Lieber Friedrich, kein Problem mit dem Kapern. Im Gegenteil, es freut mich zu lesen, welche Intentionen mein Post anscheinend bei dir ausgelöst hat!!!
Btw. Dein Urteil zum Album teile ich voll und ganz.
Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
- Talking Head
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Re: Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
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- Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
Das beruhigt mich.Talking Head hat geschrieben: 13 Aug 2026, 18:21 Lieber Friedrich, kein Problem mit dem Kapern. Im Gegenteil, (...)
And now for something completely different:

Shrunken Elvis (2025)
Shrunken Elvis sind der in Großbritannien geborene, jetzt in Nashville lebende Pedal Steel-Spieler Spencer Cullum und die beiden andere Nashvillians Rich Ruth (Gitarre, Bass und Synthesizer) und Sean Thompson (Gitarre). Shrunken Elivs war für mich eins der Alben des Jahres 2025. Außer mir hat das hier aber niemanden interessiert.
Ich fasse mich kurz: In den liner notes zu diesem Album auf bandcamp, also in der Selbstbeschreibung des Trios, nennen Cullum, Ruth und Thompson folgende Einflüsse und Referenzen: „kosmische (sic!), jazz fusion, electronic, ambient. Alice Coltrane, Michael Rother, Pat Metheny, KLF, Ashra, Can, Kurosawa and Bergman“. allmusic hört heraus: „post-rock, cosmopolitan future jazz, country and indie rock“ und auf der Seite Raven Sings The Blues, wo ich Shrunken Elvis überhaupt erst entdeckt habe, kommt dies hinzu: „the band’s ability to melt 80s ECM into the spiritual sides of jazz with a Krautrock hangover.“
Alles klar?
Ich selbst dachte beim Hören spontan: „Country meets Tangerine Dream, feat. den Jazzgitarristen Bill Frisell“. Cowboys im Weltall? Aliens in Nashville?
Alles nicht ganz richtig und alles nicht ganz falsch. Hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört und ergibt viel mehr und was anderes als die Summe seiner Einzelteile.
Hier erfährt man nicht nur etwas über den etwas albernen Bandnamen (oder Albumtitel?) und kann Shrunken Elvis live spielen sehen.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
- Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
Im Interview bekennt Spencer Cullum, dass er und seine beiden Musikerkollegen von Shrunken Elvis, während sie in einem VW Passat durch Deutschland und Europa tingelten, das Album Blackouts von Ashra (alias Manuel Göttsching) von 1978 hörten. Das hatte großen Einfluss auf sie und wenn man das weiß, hört man das auch. Synth-Flächen + Gitarre.
Ashra? Manuel Göttsching? Da werden einige entgegnen: Das ist Krautrock! Damit haben wir das doch sehr schön auf einen Stilbegriff festgenagelt. Ich wiederum entgegne: Ja, aber Krautrock ist kein Stilbegriff sondern eher eine Haltung, die vielleicht auch mit einer bestimmten Zeitperiode verbunden ist. Ash Ra Tempel und Kraftwerk mag man beide in den großen Topf Krautrock werfen. Sicher war beiden Formationen die experimentelle Haltung gemein, aber sie kamen damit zu völlig unterschiedliche Ergebnissen. Und wenn sich Shrunken Elvis da was abgucken bzw. -hören, soll mir das nur recht sein.
Ashra? Manuel Göttsching? Da werden einige entgegnen: Das ist Krautrock! Damit haben wir das doch sehr schön auf einen Stilbegriff festgenagelt. Ich wiederum entgegne: Ja, aber Krautrock ist kein Stilbegriff sondern eher eine Haltung, die vielleicht auch mit einer bestimmten Zeitperiode verbunden ist. Ash Ra Tempel und Kraftwerk mag man beide in den großen Topf Krautrock werfen. Sicher war beiden Formationen die experimentelle Haltung gemein, aber sie kamen damit zu völlig unterschiedliche Ergebnissen. Und wenn sich Shrunken Elvis da was abgucken bzw. -hören, soll mir das nur recht sein.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
Neben die Stile?
Also Bill Orcutt wird regelmäßig in
"The Wire" besprochen. Und Eberhard
Schoener ist eigentlich auch ein Begriff
für Musikfreunde (wenn sie nicht 2010
oder später geboren wurden).
Was mich stört ist, dass "neben die Stile"
nur das Anzeichen ist, dass man irgendwie
"beschränkt" ist (im Wortsinne!), Das ist
der Stil (wer sagt das?), und das ist daneben
(wer zum Teufel sagt sowas, abgesehen
vielleicht von der Musikindustrie, die Musik
verkaufen will wie Tomaten?).
Und die Nummer mit dem "Post"-Irgendwas:
ich hol mal meinen Freund Luhmann hoch
(der Beweis, dass es Bielefeld gibt, neben dem
Song vom Astro-Brot natürlich):
Präfix "Post": wir wissen nicht was vorher war
(korrekt beschriebenes "Vorher"), aber das
"danach" ist angeblich "Post" davon. Wie gut
ist das denn? Schlechte Beschreibung!
"Neben die Stile": schlecht beobachtet und
schlecht unterschieden.
"The Wire" besprochen. Und Eberhard
Schoener ist eigentlich auch ein Begriff
für Musikfreunde (wenn sie nicht 2010
oder später geboren wurden).
Was mich stört ist, dass "neben die Stile"
nur das Anzeichen ist, dass man irgendwie
"beschränkt" ist (im Wortsinne!), Das ist
der Stil (wer sagt das?), und das ist daneben
(wer zum Teufel sagt sowas, abgesehen
vielleicht von der Musikindustrie, die Musik
verkaufen will wie Tomaten?).
Und die Nummer mit dem "Post"-Irgendwas:
ich hol mal meinen Freund Luhmann hoch
(der Beweis, dass es Bielefeld gibt, neben dem
Song vom Astro-Brot natürlich):
Präfix "Post": wir wissen nicht was vorher war
(korrekt beschriebenes "Vorher"), aber das
"danach" ist angeblich "Post" davon. Wie gut
ist das denn? Schlechte Beschreibung!
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schlecht unterschieden.
- Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
Erfreulich, dass Bill Orcutt im Wire besprochen wird. Leider lese ich den aber nicht. Eberhard Schoener war mir bislang unbekannt – und ich bin sogar vor 2000 geboren. 
Aber es geht hier auch nicht um tatsächliche oder vermeintliche Geheimtipps oder Obskuritäten. Ich habe diesen Thread aus der Verlegenheit angeregt, dass ich hier im Forum gern schriftlich und öffentlich über Bill Orcutt, Shrunken Elvis und hoffentlich noch andere Musiker nachdenken möchte, aber nicht wusste, in welchem Unterforum ich sie einsortieren sollte. Denn da ist alles fein säuberlich nach Stilen oder Genres geordnet. Was auch sinnvoll ist, damit wir uns orientieren können. Und natürlich bedienen sich Musiker auch gerne bewährter wiedererkennbarer Stilelemente.
Und ich hoffe, dass auch andere Interesse daran haben.
Hätte ich Bill Orcutt irgendwo im „Alternative“-Thread unterbringen können? So wie ich es sehe, geht’s dort vor allem um Indie-Rock, eine Genre, das Detlef Diederichsen kürzlich als „auserzählt“ bezeichnete. Oder hätte Orcutt besser in den Klassik-Thread gepasst? Die Besetzung als rein instrumentales Gitarrenquartett mit dieser Art von Kompositionen könnte das rechtfertigen. Shrunken Elvis könnte man gleichermaßen im Electronica-Thread wie im Country-Thread platzieren – zwei Stile, die kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Ich bezweifle aber, dass das da jeweils versammelte Publikum damit etwas anfangen könnte..
Die „Post-Irgendwas“-Begriffe sind letztlich nur Hilfskonstruktionen, um Musik, die aus etablierten Stilmitteln herauswächst, diese aus der Distanz betrachtet und ggf. als Zitat einsetzt, irgendwie benennen zu können. Wir brauchen eben Begriffe, um über etwas sprechen zu können.
Bielefeld existiert! Es pflegt ein für die Region Ostwestfalen-Lippe typisches understatement, hat einiges zu bieten (Wirtschaft, Kultur, Fußball) und ist viel besser als sein Ruf. Deinen Freund Niklas Luhmann („... bezweifelte den Sinn, klare zeitliche Epochen wie „Moderne“ und „Postmoderne“ voneinander zu trennen. Er sah die sogenannte Postmoderne eher als Symptom dafür, dass die moderne Gesellschaft ihr Vertrauen in ihre eigenen großen Erzählungen und Selbstbeschreibungen verloren hat.“) und Astrobrot kannte ich bislang noch nicht. Vielen Dank für die Tipps!
Aber es geht hier auch nicht um tatsächliche oder vermeintliche Geheimtipps oder Obskuritäten. Ich habe diesen Thread aus der Verlegenheit angeregt, dass ich hier im Forum gern schriftlich und öffentlich über Bill Orcutt, Shrunken Elvis und hoffentlich noch andere Musiker nachdenken möchte, aber nicht wusste, in welchem Unterforum ich sie einsortieren sollte. Denn da ist alles fein säuberlich nach Stilen oder Genres geordnet. Was auch sinnvoll ist, damit wir uns orientieren können. Und natürlich bedienen sich Musiker auch gerne bewährter wiedererkennbarer Stilelemente.
Und ich hoffe, dass auch andere Interesse daran haben.
Hätte ich Bill Orcutt irgendwo im „Alternative“-Thread unterbringen können? So wie ich es sehe, geht’s dort vor allem um Indie-Rock, eine Genre, das Detlef Diederichsen kürzlich als „auserzählt“ bezeichnete. Oder hätte Orcutt besser in den Klassik-Thread gepasst? Die Besetzung als rein instrumentales Gitarrenquartett mit dieser Art von Kompositionen könnte das rechtfertigen. Shrunken Elvis könnte man gleichermaßen im Electronica-Thread wie im Country-Thread platzieren – zwei Stile, die kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Ich bezweifle aber, dass das da jeweils versammelte Publikum damit etwas anfangen könnte..
Die „Post-Irgendwas“-Begriffe sind letztlich nur Hilfskonstruktionen, um Musik, die aus etablierten Stilmitteln herauswächst, diese aus der Distanz betrachtet und ggf. als Zitat einsetzt, irgendwie benennen zu können. Wir brauchen eben Begriffe, um über etwas sprechen zu können.
Bielefeld existiert! Es pflegt ein für die Region Ostwestfalen-Lippe typisches understatement, hat einiges zu bieten (Wirtschaft, Kultur, Fußball) und ist viel besser als sein Ruf. Deinen Freund Niklas Luhmann („... bezweifelte den Sinn, klare zeitliche Epochen wie „Moderne“ und „Postmoderne“ voneinander zu trennen. Er sah die sogenannte Postmoderne eher als Symptom dafür, dass die moderne Gesellschaft ihr Vertrauen in ihre eigenen großen Erzählungen und Selbstbeschreibungen verloren hat.“) und Astrobrot kannte ich bislang noch nicht. Vielen Dank für die Tipps!
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Re: Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
@lotterlotta erwähnte dieses Album im Jazz-Thread – wo es es aber eigentlich nicht reinpasst. Hier in diesen Thread passt es jedoch wie A*sch auf Eimer.lotterlotta hat geschrieben: 21 Sep 2026, 19:50 @Friedrich
charlemagne palestine- kkkaaarrreeennniiinnnaaa mit oren ambarchi und daniel o'sullivan
....hier hab ich jetzt tatsächlich schon vier runden mit verbracht ohne dass es langweilig wurde, eine faszinierende klangkulisse die da aufgebaut wurde. leider verwirren mich die angaben in den liner notes, die einträge bei discogs und die rückseite des covers völlig. wenn ich das richtig verstanden habe, wurden cassetten des ursprünglichen albums karenina, welches 1997 in paris aufgenommen wurde von o'sullivan beim gig abgespielt und alle drei fügten live neues hinzu, charlemagne auf der elektrischen orgel plus vocals, ambarchi seine gitarrenparts und o'sullivan vocals, viola und synthesizer. verwirrend ist die angabe bei discogs das es im cafe oto aufgenommen wurde aber anscheinend doch live in der st.thomas episcopal church aufgeführt wurde, deren glocken in die aufnahmen eingebunden wurden. die geschwindigkeit der abgespielten
cassetten variiert, was dem ganzen einen schwingenden sound verleiht und einen zutieft meditativen character
erzeugt. ich nehme mal an, dass o'sullivan das ganze dann im cafe oto abgemischt hat......bei dem gig wär ich gerne mit dabei gewesen.....fette empfehlung für alle die es meditativ mögen.... echt irre...
Charlemagne Palestine / Oren Ambarchi / Daniel O’Sullivan -KKAARREENNIINNAA (2026)
Charlemagne Palestine (bürgerl. Charles Martin und/oder Chaim Moshe Tzadik Palestine, geb. Mitte der 40er) war mir schon ein Begriff. Er kommt ursprünglich aus der sakralen jüdischen Musik, bewegte sich später immer mehr in den experimentellen Bereich und tritt gern umgeben von unzähligen Kuscheltieren auf. Oren Ambarchi kenne ich im Trio mit Johan Berthling und Andreas Werliin, das man im weitesten Sinne im Jazz verorten könnte. Daniel O’Sullivan war mir bisher völlig unbekannt. Er treibt sich wohl in einem breiten Spektrum von Alternative Rock bis freier Improvisation herum.
KKAARREENNIINNAA ist ein 1997 für CPs verstorbenen Hund, einen schwarzen Labrador, aufgeführtes Requiem. Bei dieser Version von 2026 wird eine Aufnahme der damaligen Performance abgespielt und geloopt. Über diesen Orgelklängen improvisieren OA und DOS auf verfremdeter Gitarre, Viola und Synthesizer und über allem liegt CPs wortloser Falsettgesang. Das alles übereinander geschichtet ergibt einen dichten drone-artigen Klang, bei dem sich die verschiedenen Schichten immer etwas gegeneinander verschieben. Aber es gibt eigentlich kaum eine Entwicklung, keine Dramaturgie. Die Musik steht 45 Minuten lang im Raum und füllt ihn. Mehr ein Zustand als ein ein Prozess.
Ich stelle mir dabei einen abgedunkelten Raum vor, vielleicht eine Kapelle, in der der Leichnam des Hundes aufgebahrt ist. Kerzen, vielleicht Weihrauch oder der Duft eines exotischen Öles. Man erstarrt in ehrfürchtiger Andacht. Das hat etwas von einem Ritual, etwas Sakrales – gleichzeitig aber auch was komisches: Es handelt sich schließlich um ein Requiem für einen Hund, nicht für einen Heiligen. Aber Charlemagne Palestine lebt wohl in seiner eigenen Welt und seine Wertmaßstäbe sind nicht unbedingt für jedermann nachvollziehbar. Ja, irgendwie irre! Beeindruckend ist das Werk in jedem Fall. Man muss sich dabei aber auch auf einiges einlasssen.
Ich kenne nicht viel von Charlemagne Palestine. Die Erzeugung eines Klanges, der scheinbar unverändert über lange Zeit den Raum und den Hörer vollkommen einnimmt, scheint typisch für ihn zu sein. Und sein Musik scheint auch immer etwas rituelles und sakrales zu haben. Und damit schließt sich vielleicht der Kreis zu seinen Anfängen als Musiker in Synagogen und Kirchen.
Später ggf. nach weiteres zu Charlemagne Palestine. In welchem Thread, muss ich mir noch überlegen.
Zuletzt geändert von Friedrich am 21 Sep 2026, 22:05, insgesamt 1-mal geändert.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
- lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Post-Genre oder: Neben die Stile gesetzt
mit dem verschieben kann ich leben, war beim posten im jazzthread auch nicht so ganz glücklich damit. deine beschreibung trifft es schon wesentlich besser als mein bescheidener versuch . trotzdem ist da ein schwingen und variieren, ein wabern des sounds dem man folgen kann und mental eine bindung dazu herstellt und man alles darum herum vergessen kann. charlemagne legt über seine ürsprünglichen aufnahmen ja auch zusätzliche elektronische orgelklänge, das verändern der laufgeschwindigkeit an den ursprünglichen aufnahmen erzeugt dies wabernde was mich zum beispiel bannt und wie ein mantra daherkommt.....bei discogs von drei weiteren hörern sehr hoch bewertet. hier wird wohl niemand mehr etwas dazu sagen, eine platte die weitestgehend an der öffentlichkeit vorbei läuft bzw. weiter laufen wird.....faszinierend......außergewöhnlich....ein meisterwerk der ureigensten art....könnte mir vorstellen, dass sie auch etwas für@vorgarten sein könnte....
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
