Der letzte Film, den ich gesehen habe

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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Außerdem gesehen:



Willy's Wonderland (Regie: Kevin Lewis - USA, 2021) [Re-Watch] 7/10
Mom & Dad (Regie: Brian Taylor - USA/Großbritannien, 2017) [Re-Watch] 7,5/10
Gaia (Regie: Jaco Bouwer - Südafrika, 2021) [Re-Watch] 8/10
At First Light (Regie: Jason Stone - Kanada, 2018) 6,5/10
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Ich war in den letzen Wochen oft im Kino. Hier die letzten 6 Filme, in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe, im Schnelldurchlauf:

Nulpen (Sorina Gajewski, Deutschland, 2025)

Zwei ebenso desillusionierte wie freche Teenie-Mädchen („Die Welt ist im Arsch!“) treiben nach bestandenen Abitur auf der Suche nach einem entflogenem Kanarienvogel an einem Sommertag durch die Stadt. Dabei treffen sie auf verschiedenste Menschen, die sie mit ihrer oft ganz anderen Sicht der Dinge konfrontieren. Manchmal wirkt das etwas konstruiert. Das verzeihe ich aber gern, denn der Film lebt vor allem von seinen großartigen Hauptdarstellerinnen, den lebendigen, oft wie improvisiert wirkenden Dialogen und dem aufgewecktem kleinen Bruder einer der beiden Gören, der die beiden immer wieder herausfordert und antreibt. Ich vergebe schluffige **** ½

Obsession – Du sollst mich lieben (Curry Baker, USA, 2025)

Gehypter low budget Horrofilm. Horror steht eigentlich nicht auf meinem Speiseplan, aber die Neugier trieb mich ins Kino. Gehemmter Twen erreicht durch Zauberkraft, dass die von ihm heimlich Angebetete ihn „mehr liebt als alles andere auf der Welt“. Das Ergebnis ist ein obsessives, eifersüchtiges und besitzergreifendes Verhalten eben dieser Frau, so dass der Twen seine Entscheidung bereut und versucht, sie rückgängig zu machen. Der Film hat zwar einige unlogische Momente, ist aber durchgehend beklemmend, eskaliert beängstigend und hat ein paar brutale Schockmomente, die nur schwer zu ertragen sind. Einmal zuckte das gesamte Publikum sichtbar zusammen und ich schrie sogar einmal vor Schreck. Aber es gibt auch komische Momente. Nicht alle Kinobesucher standen diesen blutigen Horrorschocker bis zum Ende durch. Ich vergebe blutige ****.

The Piano Tuner (Daniel Roher, USA, 2025)

Junger, akustisch hypersensibler Klavierstimmer entdeckt sein Fähigkeit, Tresore mit mechanischen Schlössern zu öffnen. Zunächst ist das finanziell vorteilhaft – so kann er die Krankenhauskosten seines alten väterlichen Mentors bezahlen. Aber dann kommt es zum Konflikt mit seinen weniger altruistisch eingestellten Tresorknackerkomplizen und die Verhältnisse kippen. Und natürlich ist auch eine Frau mit im Spiel.

Da mischen sich Familiengeschichte, Liebesgeschichte und Thriller und nicht ganz nebenbei geht es auch um altmodisches Handwerk (Klaviere, Tresorschlösser, alte Uhren) und den Wert von menschlichen Beziehungen, Erinnerungen und um ethnische Identität. Im Zentrum steht am Ende eine alte Armbanduhr, die für die einen nur monetären Wert hat, für andere aber einen ganz anderen ideellen Wert.

Der Film changiert sehr schön zwischen den verschiedenen Genres. Wegen mir hätte man die Ebene mit dem Wert altmodischer Gegenstände und was sie an Bedeutung aufsaugen noch mehr betonen können. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Im Soundtrack etwas alter Klavierjazz. Kurzer Auftritt von Herbie Hancock. Handfeste **** ½.

Odyssee (Christopher Nolan, USA, 2026)

Mischung aus Sandalenfilm, Fantasy und Psychogramm des tragischen Helden Odysseus. Visuell beeindruckend, erschlägt aber zum Glück eigentlich nicht mit monumentalen Settings und spektakulären Tricks. Manchmal wirken die Abenteuer des Odysseus wie aneinandergereiht und sie treiben den Film nicht wirklich voran. Interessant wird es, wenn der Film örtlich und zeitlich hin- und herspringt, der durch Krieg und Gewalt offenbar traumatisierte Odysseus erkennbar wird und seine Versuche, wieder nach Hause zu kommen, als die Versuche erscheinen, wieder in ein normales, friedliches Leben zurückzukehren. Ich hätte mir gewünscht, dass dieses psychologische Thema noch etwas deutlicher herausgearbeitet worden wäre. Am Ende wird der bestehende Konflikt doch wieder durch Gewalt gelöst und die Suche nach Erlösung geht von vorne los. Ich vergebe etwas knappe antike ****.

Exit 8 (Genki Kawamura, Japan, 2025)

Ein Film der weit überwiegend in einer U-Bahn-Unterführung spielt, in der ein junger Mann wie in einer ewig wiederkehrenden Schlaufe gefangen ist und verzweifelt nach einem Ausgang sucht. Den wenigen Menschen, die er dort trifft, scheint es genauso zu gehen. Das Szenario beruht auf einem Computerspiel, wird aber ergänzt durch eine Art Rahmenhandlung, die den Mann überhaupt erst in diese Situation geraten lässt: Seine Ex ruft ihn in der U-Bahn an und erzählt ihm, dass sie von ihm schwanger sei und nicht weiß, was sie jetzt tun soll. Er weiß es natürlich auch nicht und damit beginnt der Kreislauf.

Verworren, beklemmend, absurd, manchmal auch abgründig komisch. Sehr beeindruckend, wie Genki Kawamura es schafft, mit reduzierten Mitteln einen fesselnden Film mit ganz eigener visuellen Ästhetik zu machen. Ge-loopte **** 1/2

Für immer 16 (Brezel Göring, Deutschland, 2026)

Der Film beruht auf einem unvollendeten Roman der Lebensgefährtin von Brezel Göring, Francoise Cactus, mit der er bis zu ihrem Tod 2021 die Band Stereo Total hatte. Drei Freunde/Freundinnen fahren nach langer Zeit gemeinsam nach Teneriffa (oder so ...), hängen da aber nur am zugemüllten Strand rum und streiten sich ständig. Eine der Figuren ist an die reale Francoise Cactus angelehnt. Irgendwann beschließen sie, einen Krimi zu drehen, auf Video, ohne Geld, ohne Drehbuch, ohne Team, aber mit jeder Menge Phantasie und Energie, mit grotesker Handlung, haarsträubenden Dialogen, billigen Tricks und albernen Kostümen und Musik von Stereo Total. Ein Film im Film also, gedreht auf Super 8, komplett nachsynchronisiert, wobei Bild und Ton konsequent knapp aneinander vorbeilaufen. Genialer Dilletantismus (sic!) in Perfektion.

Dass ist charmant und witzig und das Publikum hatte bei der Premiere im Kreuzberger Freiluftkino seinen Spaß. Ein Heimspiel sozusagen. Brezel Göring (bürgerlich: Hartmut Ziegler, Jahrgang 1967) sitzt vor der Aufführung beim Interview mit Baseballkappe, Trainingsjacke und schrill bunten Shorts auf der Bühne und erzählt lebhaft und anrührend von Francoise Cactus und der Entstehung des Films. Das ist Hommage an die Verstorbene, Nostalgie, wohl auch etwas Trauerarbeit.

Bei mir blieb ein kleiner Wermutstropfen: Ich kaufte 1986 das erste Album von Francoise Cactus’ Band Lolitas und sah die Band auch live. Francoise Cactus erlebte ich später noch gelegentlich mal. Das war immer lustig und ist lange her. Irgendwie beschwört der Film die alten Zeiten herauf und den Wunsch „für immer 16“ zu bleiben, so wie der Berufsjugendliche Brezel Göring. Ist das gut? Ist das schlecht? Ich dachte: „Für immer Punk?“ „It’s only Punk but I like it?“ und gleichzeitig „Time waits for no-one and it won’t wait for me - and you.“ Ich vergebe pubertär-verwirrte ****.
Zuletzt geändert von Friedrich am 29 Aug 2026, 16:52, insgesamt 3-mal geändert.
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Jan Lustiger
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Jan Lustiger »

@Friedrich Danke für die Beschreibung des Brezel-Göring-Films! Ich wusste, dass der existiert und mochte Stereo Total eigentlich immer ganz gerne und jetzt hab ich ein etwas präziseres Bild davon, was es mit dem Film auf sich hat. Ich tanze im Viereck! Vor Freude, versteht sich.
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Jan Lustiger hat geschrieben: 28 Aug 2026, 22:53 @Friedrich Danke für die Beschreibung des Brezel-Göring-Films! Ich wusste, dass der existiert und mochte Stereo Total eigentlich immer ganz gerne und jetzt hab ich ein etwas präziseres Bild davon, was es mit dem Film auf sich hat. Ich tanze im Viereck! Vor Freude, versteht sich.
Schau ihn Dir an! Er ist schon gut und macht Spaß.

Meine Vorbehalte kommen eher daher, dass ich diese ewige Berufsjugendlichkeit zwar reizvoll und sogar verführerisch finde, sie aber auch schon seit Jahrzehnten kenne und mit zunehmenden Alter auch zunehmend skeptisch betrachte. Irgendwie ist diese Ambivalenz sogar im Titel des Films und in seiner Nostalgie erkennbar. Die drei Freund/innen treffen sich ja auch erst nach langer Zeit wieder, sie sind durch gemeinsame Erlebnisse in der Vergangenheit miteinander verbunden, aber jetzt streiten sie sich nur noch und machen sich gegenseitig Vorwürfe. Vielleicht kann man auch da eine gewisse Skepsis herauslesen. Und gleichzeitig bleibt der Film in diesem "für immer 16"-Modus gefangen und ist hemmungslos albern.
Zuletzt geändert von Friedrich am 29 Aug 2026, 15:03, insgesamt 1-mal geändert.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

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Obsession – Du sollst mich lieben (Obsession, Curry Baker, USA, 2025)

Bear liebt Nikki, ist aber zu ängstlich, ihr seine Liebe zu gestehen. Eines Tages findet er in einem obskuren Laden eine One Wish Willow, der jedem, der ihn zerbricht, einen Wunsch erfüllt. Also wünscht Bear sich, dass Nikki ihn mehr liebe als alles andere auf der Welt. Erstaunlicherweise geht der Wunsch in Erfüllung, doch die alte Weisheit, dass man vorsichtig sein solle mit seinen Wünschen, bewahrheitet sich schon bald.
Der neben Backrooms der zweite große Horror-Hype des Jahres nutz das alte Prinzip von William Wymark Jacobs Affenpfote, also eines Gegenstandes, der zwar Wünsche erfüllt, aber diese stets so interpretiert, dass für alle Beteiligten große Probleme entstehen. Dieses Motiv wurde bereits häufig aufgegriffen, sei es in der Wischmaster-Reihe oder bei den Simpsons (Treehouse of Horror II), um nur zwei Beispiele zu nennen. Wobei im Netz teilweise heftig diskutiert wird, ob die One Wish Willow tatsächlich "böse" ist, oder ob Bears Wunsch in sich schon angelegt hatte, was ihm und Nikki widerfährt. Für mich ist das ganz klar. Erstens ist das, was Nikki nach dem Wunsch für Bear empfindet, keine Liebe, wie sie normalerweise verstanden wird, sondern eben eine Obsession, mitthin eine Zwangsvorstellung / - handlung. Das ist sicher nicht, was Bear wollte. Später im Film wünscht sich Ian, ein Freund Bears, eine Menge Geld, das dann sofort in seinem Zimmer von der Decke regnet. Da hier keine negativen Folgen zu sehen sind, glauben viele Zuschauer, die One Wish Willow sei eigentlich harmlos, doch das ist in meinen Augen zu kurz gedacht. Denn irgendwo muss das Geld ja herkommen. Entweder ist das Geld falsch, dann wird Ian in der Folge Probleme bekommen. Oder es gehörte zuvor jemand anderem. Dann hat der Wunsch böse Folgen für die alten Besitzer. So oder so, wer heute plötzlich eine Milliarde Dollar in Bar besitzt, wird in jedem Fall eine Menge Fragen beantworten müssen, ansonsten wird der Staat recht ungemütlich reagieren.
Dass dessen ungeachtet der Wunsch an sich natürlich in hohem Maße unethisch ist, bleibt freilich ein Fakt. Disneys Aladdin hatte deswegen sogar extra einen Schutzmechanismus eingebaut, die "Regel Nummer Zwei: Ich kann niemanden dazu bringen, sich in jemanden zu verlieben.” Warnungen hätte Bear also genug gehabt, er hätte ahnen können, dass sein Wunsch nicht nur moralisch fragwürdig, sondern sogar potentiell gefärlich ist. Beides wird ihm von vielen Filmfans stark angelastet, er wird dann als sehr negativer Charakter, ja als "der Böse" des Films dargestellt. Ich sehe das deutlich weniger strikt. Bear ist in seinem ganzen Wesen eher passiv, sowohl vor als auch nach dem Wunsch. Das hindert ihn erst, Nikki selbst aktiv zu umwerben, später kann er deswegen lange nichts gegen den Fluch unternehmen. Außerdem hindert ihn die Natur des Fluches daran, diesem entgegen zu wirken, sein Handlungsspielraum ist ab dem Moment, in dem er den Wunsch ausspricht, extrem eingeschränkt. Letztendlich aber wird er aktiv, und im Gegensatz zu Nikki zeigt er schließlich sogar echte Liebe und übernimmt Verantwortung. Er zahlt einen hohen Preis für einen Fehltritt, der sine ira et studio betrachtet keiner ist. Seien wir ehrlich, wenn wir in einem Kuriositäten- / Esoterikladen einen Wunscherfüller fänden, wir würden ihn vielleicht benutzen. Aber doch nicht in dem Glauben, dass unser Wunsch tatsächlich auf magische Weise erfüllt wird. So kann man sagen, dass Bear weder gewollt hat, was er bekommen hat, noch dass er es billigend ihn Kauf genommen hätte. Er ist einfach nicht böse, höchstens schwach. Als Feindbild woker Frauen taugt er in meinen Augen nur sehr eingeschränkt.
Neben wunderbaren Diskussionsgrundlagen für Interpretationen bietet der Film aber noch deutlich mehr. Gekostet hat er zwar nicht viel, aber das merkt man ihm kaum an. Obsession ist gut fotografiert, vor allem aber sehr, sehr stark besetzt. Inde Navarrette liefert als Nikki eine unglaubliche Performance (ich sage nur Restaurant!), die allein den Film schon sehenswert macht. In Kombination mit einer Geschichte, bei der zumindest ich nicht jede Wendung vorhergesehen habe,ergibt das einen Film, der seinem Hype völlig gerecht wird. Eine ganz klare Empfehlung von mir. 10/10 Rollen Duct-Tape
Friedrich hat geschrieben: 28 Aug 2026, 22:45 Obsession – Du sollst mich lieben (Curry Baker, USA, 2025)

Gehypter low budget Horrofilm. Horror steht eigentlich nicht auf meinem Speiseplan, aber die Neugier trieb mich ins Kino. Gehemmter Twen erreicht durch Zauberkraft, dass die von ihm heimlich Angebetete ihn „mehr liebt als alles andere auf der Welt“. Das Ergebnis ist ein obsessives, eifersüchtiges und besitzergreifendes Verhalten eben dieser Frau, so dass der Twen seine Entscheidung bereut und versucht, sie rückgängig zu machen. Der Film hat zwar einige unlogische Momente, ist aber durchgehend beklemmend, eskaliert beängstigend und hat ein paar brutale Schockmomente, die nur schwer zu ertragen sind. Einmal zuckte das gesamte Publikum sichtbar zusammen und ich schrie sogar einmal vor Schreck. Aber es gibt auch komische Momente. Nicht alle Kinobesucher standen diesen blutigen Horrorschocker bis zum Ende durch. Ich vergebe blutige ****.
Ich fand auch nicht alle Handlungsschritte beim Schauen sofort schlüssig, aber beim späteren Nachdenken waren diese Einwände alle irgendwann weg. Müsste aber den Film noch einmal sehen für ein endgültiges Urteil zur inneren Logik des Films. Ansonsten teile ich deine Eindrücke. Ich fand übrigens, ein guter Teil der Beklemmung, die der Film auslöst, hat ihren Grund in der enormen Fremdscham, die man beim Sehen empfindet. Interessanterweise genau wie die Komik in Obsession.
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NvF
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von NvF »

motörwolf hat geschrieben: 29 Aug 2026, 14:55 Bild

Obsession – Du sollst mich lieben (Obsession, Curry Baker, USA, 2025)

[...]
Für mich ist das ganz klar. Erstens ist das, was Nikki nach dem Wunsch für Bear empfindet, keine Liebe, wie sie normalerweise verstanden wird, sondern eben eine Obsession, mitthin eine Zwangsvorstellung / - handlung. Das ist sicher nicht, was Bear wollte.
[...]
Beides wird ihm von vielen Filmfans stark angelastet, er wird dann als sehr negativer Charakter, ja als "der Böse" des Films dargestellt. Ich sehe das deutlich weniger strikt. Bear ist in seinem ganzen Wesen eher passiv, sowohl vor als auch nach dem Wunsch. Das hindert ihn erst, Nikki selbst aktiv zu umwerben, später kann er deswegen lange nichts gegen den Fluch unternehmen. Außerdem hindert ihn die Natur des Fluches daran, diesem entgegen zu wirken, sein Handlungsspielraum ist ab dem Moment, in dem er den Wunsch ausspricht, extrem eingeschränkt. Letztendlich aber wird er aktiv, und im Gegensatz zu Nikki zeigt er schließlich sogar echte Liebe und übernimmt Verantwortung. Er zahlt einen hohen Preis für einen Fehltritt, der sine ira et studio betrachtet keiner ist.
[...]
Da kommt mir Bear deutlich zu positiv weg. Um nur zwei Beispiele zu nennen:
Er fängt völlig bedenkenlos eine Beziehung mit Nikki an, obwohl sofort klar ist, dass mit Nikki seit dem Wunsch irgendetwas ganz massiv nicht in Ordnung ist (und damit meine ich nicht die "Obsession", sondern die "Possession", pun intended) und wenn er dann beim Anruf bei der Hotline gefragt wird, ob er seinen Wunsch rückgängig machen will, antwortet er nicht mit "Ja", sondern mit einem klaren "Nein" und macht klar, dass es ihm nicht um Nikki geht, sondern nur darum, sein eigenes Unbehagen mit der Situation zu reduzieren - die echte Nikki möge gerne weiter in der Hölle schmoren, solange Fake-Nikki nur nicht mehr so anstrengend ist.


Insgesamt hat mit der Film hervorragend gefallen, insbesondere wegen der schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellerin.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

NvF hat geschrieben: 29 Aug 2026, 16:38
motörwolf hat geschrieben: 29 Aug 2026, 14:55 Bild

Obsession – Du sollst mich lieben (Obsession, Curry Baker, USA, 2025)

[...]
Für mich ist das ganz klar. Erstens ist das, was Nikki nach dem Wunsch für Bear empfindet, keine Liebe, wie sie normalerweise verstanden wird, sondern eben eine Obsession, mitthin eine Zwangsvorstellung / - handlung. Das ist sicher nicht, was Bear wollte.
[...]
Beides wird ihm von vielen Filmfans stark angelastet, er wird dann als sehr negativer Charakter, ja als "der Böse" des Films dargestellt. Ich sehe das deutlich weniger strikt. Bear ist in seinem ganzen Wesen eher passiv, sowohl vor als auch nach dem Wunsch. Das hindert ihn erst, Nikki selbst aktiv zu umwerben, später kann er deswegen lange nichts gegen den Fluch unternehmen. Außerdem hindert ihn die Natur des Fluches daran, diesem entgegen zu wirken, sein Handlungsspielraum ist ab dem Moment, in dem er den Wunsch ausspricht, extrem eingeschränkt. Letztendlich aber wird er aktiv, und im Gegensatz zu Nikki zeigt er schließlich sogar echte Liebe und übernimmt Verantwortung. Er zahlt einen hohen Preis für einen Fehltritt, der sine ira et studio betrachtet keiner ist.
[...]
Da kommt mir Bear deutlich zu positiv weg. Um nur zwei Beispiele zu nennen:
Er fängt völlig bedenkenlos eine Beziehung mit Nikki an, obwohl sofort klar ist, dass mit Nikki seit dem Wunsch irgendetwas ganz massiv nicht in Ordnung ist (und damit meine ich nicht die "Obsession", sondern die "Possession", pun intended) und wenn er dann beim Anruf bei der Hotline gefragt wird, ob er seinen Wunsch rückgängig machen will, antwortet er nicht mit "Ja", sondern mit einem klaren "Nein" und macht klar, dass es ihm nicht um Nikki geht, sondern nur darum, sein eigenes Unbehagen mit der Situation zu reduzieren - die echte Nikki möge gerne weiter in der Hölle schmoren, solange Fake-Nikki nur nicht mehr so anstrengend ist.


Insgesamt hat mit der Film hervorragend gefallen, insbesondere wegen der schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellerin.
Es ist eine ganze Weile her, dass ich den Film sah, aber gerade dein erster Einwand ist meiner Erinnerung nach falsch. Dem Zuschauer ist sofort klar, was Sache ist, Bear hingegen nicht (ginge uns wohl auch so, wenn wir völlig gegen jede Lebenserfahrung mit echter Magie konfrontiert würden). Und er wehrt sich z.B. zumindest halbherzig gegen den ersten Sex, wenn ich mich recht erinnere. Das macht sicher keinen Helden aus ihm, sondern eben genau das, was ich sagte. Einen schwachen Menschen. Kein Monster. Aber um das wirklich sicher behaupten zu können, müsste ich den Film noch einmal sehen.

Ich bin leider schon ziemlich im Verzug mit dem Schreiben hier. Man kommt ja zu nichts. Der nächste Film ist auch schon wieder über einen Monat her, und auch mit dieser kurzen Besprechung fehlen noch 14 Kinofilme.

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Kraken – Erwachen der Tiefe (Kraken, Pål Øie / Sjur Aarthun, N, 2026)
Im Umfeld einer Lachsfarm passieren ungewöhnliche Dinge, weswegen Umweltschützer auf den Plan treten. Denn diese vermuten einen Zusammenhang zwischen dem seltsamen Verhalten der Lachse und einer neuen Technik zur Schädlingsbekämpfung, die die Farm einsetzt. Die Meeresbiologin Johanne soll dem auf den Grund gehen. Gleichzeitig gibt es erste Tote. Schnell stellt sich heraus, dass die Farmbetreiber die Schalltechnik gegen Läuse missbrauchen, was den titelgebenden Kraken auf den Plan ruft.
Der Film wirkte auf mich die ganze Laufzeit über wie ein Fernsehfilm. Die Grundidee ist nicht besonders neu. Orca (Michael Anderson, 1977) zum Beispiel lässt grüßen. Trotzdem hätte man daraus sicher etwas machen können. Doch leider gelingt es dem Regieduo nicht, dem Skript etwas Leben einzuhauchen. Die Charaktere haben keine Tiefe und sind dem Zuschauer ziemlich egal, die Ökobotschaft ist so plakativ, dass sie fast völlig verpufft. Dazu kommt das fehlende Tempo. Das alles führt dazu, dass der Film schneller wieder vergessen ist, als er geschaut werden kann. Immerhin, hübsche Bilder von Fjordlandschaften git es zu sehen, das reicht dann für 4/10 Fangarme.
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NvF
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von NvF »

motörwolf hat geschrieben: 30 Aug 2026, 13:53
NvF hat geschrieben: 29 Aug 2026, 16:38
Da kommt mir Bear deutlich zu positiv weg. Um nur zwei Beispiele zu nennen:
Er fängt völlig bedenkenlos eine Beziehung mit Nikki an, obwohl sofort klar ist, dass mit Nikki seit dem Wunsch irgendetwas ganz massiv nicht in Ordnung ist (und damit meine ich nicht die "Obsession", sondern die "Possession", pun intended) und wenn er dann beim Anruf bei der Hotline gefragt wird, ob er seinen Wunsch rückgängig machen will, antwortet er nicht mit "Ja", sondern mit einem klaren "Nein" und macht klar, dass es ihm nicht um Nikki geht, sondern nur darum, sein eigenes Unbehagen mit der Situation zu reduzieren - die echte Nikki möge gerne weiter in der Hölle schmoren, solange Fake-Nikki nur nicht mehr so anstrengend ist.


Insgesamt hat mit der Film hervorragend gefallen, insbesondere wegen der schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellerin.
Es ist eine ganze Weile her, dass ich den Film sah, aber gerade dein erster Einwand ist meiner Erinnerung nach falsch. Dem Zuschauer ist sofort klar, was Sache ist, Bear hingegen nicht (ginge uns wohl auch so, wenn wir völlig gegen jede Lebenserfahrung mit echter Magie konfrontiert würden). Und er wehrt sich z.B. zumindest halbherzig gegen den ersten Sex, wenn ich mich recht erinnere. Das macht sicher keinen Helden aus ihm, sondern eben genau das, was ich sagte. Einen schwachen Menschen. Kein Monster. Aber um das wirklich sicher behaupten zu können, müsste ich den Film noch einmal sehen.
Bear ist mit Sicherheit auch schwach. Und möglicherweise hat er auch eine Weile gebraucht, um zu realisieren, was genau mit Nikki nicht stimmt und warum. Aber ihr Verhalten ist nach dem Wunsch von einem auf den anderen Moment extrem verändert. Das fällt ihm offensichtlich auch auf, er selbst verändert schließlich im Gegenzug sein Verhalten Nikki gegenüber, indem er eine "Beziehung" mit ihr eingeht, die sich über längere Zeit hinzieht. Allen anderen im gemeinsamen Freundeskreis fällt ja auch sofort auf, dass mit Nikki irgendwas nicht stimmt und sie thematisieren das Bear gegenüber mit entsprechenden Indizien. Und dass er das abwiegelt und Nikkis offensichtlich nicht intakte psychische Verfassung (Wunsch hin oder her) ausnutzt, um eine scheinbare "Beziehung" zur führen, ist das Problem an Bears verhalten, das über "Schwäche" deutlich hinausgeht. Spätestens
der Schrein mit der toten Katze
macht doch klar, dass Post-Wunsch-Nikki niemand ist, mit dem man eine Beziehung auf Augenhöhe führen kann, sondern jemand, den man betreuen muss, und der Hilfe braucht - und das passiert am allerersten Morgen (ich habe mir das gerade nochmal in einer Streaming-Version angesehen). Bis zur Bewertung "Monster" würde ich auch nicht gehen, aber zwischen "schwach" und "monströs" ist ja auch etwas Abstand auf der Skala.
Reality is that which, when you stop believing in it, doesn’t go away.
Reality denied comes back to haunt.
Philip K. Dick

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