Rate your books 2026
- latho
- Beiträge: 550
- Registriert: 19 Feb 2026, 23:50
- Wohnort: Dollywood
- Has thanked: 81 times
- Been thanked: 78 times
Re: Rate your books 2026
Das würde für mich einiges erklären. Humanismus ist ja eher out in den Staaten.
If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
Re: Rate your books 2026

1. MARLEN HAUSHOFER: Die Wand (1963)
2. MARK TWAIN: (Die Abenteuer des) Tom Sawyer / The adventures of Tom Sawyer (1876)
3. GEORGE ORWELL: Farm der Tiere: Ein Märchen / Animal farm: A fairy story (1945)
4. IMRE KERTÉSZ: Roman eines Schicksallosen / Sorstalanság (1975)
5. YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr / Ryōjū (1949)
6. MIEKO KAWAKAMI: Heaven / Hevun (2009)
7. CHARLES BUKOWSKI: Der Mann mit der Ledertasche / Post office (1971)
8. WILLIAM FAULKNER: Als ich im sterben lag / As I lay dying (1930)
9. HAN KANG: Die Vegetarierin / Chaesigju-euija (2007)
10. ANNIE ERNAUX: Erinnerung eines Mädchens / Mémoire de fille (2016)
11. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah
12. WILHELM HAUFF: Der Zwerg Nase (1826)
13. JANE AUSTEN: Lady Susan (1923)
14. WILHELM HAUFF: Das kalte Herz: Ein Märchen (1827)
15. JOSEPH ROTH: Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht (1936)
16. MILAN KUNDERA: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins / Nesnesitelná lehkost bytí (1984)
17. WILHELM HAUFF: Die Geschichte von dem kleinen Muck (1825)
18. JANE AUSTEN: Die Watsons / The Watsons (1927)
19. JANE AUSTEN: Sanditon (1925)[/b][/b]
20. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)
21. JEAN-PAUL SARTRE: Der Ekel / La nausée (1938)
Faulkner gehört zu den Schriftstellern, die ich sehr bewundere für das, was sie können. Dass er ein großer Erzähler ist, merkt man schnell, für mich ist er aber ein fast noch größerer Stilist, bei dem ich mich bereits oft an der Form an sich erfreue. Die Art, wie er Stimmungen aufbaut, ist ziemlich einmalig - ich hatte ähnliche Empfindungen bislang allenfalls hier und da bei Alice Munro.
Die Geschichte von „Als ich im Sterben lag“ ist im Grunde schnell umrissen. Eine Frau in den Südstaaten stirbt und hinterlässt ihren Mann und fünf Kinder. Die Storyline reicht vom sich anbahnenden Tod und der langen Reise des Leichenzugs bis hin zum Begräbnis. Das Buch erzählt abwechselnd aus zahlreichen Perspektiven – aus denen der armen Farmerfamilie selbst, aus der von Freunden, Ärzten und Bekannten.
Die viel größere und eigentliche Erzählung ist die von der psychischen Bewältigung des Todes mitsamt der Vermessung der ganz spezifischen Rollen und Eigenarten von Menschen in Familien, die in der Krise nochmal ungleich stärker hervortreten, aber auch die bleierne Schwere von all dem, was nicht gesagt wurde und buchstäblich mit ins Grab genommen wird. „Als ich im Sterben lag“ verhandelt dabei so vieles: Armut, Schwangerschaft und soziale Stigmatisierung, Trauma, Missbrauch, Eigennützigkeit, Wahnsinn und Untreue.
Da, wo andere ihre Figuren von Anfang an zeichnen würden, schafft Faulkner oft nur zarte Konturen, die nach und nach über Dialoge, innere Monologe und Verhaltensweisen zum Leben erweckt werden. Es gibt auch beschreibende Momente, aber „Als ich im Sterben lag“ lebt stark von einer fleischlichen, rohen Komponente, von Auslassungen hier, von prägnanten Wiederholungen dort. Und natürlich von den Bewusstseinsströmen, in denen Gesprächsfetzen, Erinnerungen, Wahrnehmungen und äußere Beschreibungen immer wieder zusammenfließen.
Faszinierend ist ebenso die Bandbreite an Emotionen, die „Als ich im Sterben lag“ abdeckt, ein Werk über Verfall, Gewalt, Dulden und Aushalten, das aber auf seltsame Weise dennoch auch makaber-grotesk und durchaus humorvoll ist. Selbst das Ende ist zynisch.
Bei aller Faszination ist es aber kein absolutes Lieblingsbuch, wie es bei mir bei „Licht im August“ der Fall ist. Das liegt zum einen schlicht am Plot an sich, aber auch an einer Reihe von Passagen, die mich immer wieder aus dem Fluss rausgerissen haben. Das mag zuteilen vielleicht aber auch an der Unmöglichkeit liegen, die Bewusstseinsströme und Metaphern immer akkurat zu übersetzen. Dennoch natürlich ein Werk, das man haben muss.
Zuletzt geändert von Irrlicht am 06 Sep 2026, 08:04, insgesamt 1-mal geändert.
- salamandersalat
- Beiträge: 614
- Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
- Has thanked: 329 times
- Been thanked: 155 times
Re: Rate your books 2026
Licht im August las ich, war ein wenig ernüchert, und hoffte ein bisschen darauf, dass As I Lay Dying dieses übertrifft. Dem ist also nicht so?
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
Re: Rate your books 2026
Ich finde, man sollte beide gelesen haben. Ich fand "Licht im August" berührender und inhaltlich vielseitiger, aber ehrlicherweise habe ich es vor gefühlt einem Jahrzehnt gelesen - zumindest damals ist es aber direkt sehr weit oben bei mir gelandet.salamandersalat hat geschrieben: 05 Sep 2026, 21:41Licht im August las ich, war ein wenig ernüchert, und hoffte ein bisschen darauf, dass As I Lay Dying dieses übertrifft. Dem ist also nicht so?
"Als ich im Sterben lag" kann man auch als maximale Schnecke was die Lesegeschwindigkeit betrifft gut in 2-3 Wochen bewältigen, daher empfehle ich es Dir gern
Edit: Eben mal rausgesucht, damals auf #6 meiner Alltime-Faveliste im RS Forum.
- salamandersalat
- Beiträge: 614
- Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
- Has thanked: 329 times
- Been thanked: 155 times
Re: Rate your books 2026
Mir erschien Licht im August, gemessen am Ruf, ein bisschen gewöhnlich. Ich hatte wohl etwas Ausgefalleneres erwartet. Löst As I Lay Dying das z.B. auf formaler Ebene ein? Etwa durch die Bewusstseinsströme?
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
Re: Rate your books 2026
Ja, wenn ich meine alte Erinnerung hochhole, fand ich "Als ich im Sterben lag" literarisch eher komplexer und freier in der Form. Das beginnt bei den Bewusstsströmen, daran schließt sich die teils sehr elliptische Erzählweise an und endet bei Leerstellen im Text, an einer Stelle wird sogar mit reingezeichneten Formen gearbeitet.salamandersalat hat geschrieben: 05 Sep 2026, 21:50Mir erschien Licht im August, gemessen am Ruf, ein bisschen gewöhnlich. Ich hatte wohl etwas Ausgefalleneres erwartet. Löst As I Lay Dying das z.B. auf formaler Ebene ein? Etwa durch die Bewusstseinsströme?
Zuletzt geändert von Irrlicht am 05 Sep 2026, 23:08, insgesamt 1-mal geändert.
- salamandersalat
- Beiträge: 614
- Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
- Has thanked: 329 times
- Been thanked: 155 times
Re: Rate your books 2026
Das klingt sehr gut. Danke! Außerdem ist As I Lay Dying so ein krass evokativer Titel, der mich unwiderstehlich anzieht.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
- latho
- Beiträge: 550
- Registriert: 19 Feb 2026, 23:50
- Wohnort: Dollywood
- Has thanked: 81 times
- Been thanked: 78 times
Re: Rate your books 2026
Du alter Goth!salamandersalat hat geschrieben: 05 Sep 2026, 22:05 Das klingt sehr gut. Danke! Außerdem ist As I Lay Dying so ein krass evokativer Titel, der mich unwiderstehlich anzieht.
If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
- Grievous Angel
- Beiträge: 296
- Registriert: 12 Mär 2026, 01:46
- Wohnort: Wuthering Heights
- Has thanked: 46 times
- Been thanked: 110 times
Re: Rate your books 2026
Faulkner muss ich auch endlich mal lesen... Einer dieser Autoren, von denen ich zwar einige Film-Adaptionen gesehen habe, aber nie ein Buch gelesen. Vielleicht wird 2027 mein großes Literatur-Jahr. 
keep on sailing.
- kathisi
- Beiträge: 1001
- Registriert: 24 Feb 2026, 16:13
- Wohnort: Wittten
- Has thanked: 219 times
- Been thanked: 175 times
Re: Rate your books 2026
Ich muss das auch nochmal versuchen - bei meinen ersten Versuchen habe ich da keinen richtigen Zugang gefunden ("Die Freistatt") - das ist aber bestimmt 25 Jahre her...Grievous Angel hat geschrieben: 06 Sep 2026, 09:46 Faulkner muss ich auch endlich mal lesen... Einer dieser Autoren, von denen ich zwar einige Film-Adaptionen gesehen habe, aber nie ein Buch gelesen. Vielleicht wird 2027 mein großes Literatur-Jahr.![]()
Love Goes On!