("El Sino"). Vom Oktober stammen dann vier Stücke mit dem Ronnie Ball Trio (Ball-p, Pete Blannin-b, Kinsey), bei der der gute Pianist völlig zu recht etwas mehr Raum kriegt - aber Scott als einziger Bläser natürlich eine prominente Rolle einnimmt. Die Musik hier ist etwas kühler und lyrischer - aber Crombie dropt seine Bombs und Scott demonstriert seine inzwischen beachtlicher Virtuosität. Eine feine Session. Dann folgen vier Stücke mit den kombinierten Bands von Scott und dem vorhin erwähnten Kenny Graham, der auch Tenorsax spielt - da sind dabei: Feldman, Bush und Crombie von Scott sowie von Grahams Band Judy Johnson (maracas), Ginger Johnson (bgo) und Bob Caxton (cga). Die Scott Quartet und Boptet-Sessions sowie die mit Ronnie Ball landeten später zusammen mit den Esquire Five (siehe oben) auf der Platte "Great Scott!", die ich auch als japanisches CD-Reissue habe (hier ein Link zur Reihe von 2016). Die CD endet mit je einem Stück von den 1952er Melody Maker All Stars (Deuchar, Keith Christie-tb, Vic Ash-cl, Dankworth, Scott, Feldman, Sharon, Mairants, Muddel und Parnell) vom März sowie dem Arnold Ross Sextet (Deuchar, Derek Humble-as, Scott, Ross, Sammy Stokes-b und Parnell) vom August 1952 - und hier, im schnellen "The Champ" aber auch im Solo in "Leap Year" mit den Melody Maker All Stars, habe ich allmählich das Gefühl, den kantigen Scott, wie ich ihn in den Sechzigern so mag, zu hören. Das zweite Stück der Ross-Session ist die Ballade "Once in a While




Von den vier Stücken der Ross-EP findet sich zu Beginn der dritten CD noch eines. Die nächste Scott Quartet Session (September 1952 mit Dill Jones-p, Bush, Crombie und auf zwei Stücken Kinsey, einmal Timbales, einmal Drums statt Crombie, siehe Label von "Avalon") landete auch auf der erwähnten Scott/Graham LP, zusammen mit der Scott/Graham-Session und der Scott BBC-Live-Session vom Dezember 1952, bei der wieder eine grössere Band zu hören ist: Deuchar, Wray, Humble, Scott, Benny Green (bari - ist das der spätere Jazz-Autor?), Norman Stenfalt (p), Bush und Crombie. Sieben Stücke wurden eingespielt, nur fünf landeten auf der Scott/Graham-Platte, aber alle sieben plus eine weitere Session vom Februar 1953 landeten auf der Esquire-LP unten (die es in der japanischen CD-Reihe auch gibt ... ein schönes Beispiel, dass reine Reissues manchmal weniger sinnvoll sind, es hier vielleicht besser gewesen wäre, das Material neu zu gruppieren als zu verdoppeln). Ein paar Tage nach der Session mit Graham nimmt Scott zwei derselben Stücke ("All the Things You Are" - die erste Version dauert fast zehn Minuten, die zweite eine Viertelstunde - und "Nemo") und drei weitere im Quintett auf - mit Harry Klein (bari), Stenfalt, Bush und Crombie. Und mit der Session wechseln wir mittendrin schon zu CD 4 des Proper-Sets.

Im Februar 1953 geht wieder für die BBC (beide Male "BBC Overseas Service Broadcast") die grössere Band ins Studio, mit Deuchar, Wray, Humble, Peter King am zweiten Tenorsax, Green, Stenfalt, Bush und Crombie. Auch dieses Material erscheint bei Esquire - damals und später eben auch in der Reihe, die es in Japan auch auf CD gab. Noch vor der ersten BBC-Session findet sich auf dem Proper-Set auch ein einzelnes Stück mit Jack Parnells Band (eine kleine Big Band mit zwei Trompeten, zwei Posaunen, vier Saxophone und vier Rhythmus - keine Gitarre allerdings sondern zwei Drummer, Seamen und Parnell), noch eine Version von "The Champ", die erstaunlich boppig daher kommt und natürlich ein Scott-Solo enthält, direkt vor der Battle der beiden Drummer zum Ausklang.




Dass Scott auch 1953 wieder in der All Star Band des Melody Maker spielt, war wohl zu erwarten - die Band ist immer noch recht gross, es gibt jetzt sogar Klarinette und Sopransax (warum es 1952 zwei Klarinetten gab, weiss ich nicht, vielleicht gewann der eine auch da den Sopransax-Poll?) und der Anteil moderner Jazzer ist eher geringer als 1952. Bei Proper kriegen wir davon "Ballot Box". Mit Deuchar, Wray, Humble, King, Geen, Stenfalt, Bush und Crombie nimmt Scott auch im April und im August 1953 nochmal auf (in der Proper-Box sind jeweils nur zwei der vier Tracks). Im April 1954 nimmt Scott dann wieder im Quartett auf, jetzt mit Victor Feldman am Klavier, Bush und Crombie. Und schon ein paar Tage davor hatte das Ronnie Scott Orchestra (mit Hank Shaw, Feldman-p/vib und Seamen statt Deuchar, Stenfalt und Crombie) aufgenommen - wovon erneut nur zwei der vier Stücke im Proper-Set zu finden sind, "S'il vous plaît" und "Jordu" - letzteres wieder eine klassische Hard-Bop-Nummer. Vor der letzten Session der Box mit Deuchar (Oktober 1956), mit der ich heute Morgen auf der Deuchar-CD angefangen hatte, findet sich noch eine letzte EP mit grosser Band, die auf dem Rückcover auch abgebildet ist: eine voll besetzte Big Band, aufgenommen im Oktober 1955 mit vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophonen (darunter Joe Harriott) und dreiköpfiger Rhythmusgruppe mit Eric Peter am Bass zwischen Stenfalt und Seamen. Die grösseren Bands auf den letzten Aufnahmen in der Proper-Box bewegen sich irgendwo zwischen Swing mit Bop-Einflüssen und viel "Birth of the Cool" im Mix. Scott ist allerdings so ab 1953 eine echt starke Stimme geworden und es finden sich immer wieder Soli von anderen, die auch ganz gut sind (ich vermute z.B. in "Bang" vom 11. Oktober 1955 Joe Harriott am Altsax, noch bevor der wiederum seine später völlig eigene Stimme fand, aber auch gute Trompetensoli von Hank Shaw, Posaunensoli von Ken Wray usw).


Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

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lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

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......die besetzung ist natürlich schon ein traum, das cover könnte auch in albträumen auftauchen, arrangements perfekt und der titel soll wohl aufregendes assoziieren und im einstieg mit dem titeltrack geht es ja auch ganz ordentlich zur sache! insgesamt ist es aber fast zu perfekt....ich wünsche mir bei den cti-aufnahmen manchmal echte ausbrüche hinzu, so bleibt da halt immer dieser cleane nachgeschmack, vielleicht hör ich aber auch nicht mehr so richtig. red clay eröffnete den reigen der vorzüglichen cti alben anfang der siebziger von hubbard , bin mir da noch unschlüssig welches der alben von 1970-1973 mir am besten gefällt. Ich glaub die beiden in concert müssen auch noch her....kennt die jemand und lohnen sie?
Zuletzt geändert von lotterlotta am 26 Sep 2026, 12:29, insgesamt 1-mal geändert.
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »




Eddie Barclay et son grand orchestre - Et voilà ! / Confetti - Arrangements Swing and Sweet de Quincy Jones

In Paris arrangierte Quincy Jones 1957/58 zwei Alben für die grosse Band von Eddie Barclay, der schon lange im Geschäft war, hauptsächlich mit dem eigenen Label, aber auch hie und da als Pianist oder Bandleader. Die Besetzung ist hochkarätig, aber als Mosaic eine Box mit Jones' besten Jazz-Alben aus dem Universal-Katalog zusammenstellte, wurden die zwei Alben weggelassen und ich kann schon nachvollziehen, weshalb, denn das ist im besten Fall eleganter Jazz in der Basie-NT-Nachfolge minus das Explosive, bei den Sweet-Stücken ist das eher so Musik, die man sich bei irgendwelchen noblen Parties in den Fünfzigern vorstellen kann.

Bei den Session für "Et Voilà", die sich vom Mai 1957 bis in den Januar 1958 zogen, sind u.a. Roger Guérin, Fernand Verstraete, André Paquinet, Benny Vasseur, Raymond Guiot, Jo und Marcel Hrasko, Pierre Gossez, William Boucaya, Michael Hausser, Jean Bouchety und weitere Franzosen dabei, deren Namen in der Zeit in allerlei Sessions von Pop bis Jazz auftauchen. Pierre Cavalli spielt die Gitarre, Stéphane Grappelli hat einen Auftritt (in Barclays eigenen Stück, "Tu joues avec le feu" und in "Manhattan"), es gibt Streicher und ein paar Sax-Solos von Lucky Thompson und Don Byas und Kenny Clarke treibt die Band an, mit einer Gelassenheit, die mir bei den Engländern um Ronnie Scott gerade die meiste Zeit fehlte. Neben "Sermonette" und "Manhattan" (mit dem frz. Titel "Un P'tit Bout de femme", was anscheinend eine kleingewachsene Frau voller Energie beschreibt, ein "Energiebündel") kriegen wir das Titelstück und "Avec ces yeux-là" von Michel Legrand (und Barclay bzw. und Georges Aznavour), ein paar Stücke von Henri Salvador, ein weiteres von Barclay selbst und mehr. Auch zwei Bonustracks gibt es, "Tout doucement" und den "Quincy Boogie", das einzige von Jones geschriebene Stück der Sessions. Überraschenderweise gab es davon 2017 noch ein frz. CD-Reissue, im Rahmen der allerletzten nachgereichten "Jazz in Paris"-Veröffentlichungen ("Soul Jazz" von Georges Arvanitas war dort das wirklich tolle Album). In der "Legacy"-Box kriegen wir zudem noch ein "alternate arrangement" von "Numéro 13", dem anderen Barclay-Stück des Albums, das auf der Jazz in Paris-CD fehlt.

Die Sessions zu "Confetti" vom Juni, Oktober und November 1958 sind die letzten unter Barclays Namen, die bei Bruyninckx auftauchen. Hier ist das Line-Up wohl ähnlich, aber nicht namentlich bekannt. Bruyninckx sagt, Thompson sei hier dabei (und nur Byas bei "Et voilà !", was durchaus möglich ist), neben den Streichern gibt es hier auch noch eine Gesangsgruppe. Das Album erschien auch in den USA, mit anderem Cover und dem Titel "Twilight Time". Das Programm ist ähnlich, es gibt mehr Quincy Jones "Cour d'artichaut" (mit Barclay), "Mon p'tit pote", "Fragile Eyes" (mit Barclay und Text von Boris Vian), dazu wieder ein Stück von Salvador, aber auch "Moonlight Serenade", den Glenn Miller-Klassiker. Die CD mit 27 Stücken (je zwölf pro LP, dazu die drei Bonustracks von "Et voilà !") wird etwas lang ... dass dann die Mercury-Alben der Band nur in Auswahl in die Box aufgenommen wurden, ist dann doch etwas schade. "The Birth of a Band" und "The Great Wide World of Quincy Jones" sind auf CD 3 zu hören, danach folgen auf CD 4 als Abschluss der frühen Jahre die Klassiker "The Quintessence" und "Big Band Bossa Nova". Das Album "I Dig Dancers" mit der Hälfte der Barclay-Tracks (oder eine CD mehr mit "I Dig Dancers" und dem Bonusmaterial davon sowie v.a. von "Birth of a Band" und vielleicht die Quincy-Tracks von der Platte "We Had a Ball" hätte man sich/uns hier gerne gönnen dürfen ... die weiteren Mercury-Alben, "The Zurich Concert" und die zugehörige "Zurich Jam Session" sowie "The Newport Concert", die in der Mosaic-Box ebenfalls zu hören sind, fallen als Live-Aufnahmen raus, was ich aber auch nicht wirklich zwingend finde ... wären's halt 22 oder 23 CDs geworden, eine weitere CD am Schluss mit einer Auswahl von Arrangements für Peggy Lee, Dinah Washington usw. wär auch noch drin gewesen, vielleicht gleich mit dem Mercury-Album mit Eckstine, das wohl auch live gemacht wurde... ich kenne da noch längst nicht alles, das Mancini-Album fehlt in der "Legacy"-Box z.B. auch udn das fehlt mir auch nach wie vor).

Und weil ich seit ein paar Wochen Maya Angelou lese: da gibt es in der Zeit in Paris auch eine Begegnung mit Quincy Jones, der ihr den Hof macht, aber viel zu jung war und einen Korb kassiert.
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thelonica
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von thelonica »

"Confetti" und ein paar der anderen Alben find ich ja sehr gelungen, da wurde quasi Basie und Chanson kombiniert und sehr oft noch viel mehr. Ich freue mich allerdings auch über den Einsatz der Flöten, wovon man bei Quincy Jones meistens reichlich bekommt. Ansonsten sind ja auch Walzer dabei, man hört Harfen, Gitarre, French Horn, auch Akkordeon oder Mundharmonika hier und da, fast alles wurde aufgefahren. Ein paar dieser Alben wurden mal von Marc Myers (Jazzwax) vorgestellt. Bei dem Stück "Quand Je Monte Chez Toi" von "Americans in Paris" höre ich ein paar Ähnlichkeiten zum "James Bond Theme" (erste Version 1962, es gibt viele Variationen von dem Thema).

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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Tubby Hayes - An Unexpected Pleasure

Dieses 3-CD erschien im August bei Jazz in Britain und liegt schon eine Weile ungehört hier. CD 1 passt grad ganz gut nach Ronnie Scott, denn sie öffnet mit einer Aufnahme der Jazz Couriers von Ende August 1958: sechs Stücke mit Scott (ts)und Hayes (ts, vib) sowie Terry Shannon (p), Jeff Clyne (b) und BIll Eyden (d). Die Qualität der Aufnahme ist sehr gut, bloss von den Becken und dem Hi-Hat würde man gerne auch mehr hören. Und gut ist auch die Musik. Inzwischen klappt es leidlich gut mit der Lässigkeit, die zwei Saxophone passen echt gut zusammen, und wenn Hayes mal ans Vibraphon wechselt, ist das auch super. Die süssen Arrangement-Touches sind noch nicht ganz, irgendwo zwischen Folklore und zu nah am Musical-Vorbild arrangiert (den Vorwurf würd ich den Manne/Previn-Musical-Alben teils auch machen, das passierte nicht nur in Europa) und entsprechend steif, bis die Improvisationen beginnen - vielleicht auch, weil Rhythmuswechsel den Leuten (Bill Eyden wirkt eh oft etwas gehetzt hier) halt doch noch nicht so leicht von der Hand gingen? Jedenfalls knappe 25 gute Mintuen zum Start.

Es folgen drei Stücke mit der Band von Kurt Edelhagen beim Jazzfestival Duisburg im dortigen Stadttheater im Juni 1959 (Spillett schreibt in den Liner Notes allerdings, es handle sich um einen Mitschnitt aus Köln?) - in der Band u.a. Rob Pronk und Dusko Goykovich (t), Ramond Droz und Christian Kellens (tb), Ken Wray (vtb), Derek Humble (as), Jean-Louis Chautemps und Karl Drewo (ts) - ein paar Englänger neben ein paar Franzosen, und natürlich ein paar Leute, die in der Clarke-Boland Band landen sollten. Drei Hayes-Features, die Jimmy Deuchar arrangiert hat, kriegen wir zu hören: die rasanten "The Song Is You" und "Cherokee" rahmen ein längeres Balladenfeature ein, "'Round Midnight". Hier ist der Sound noch besser, ich drehe eher den Bass etwas rauf, die Becken von Stuff Combe sind jedenfalls so gut zu hören wie seine Snare und Toms. Die Band rollt dem Star den Teppich aus - und ist selbst nicht weiter bemerkenswert in diesen drei Stücken.

Das etwas länger als 25 Minuten dauernde letzte Segment der ersten CD kommt dann von 1962 und damit sind wir schon in Hayes "golden era" (Spillett). Sein Quintett mit Jimmy Deuchar (t und mellophonium), Shannon (p), Freddy Logan (b) und Allan Ganley (d) war etabliert, wie man dank ein paar hervorragenden Alben weiss. Spillett meint, für Leute, die nicht gut informiert waren darüber, was in den USA so lief, habe Hayes zwischen dem Pop-Schlock von Cliff Richard usw. und "Trad's sppon-fed sunniness" mit seinem smarten Auftreten (Anzug, akkurate Frisur, freundliches, fröhliches und verbindliches Auftreten) eine einzigartige Position einnehmen können: "It seemed there was no-one to touch him, nor anyone who could rival the apparent ease with which he assimilated all that was new in jazz. To those unable to see what was happening across the Atlantic in real time, Hayes was the very cutting edge of things. Or so it seemed. The modal revolution of Coltrane and Miles Davis was slow in surfacing in London and so, as the decade dawned, he was able to hold court on what were already in American terms old musical ideals." - Doch Hayes machte seine Sache einfach so gut, dass sich daran niemand aufhalten mochte. Ausser die Kritiker, die ihm "too many notes" vorwarfen oder - auch ein häufiger Topos - ihn "very angry" fanden - ausgerechnet! Hayes war 1961 in den USA und hier gibt es Material, das aktuelles von dort aufzugreifen scheint, etwa der Opener "Modes and Blues" - wie alle Stücke bis auf "Spring Is Here" und "Fly Me to the Moon" im Dreiertakt,vom Leader komponiert. Eddie Blair (t), Leon Calvert (t, flh) und Keith Christie (tb, vb) sind die Gäste dieser im November 1962 entstandenen Session und ermöglichen hübsche Arrangements mit Blech-Sätzen hinter den Melodien des Leaders, der in seiner Rolle glänzt.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

thelonica hat geschrieben: 26 Sep 2026, 13:45 "Confetti" und ein paar der anderen Alben find ich ja sehr gelungen, da wurde quasi Basie und Chanson kombiniert und sehr oft noch viel mehr. Ich freue mich allerdings auch über den Einsatz der Flöten, wovon man bei Quincy Jones meistens reichlich bekommt. Ansonsten sind ja auch Walzer dabei, man hört Harfen, Gitarre, French Horn, auch Akkordeon oder Mundharmonika hier und da, fast alles wurde aufgefahren. Ein paar dieser Alben wurden mal von Marc Myers (Jazzwax) vorgestellt. Bei dem Stück "Quand Je Monte Chez Toi" von "Americans in Paris" höre ich ein paar Ähnlichkeiten zum "James Bond Theme" (erste Version 1962, es gibt viele Variationen von dem Thema).
Bei "Confetti" hab ich mich irgendwann etwas zu langweilen begonnen - aber "Et voilà !" finde ich ziemlich gelungen.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



The Oscar Peterson Trio – Bursting Out with the All-Star Big Band / Swinging Brass

Bei mir läuft der CD-Twofer - und ein Blick bei Discogs zeigt, dass es den schon einmal in England auf Vinyl gab, 1971 auf dem Label Metro. An erster Stelle steht das tolle Album, das Ernie Wilkins arrangiert hat und das bei drei Sessions im Juni 1962 eingespielt wurde. Die Band ist so hochkarätig, dass man sich ab und zu wünscht, sie hätte etwas mehr Platz gekriegt. Zu hören sind immerhin zweimal Norris Turney (as) und James Moody (ts), dazu auch Jerome Richardson (picc) und Jud Brotherly (=Cannonball Adderley) (as) im Closer "Manteca", und einmal auch Willie Ruff (frh), was sehr fair ist, denn die Band ist neben den üblichen Sections (Nat Adderley, Clark Terry, Roy Eldridge, Jimmy Nottingham, Ernie Royal und Snooky Young stellen z.B. die Trompeten-Sections; Jimmy Cleveland, Slide Hampton, Melba Liston und Britt Woodman sind bei den Posaunen dabei, George Dorsey und Seldon Powell kommen zu den vier schon genannten Saxern) um eine Blech-Section mit vier Hörnern (u.a. auch Julius Watkins) und eine grossartig eingesetzte und gespielte Tuba (Don Butterfield) erweitert. Das alles ist um das Trio herum arrangiert und dieses ist auch die Hauptattraktion - aber das Album macht mir sehr viel Spass.

Als zweites folgt dann das im November 1959 eingespielte "Swinging Brass", das Petersons erstes richtiges Big Band-Album war, nachdem er schon ein paar Alben mit Streichern ("In a Romantic Mood" arrangiert von Russ Garcia 1955 und "Soft Sans" mit Buddy Bregman 1957 - letzteres kenne ich bisher nicht) gemacht hatte. Russ Garcia war zur Stelle und arrangierte nicht nur für Blech (sieben Leute an drei bzw. vier Trompeten und Posaunen, Stu Williamson an Trompete und Ventilposaune), wie der Albumtitel vermuten lässt, denn es sind auch vier Holzbläser dabei. Das CD-Booklet nennt Bud Shank (as), Bill Holman (ts) sowie Bob Cooper und Jay Corre (reeds), doch in den Liner Notes zum CD-Twofer spekuliert Bob Blumenthal, wer der Solist (der einzige aller Bläser) in "Little Pea's Blues" sein könnte, der auf der Originalplattenhülle als "a well known West Coast musician" bezeichnet wird. Benny Carter und Art Pepper schliesst er aus Gründen des Tons aus und kommt dann auf Shank ... das hört sich mehr wie Trio mit Backings an, denn Garcias Arrangements bleiben viel stärker im Hintergrund, dafür bietet das Album vielleicht das interessantere Repertoire: weniger aus dem eigenen Buch, dafür auch "The Spirit Feel" von Milt Jackson (inkl. Alternate Take, der einzige hier) und "Cubano Chant" von Ray Bryant, neben "O.P.", das der Leader und sein Arrangeur zusammen geschrieben haben.

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BYRDIE
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von BYRDIE »

lotterlotta hat geschrieben: 26 Sep 2026, 11:20 . Ich glaub die beiden in concert müssen auch noch her....kennt die jemand und lohnen sie?
Ich denke, zur Abrundung sollten Beide her!

Und dazu noch, als Ergänzung, halte ich auch dieses Teil für wichtig:


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