Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

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Friedrich
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von Friedrich »

thelonica hat geschrieben: 16 Aug 2026, 19:55 So off-topic ist das gar nicht. Mit Sammy Lowe (Erskine Hawkins Band) gab es eine Verbindung zu späteren Soul Produktionen (auch James Brown). Mir sagt der Name vor allem wegen Baby Washington was, aber Lowe war auch verantwortlich für Arrangements von "It's a Man's Man's Man's World" und "Prisoner of Love". Eigentlich bräuchte es sogar einen Thread für fast vergessene Sänger*innen, weil es gab so viele gute u. interessante (Pha Terrell, Midge Williams, Irene Day, Mildred Bailey, Gladys Palmer etc.)

Dieses ganze Big Band Feld finde ich immer noch ziemlich unübersichtlich, weil ich vieles nicht gut genug kenne (Chick Webb, Cab Calloway oder Earl Hines z.B.). Bands von Louis Bellson auch (ab den 50ern), wobei Bellson auf mindestens einer James Brown Platte zu hören ist. (...)
Lese Deinen post leider jetzt erst, @thelonica.

Du meinst das Album James Brown & The Louis Bellson Orchestra SOUL ON TOP mit Oliver Nelson als Arrangeur und Dirigent von 1970. Ein starkes Album, das mehr Aufmerksamkeit verdient! Und ein besseres Cover!

Ich habe JB eigentlich nie zuvorderst als großartigen Sänger wahrgenommen. Er war ein mitreißender Performer mit unwiderstehlicher Ausstrahlung. Aber bei jedem Gesangswettbewerb wäre er in der Vorrunde ausgeschieden. Man darf in diesem Zusammenhang mal die Frage stellen, ob Stöhnen, Ächzen und Kreischen musikalisch sinnvoll sind. ;-)

Aber das geht jetzt mehrfach off topic.
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thelonica
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von thelonica »

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Mir war bisher nur dieses Cover bekannt, das andere aus den 70ern ist wirklich nicht gut. Ansonsten finde ich die Band sehr überzeugend, Ray Brown spielte wohl auch Electric Bass, Maceo Parker ist auch irgendwo zu hören und Louis Bellson ist sehr toll, schrieb sogar einen Song. Allerdings hätte es "Your Cheatin' Heart" und "September Song" vielleicht nicht gebraucht, James Brown übertreibt es hier und da mit seinen Vocals, insgesamt wirkt die Performance etwas sehr bemüht aber live gesungen, was vielleicht ein Plus ist.

Ich hörte von einem Musiker, dass er die Ellington und Basie Bands und ebenfalls James Brown im Apollo als Kind/Teenager erlebt hat. Louis Bellson war in den 60ern gelegentlich wieder bei Basie oder Ellington, wahrscheinlich überwiegend für Aufnahmen. Mit etwas Hintergrundwissen macht Louis Bellson auf einer James Brown LP absolut Sinn, Sonny Payne wäre natürlich auch interessant gewesen (mit etwas anderen Songs vielleicht).
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Friedrich
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von Friedrich »

Passende Cover sind so eine Marotte von mir, da ich gerne das Visuelle mit der Musik verbinde und denke, dass ein gutes Cover die Musik gut "rahmen" und in Szene setzen kann.

Soul On Top:

Die Musik ist dicht, aufregend, satt und fett. Das Orchester steht unter Dampf und feuert als allen Rohren. -zig Beteiligte, großstädtische Athmosphäre. Auch wenn das Album in Los Angeles aufgenommen wurde, klingt das nach Broadway oder 125th Street. Und nach Samstagnacht.

Das Cover hingegen entspannt, James Brown auf Landpartie im Sonnenschein. Es fehlt eigentlich nur noch der Picknickkorb. Sehe ich vorne links den Schatten des Fotografen? Und dieser Baumstamm im Hintergrund: Ist das ein dummer Witz oder hat der Fotograf das tatsächlich übersehen?

Das passt nicht zusammen.

Auf der Innenseite des ursprünglichen Klappcovers und auf der Rückseite gibt es einige Fotos, die etwas von der Athmosphäre der Aufnahmen einfangen. Daraus hätte man was machen können.

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Mag sein, dass einige Balladen auf SOT nicht zum besten gehören, was JB gemacht hat. Aber allein die (Neu)aufnahmen mit Orchester von Man's World, Brand New Bag und There Was A Time sind den Eintrittspreis wert. Und James Brown ist eben James Brown, stöhnt, ächzt und kreischt. James Brown ist nicht Frank Sinatra. ;-)

Aber das schweift wieder ab.
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Friedrich
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice hat geschrieben: 10 Jun 2026, 22:03  Jay McShann – The Last Of The Blue Devils
Wie wär es wohl gewesen, wenn Count Basie damals in den 40ern nicht Freddie Green an der Gitarre gehabt hätte sondern John Scofield....? Wer sich diese Frage schonmal gestellt hat, ist hier genau richtig... und auch wer die Frage ein bisschen befremdlich findet, kann wenig falschmachen... ich hab ja gerade The World of Count Basie von Stanley Dance gelesen, und eine der Thesen, die dort immer vorgebracht werden, ist, dass der Kansas City Jazz in zwei Wellen zuerst New York und dann die Welt erobert hat - und beide Male war es eine Big Band, die durch einen herausragenden Rhythmuspianisten geleitet wurde mit dem wichtigsten Avantgardesaxophonisten seiner Generation unter den Solisten... erst Count Basie mit Lester Young, dann Jay McShann mit Charlie Parker... (...) Wenn man bereit ist, diese Geschichte zu glauben, die Geschichte von Basie, Young, McShann und Parker, dann fällt doch auf, dass sie die Rolle von McShann ziemlich aufwertet, Basie, Young und Parker gehören schliesslich in die erste Reihe der Jazzprominenz... und wenn man die Interviews im Buch dann mit diesem Gedanken im Hinterkopf liest, fällt schon auf, wieviel Respekt alle vor McShann haben, der einzige, der Basie in seinem eigenen Spiel schlagen konnte - (…)

Die Band auf diesem Album von 1978 ist ein Septett, Scofield an der Gitarre, Milt Hinton am Bass, Jackie Williams (dr, auch das ein Veteran)... (...)

 
John Scofield bei Jay McShann? So bluesy und groovy war er wahrscheinlich niemals wieder! ;-)

Man könnte die These von Stanley Dance noch erweitern, indem man behauptet, dass der Blues vom Mississippi Delta aus in zwei Wellen via Memphis erst Chicago und von da aus den Rest der Welt erobert hat. Kaum zu glauben aber wirklich wahr! Kulturpuristen aller Couleur kriegen da vielleicht eine Krise, aber was wollen sie machen …

Es ist eine Ironie der Musikgeschichte, dass Jay McShann aus heutiger Sicht nur eine Fußnote in der Biografie von Charlie Parker - und auch mir kaum bekannt - ist, diese tragische Figur aber um Jahrzehnte überlebte und offenbar im höheren Alter auch wieder populär und erfolgreich war.

Hier jetzt:

Bild

Count Basie – Swingsation (Compilation 1998)

18 Aufnahmen für Decca Records aus den Jahren 1937-39, u.a. mit Lester Young und Freddie Green, dem Gitarristen, der nie ein Solo spielte (oder?) und den man nur hört, wenn er nicht spielt. Und das meine ich durchaus anerkennend.

Gleich hinterher:

Bild

Count Basie – Swinging The Blues (Compilation 2000)

20 Aufnahmen aus den Jahren 1937-47, auch mit Young, Green und dazu bzw. stattdessen Don Byas.

Man kriegt diese Compis für ein paar Euro-fuffzich hinterhergeworfen und beim Coverdesign ist hier wirklich gespart worden, Aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass darauf spitzenmäßige Musik in erstaunlich guter, scharfer und kraftvoller Tonqualität zu hören ist. 2 Stunden Sex and Drugs and Jump ’n’ Jive
Zuletzt geändert von Friedrich am 13 Sep 2026, 06:24, insgesamt 1-mal geändert.
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thelonica
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von thelonica »

Im Detail ist das alles sehr interessant: Basie stammt ja eigentlich aus New Jersey, der Count hatte weit am Anfang mal mit dem älteren Sonny Greer zu tun, Basie war auch in Harlem und an einigen anderen Orten. Die Cab Calloway Band und auch die Lunceford Band waren noch vor der Basie Band in New York, Erskine Hawkins eventuell ein Jahr vor der Basie Band. Aber die anderen Bandleader kehrten teilweise auch zurück, Lunceford hatte wohl zusätzlich eine feste Basis in Memphis (Lunceford war ja auch Pilot), bei Erskine Hawkins weiß ich es nicht so genau, aber einige Musiker der Hawkins Band kamen aus Alabama. Ungewöhnlich war jedenfalls auch der Weg von Cab Calloway, in Chicago lernte er noch von Adelaide Hall und Louis Armstrong, aber Auftritte im Savoy Ballroom (N.Y.) gab es schon 1929. Chick Webb zog schon mit 17 Jahren von Baltimore nach New York, bereits 1931 war Webb der Leader der house band im Savoy Ballroom.

Bei Buck Clayton ist es irgendwie noch ganz anders gewesen. Nach der Highschool ging er nach Los Angeles, ab 1934 oder 1935 war er in Shanghai, vor dem Krieg zwischen China und Japan (1937) kehrte er zurück in die USA. Erst ging es bei Willie Bryant in New York weiter, kurz danach ging es zu Basie in Kansas City, aber die Basie Band zog 1937 dann nach New York, mit Clayton, der für einige Jahre blieb (bis zum draft 1943).
https://en.wikipedia.org/wiki/Willie_Bryant

Zu den Musikern aus Oklahoma (Jay MShann, Jimmy Rushing, Don Byas) habe ich ein bißchen was nachgelesen. Die Musiklehrerin Zelia N Breaux hatte Charlie Christian, Jimmy Rushing und Ralph Ellison unterrichtet. Auch die Geschichte der Eltern von Zelia N. Breaux ist interessant. https://en.wikipedia.org/wiki/Zelia_N._Breaux
https://en.wikipedia.org/wiki/Inman_E._Page

Dass Jimmy Rushing Musiktheorie in der Highschool gelernt hatte und auf dem College war, ist vielleicht etwas weniger bekannt. Die Wilberforce University besuchten jedenfalls einige interessante Leute: Rushing, Tiny Bradshaw, Frank Foster, Leontyne Price, Ben Webster...
https://en.wikipedia.org/wiki/Wilberfor ... ble_alumni
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gypsy tail wind
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »



Alix Combelle (Paris, 1912 - Mantes-la-Jolie, 1978) war der grosse Coleman Hawkins-Schüler Frankreichs. Natürlich musste diese CD mit, als ich sie letzte Woche in Paris für kleines Geld sah. Seine allerersten Aufnahmen als Leader machte er im September 1935 mit dem Quintet du Hot Club de France, der Band des phänomenalen Django Reinhard (plus Stéphane Grappelli, Joseph Reinhardt und Louis Vola, also Tenorsax, Violine, zwei Gitarren und Kontrabass) und die zwei Stücke sind natürlich bekannt: "Crazy Rhythm" und "The Sheik of Araby". Auf der CD sind am Schluss noch zwei Sessions mit Django Reinhardt als Teil von Combelles grösserer Swing Band von 1940, die vermutlich auch auf den einschlägigen Reinhardt-Sammlungen zu finden sich (ich hab die "Intégrale" von Frémeaux im Regal, gehe gar nicht erst gucken, dort ist wirklich alles drin). Davor kriegen wir Combelle im Oktober 1937 mit Bill Coleman (t - souverän und in "Hang Over Blues" auch als Sänger zu hören), David Martin (p), Roger Chaput (g), Wilson Myers (b) und Jerry Mengo (d) in fünf Stücken für Swing ("I Can't Give You Anything But Love" wurde damals "rejected"), das Label, für das alle weiteren Stücke der CD entstanden. Dann mit seinen Hot Four - Philippe Brun (cor - unter dem Einfluss von Coleman, der in Paris nicht unwichtig war), Joseph Reinhardt und Vola - im Januar 1938 mit zwei Stücken, gefolgt von zwei "saxophone solos" mit Ray Stokes (p - ziemlich interessant) und Pierre Fouad (d).

Ende 1938 wurden dann die "Hot Club Swing Stars" zusammengestellt, bei denen Brun, Pierre Allier und Maurice Moufflard Trompete spielen, Danny Polo an Klarinette, Max Blanc am Alt- und Noël Chiboust am zweiten Tenorsax mit Combelle die Reeds (keine Posaunen), dazu Louis Richardet (p), Chaput, Vola und Fouad. Eins der vier Stücke, "Daphné", wieder rejected aber auf der CD enthalten und ausgerechnet ein Highlight hier, ein tolles Stück von Django Reinhardt. Im Februar 1940 heisst die Band dann "Alix Combelle and His Swing Band" und die Reinhardt-Brüder übernehmen von Chaput, die Trompeten auf vier anwachsen (Brun, Allier, Al Piguillem und Alex Renard) und eine Posaune dazu kommt (Guy Paquinet), während Combelle der einzige Holzbläser ist. Charlie Lewis (p - ein Amerikaner, das ging direkt vor der Einnahme von Paris noch), Marceau Sarbib (b) und Charles Delauney (d - als "H.P. Chadel") sind ebenfalls neu dabei. Hier gibt es sechs Stücke, von denen erneut eines ("Nerves and Fever") damals nicht erschienen ist - warum es hier gleich drei solche Stücke gibt, darüber kann ich nur rätseln ... vielleicht, weil Classics ein frz. Label war und man gut vernetzt war mit den Sammlern, die auch solche Raritäten im Plattenregal stehen hatten? Im Oktober 1940 (seit Juni war Paris besetzt) fand dann die letzte hier noch halb enthaltene Session statt (zwei Stücke, drei weitere sind auf der CD "1940-1941" - bisschen ärgerlich, dass Classics so oft Sessions zerstückelt hat), mit fast völlig neuem Personal: Blanc, Chiboust, Django R. und Fouad sind zurück, Aimé Barelli, Christian Bellest und Séverin Luino bilden die Trompetensection, Eugène d'Hellemmes ist der neue Posaunist, Marcel Coestler der zweite Altsaxer neben Blanc, Raymond Wraskoff sitzt am Klavier und Francis Lucas spielt den Kontrabass.



Das sind wichtige frühe Swing-Sessions aus Frankreich - und Combelle braucht sich echt nicht verstecken: er war 1937 auch bei der Session, mit der das Label "Swing" eingeweiht wurde und spielte da neben Benny Carter und seinem Vorbild Coleman Hawkins. Er wirkte in den Bands von Michel Warlop oder Guy Paquinet mit und reite 1937/38 zweimal in die USA, wo Tommy Dorsey ihm einen Job angeboten hat. Doch Combelle wollte lieber nach Paris zurück, um dort mit der populären Band von Ray Ventura zu spielen. In der Zeit der Besatzung war Combelle für "Jazz de Paris" verantwortlich, eine lokale Initiative, die Auftritte und Aufnahmen ermöglichte, die direkt vor der Nase der Deutschen gemacht wurden. Nachdem Jerry Mengo dort die Leitung übernahm, gründete Combelle seine eigene Band. Er war in der Nachkriegszeit nicht mehr so populär, nahm aber weiterhin auf - seine letzten Aufnahmen entstanden 1960. Da hatte längst eine neue Generation übernommen, vielleicht mit Guy Lafitte als Combelles etwas modernerem Nachfolgen - und natürlich waren all die "Americans in Paris" nach 1945 wieder da, nicht zuletzt Don Byas, der in Paris zahlreiche Aufnahmen machte.

Ich habe Combelle bisher immer wieder mal positiv wahrgenommen, nicht zuletzt bei der schon erwähnten Session von 1937 mit Benny Carter, Coleman Hawkins und Django Reinhardt (und André Ekyan als zweitem Franzosen am Sax, dazu Grappelli am Klavier, Eugène d'Hellemmes am Bass und Tommy Benford an den Drums) - eine der der grossen Swing-Sessions überhaupt mit "Honeysuckle Rose" als dem berühmtesten der vier Stücke. Ihn jetzt mal ausführlich zu hören, macht viel Freude. Schade, dass nur diese erste seine Classics-CDs in den beiden O'CD-Läden herumstand, in denen ich fast zwei Dutzend CDs des Labels fand (und nochmal so viele zurückliess, weil ich sie schon habe oder nicht brauche).
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gypsy tail wind
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »



Musik von Tommy Dorsey hörte ich ja die letzten Monaten schon ein paar Mal ... als mir auch seine allererste Classics-CD in die Hände fiel, hab ich kurz nachgelesen und beschlossen, sie ebenfalls mitzunehmen, vor allem wegen des "Prologs" zu seiner Karriere, den zwei Okeh-Sessions von 1928 bzw. 1929 mit denen die CD öffnet. "Tom Dorsey" heisst er bei den ersten Aufnahmen mit Eddie Lang (g), Jimmy Williams (tuba/b), Stank King (d) und auf dem ersten Stück Arthur Schutt (harmonium). "It's Right Here for You" ist das erste Stück vom 10. November 1928. Das ist Musik irgendwo auf halbem Weg zwischen Armstrong und Beiderbecke, Dorsey spielt Trompete (!) mit Punch und attraktivem Ton, Lang ist die andere wichtige Stimme hier - und klar, Swing gibt es 1928 noch nicht so ganz, aber man ist durchaus auf dem Weg dorthin, besonders dank dem tollen Flow von Eddie Lang an der akustischen Gitarre. "Tiger Rag" ist das zweite Stück der Session. Im April 1929 folgten noch zwei Stücke an der Trompete mit Frank Signorelli (p), Lang und King, "Daddy, Change Your Mind" und "You Can't Cheat a Cheater". Weiter geht es dann mit einem einzigen Stück, das Dorsey im Juli 1932 einspielte und das bei Brunswick (UK) erschein - jetzt an der Posaune und mit grösserer Band (Manny Klein-t, Jimmy Dorsey-cl, Larry Binyon-ts, Fulton McGrath-p, Dick McDonough-g, Artie Bernstein-b und Dave Tough-d). "Three Moods" heisst Dorseys tolles Stück, in dem er eine Art Rubato-Intro spielt und schon sein toller Ton an der Posaune zu hören ist. Dann spielt er glänzende, schnelle Linien, bevor die Band in der Mitte ins Tempo fällt. Die Klarinette des Bruders sticht im Arrangement heraus und kriegt gegen Ende auch ein paar Takte im und spielt eine Art Gegenlinie zum Thema. Aber das ist ganz klar ein Tommy Dorsey-Showcase und der weiss das zu nutzen.

"You Can't Cheat a Cheater" haben Dorsey und Signorelli mit dem Trompeter Phil Napoleon komponiert. Im Mai 1929, einen Monat nach Dorseys Aufnahme, spielte das Trio es auch gemeinsam ein - mit Jimmy Dorsey (cl/as), Joe Venuti (v), Lang, Joe Tarto (tuba) und Ted Napoleon (d)



Von den fünf Stücken der Classics-CD sind die ersten beiden auch in der Mosaic-Box "The Classic Columbia and Okeh Joe Venuti and Eddie Lang Sessions" - warum nur diese, weiss ich nicht. Dass die "Cheater"-Aufnahme auf RCA fehlt, ist hingegen klar (bei Classics, weil das keine Dorsey-Session ist, bei Mosaic, weil RCA nicht Okeh ist).

Danach springt die Classics-CD ins Jahr 1935, als Dorsey seine Band gründete (für die er eben ein paar Jahre später auch ganz gerne Alix Combelle angeheuert hätte). Es gibt auf der Classics-CD die ersten fünf Sessions für Victor, entstanden zwischen dem 26. September und dem 7. November, also in sehr kurzer Zeit. Bekannte Namen liest man im Line-Up kaum: Trompeter Sterling Bose vielleicht, Drummer Sam Weiss bei der letzten Session, die Sängerin Edythe Wright, der Arrangeur Paul Weston.

Los geht es bei der ersten Session erstmal mit "Take Me Back to My Boots and Saddle", einem Western-Song mit müden Vocals von Trompeter Cliff Weston mit klappernden Hufen und einem Bassklarinetten-Lick im Ensemble (fehlt im LIne-Up, da steht: Sid Stoneburn-cl/as, Noni Bernardi-as, Clyde Rounds-as/ts, Johnny van Eps-ts - aber den Part konnte jeder der vier in drei Sekunden einstudieren, nur die drei Schnörkel am Ende zeigen, dass wer auch immer hier Bassklarinette spielt, das Instrument schon beherrscht). "Weary Blues" ist dann das Instrumental dieser ersten Session - schnelles Tempo, gute Klarinette, eskalierendes Piano (Paul Mitchell) und stompendes Tenorsax, bevor der Leader das letzte Solo spielt, während Drummer Sam Rosen ziemlich Dampf macht (aber nicht ganz ohne ein paar Hufklapper-Rim-Shots durch kommt). Das ist nun aufregende Swing-Musik, und davon gibt es - neben zu vielen Gesangsfeatures für Weston und Eleanore Powell, die auf der zweiten Session nominell die Leaderin ist und auch bei der dritten Session nochmal mitsingt und steppt - noch einige mehr zu hören, aber nur noch zwei weitere Instrumentals, darunter der Closer der CD, "Pagan Star". 19 Stücke der Band finden sich auf der CD, darunter auch bereits den Theme-Song "I'm Getting Sentimental Over You", der bei der vierten Session am 18. Oktober eingespielt wurde (das letzte Instrumental hier, arrangiert von Noni Bernardi). Die Gesangsnummern von Edythe Wright sind teils ganz gut - selbst drittklassige Songs wie "Treasure Island" werden bei ihr ganz charmant, aber sie singt nur dreimal (plus "Santa Claus Is Coming to Town" bei der ersten Session zusammen mit Weston), während Powell fünfmal zu hören ist und Weston gefühlt ständig (sieben Stücke plus das Duett). Laut Anatol Schenkers Liner Notes hat der Komponist George Bassman das Stück für gerade mal 25$ an Irving Mills verkauft, der dann ordentlich Reibach macht, nachdem Dorsey damit einen Hit landete.

Meine Dorsey-Sammlung (es gibt nach dieser noch ein ganzes Dutzend Classics-CDs und natürlich viele weitere Compilations, von denen ich auch schon ein paar habe, aber eher zufällig "eingesammelt") wird jedenfalls vorerst nicht weiter wachsen, denke ich (eine einzelne der vielen weiteren Classics-CDs hätte ich in Paris auch noch mitnehmen können, aber eben: muss nicht). Die beste CD, die mir bisher in die Finger kam, ist wohl "At the 400 Restaurant 1946" auf Hep (merci @redbeansandrice!)
Zuletzt geändert von gypsy tail wind am 20 Sep 2026, 10:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von hurley »

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Muriel Grossmann- MG And The Echoes Of Swing

Eine tolle Abwechslung in der Diskographie von Muriel Grossmann. Tolle Big Band und Muriel strotz vor Energie.
Menschenrechte statt rechte Menschen.