Samstag:
V.A. - Ghana Soundz - Afro-Beat, Funk And Fusion In 70's Ghana (comp. 2002) **** 1/2
Schöner Sampler mit erstklassiger funkiger Musik aus Ghana. Sehr sehr empfehlenswert!
Orchestra Baobab - Specialist In All Styles (2002) ****
Legendäre senegalische Band, die die kubanischen Einflüsse auf die westafrikanischen Popmusik deutlich macht - eine fast kuriose Entwicklung angesichts der afrikanischen Wurzeln der kubanischen Musik. Musikalische Kreuzbefruchtung.
Das Album ist ein Comeback nach 15 Jahre Bandpause, inspiriert durch den Erfolg der Neuauflage der "Pirates Choice" Compilation mit Material aus Kassettenaufnahmen aus 1982 ein Jahr vorher und enthält weitgehend Neuaufnahmen alter Erfolgstitel. Entspannte Mischung aus Kuba-Sound, afrikanischen Wurzeln und einer Prise Reggae. Drum/Perkussion-Teppich, fließende Gitarre, Saxophon, schöne Mischung!
Youssou N'Dour - Ba Tay (2001) *** 1/2
Youssou N'Dour - Nothing's In Vain (Coono Du Réér) (2002) ****
Weiter aus dem Senegal mit Youssou N'Dour, der bei Orchestra Baobob als Produzent dabei war. Zwei Alben von ihm aus 2001 und 2002. eines eher afrikanisch ausgerichtet, eines für den internationalen Markt. Einen Spagat, mit dem er wohl der Kritik an der angeblichen Aufgabe seiner afrikanischen musikalischen Wurzeln und Anbiederung an den westlichen Musikgeschmack begegnen wollte,
Das Ergebnis sind zwei sehr unterschiedliche Alben, die für mich aber zusammengehören - fünf Titel teilt sich das Album nämlich mit dem 2002er Nachfolger, in grundsätzlich unterschiedlichen Versionen und teilweise unter anderen Titeln.
"Ba Tay" ist eine bandgetriebene Mbalax-Aufnahme, der treibende Rhythmus der Talking Drums ist nach vorn gemischt. Solide!
"Nothing's In Vain" ist sehr stark akustisch instrumentiert und unterstreicht seine stimmlichen Stärken aufs Feinste (hier ist die Stimme auch weit nach vorn gemischt). Dazu kommen ein einige starke Songs und auch die englischsprachigen Titel fallen diesmal nicht heraus. "Sakal Ko" und "So Many Men" sind stark.
Salif Keita - Mouffou (2002) **** 1/2
Die gigantische Stimme aus Mali auch mit einem akustisch dominierten Album. Ich hatte 2024 das Vergnügen, sowohl Youssou N'Dour als auch Salif Keita bei Konzerten live zu erleben. Gänsehaut!
Er packt ,mich mit den ersten Tönen im Opener "Yamore", wenn die Backgroundsängerinnen vor akustischen Gitarren den Refrain vorgeben und sich dann seine Stimme daraus erhebt. Wunderschöne Musik, die zu Entschleunigung und Entspannung einlädt, aber durch die Musikalität und das Können der Musiker nie zur Hintergrundbeschallung verkommt. Es wird dann auch nochmal rhythmisch etwas expressiver, ohne am Grundton des Albums viel zu ändern.
Lokua Kanza - Toyebi Te (2002) ***
Ganz anders kommt dagegen die Platte des kongolesischen Musikers daher - mehr Folk als afrikanischer Pop, mit Haken und Ösen, mal mit Kindergesang, mal mit Streichern und Melodien und Rhythmen, die oft Haken zu schlagen scheinen. Eine Platte, die offenbar Geduld belohnt, denn ich finde sie heute etwas besser, als ich sie in Erinnerung hatte. Und französisch gerappt wird am Ende auch noch.
Und nun wieder weiter mit Miles:
Miles Davis - Get Up With It (Columbia, comp. rel. 1974, rec. 1970 bis 1974) ****
Die nächste Compilation mit Outtakes und über 2 Stunden Spielzeit, wobei zwei Stücke die 30 Minuten-Marke knacken. Ich hatte ein Album in der Art von "Big Fun" in Erinnerung, tatsächlich haben die Tracks hier aber erheblich mehr Struktur und Biss - ich finde es auch funkiger als "On The Corner". Es geht mir zwar nicht so nah wie seine Alben und Liveaufnahmen mit den beiden Quintetts, aber das kann ich mir sehr gut und mit Spaß anhören, insbesondere die 1973 bzw. 1974er Tracks. Btw - Miles hier auch regelmäßig an der Orgel! Favoriten: "Maiysha" und "Calypso Frelimo".
Miles Davis - The Man With The Horn (Columbia, rel. und rec. 1981) ***
Jetzt mache ich einen kleinen Sprung über die drei eigentlich anstehenden Livealben und die "Circle In The Round"-Compilation, die während seiner Auszeit von Columbia auf den Markt geworfen wurden, denn ich bin neugierig auf das ewig nicht gehörte Comeback-Album. Es hat ja einige Nennungen in den Top 20-Listen, was sich so gar nicht mit meinen Hörerinnerungen deckt. Und ja, "Fat Time" und "Back Seat Betty" sind sehr gut, aber für mich kein Top 20-Material, wenn ich die schier unendliche Zahl der fantastischen Alternativen betrachte, die den eng gesetzten Cut nicht schaffen werden. Das ist hier schon alles ziemlich Mainstream. Gut gespielt, aber rockiger, funkiger Mainstream.
Miles Davis - We Want Miles (Columbia, rel. 1982, rec. 1981) ****
Das dazugehörige Livealbum - mit den gleichen Stärken und etwas weniger Schwächen! Die Arrangements klingen in der Liveversion nicht mehr ganz so clean wie auf dem Studioalbum, was ihnen aus meiner Sicht gut tut. Etwas spielerischer, grooviger.
Musikalisches Tagebuch
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Re: Musikalisches Tagebuch
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Re: Musikalisches Tagebuch
Sonntag:
Alicia Keys -Songs In a Minor (2001) ****
Das Debüt von ihr und das Debüt für Alicia Keys für mich - angeregt durch eine StoneFM-Sendung letztens. Schöne Produktion, schöne Stimme, meist gut eingesetzt. Vielleicht etwas zu glatt produziert für meinen Geschmack.
Sister Rosetta Tharpe - The Original Soul Sister (1938-1949) (comp. 2002) ***
Zwischen Gospel und früher Rock'n Roll-Gitarre - die alten Videos von ihr im Netz sind der Hit. Diese 4 CD- Billig-Compilation fängt viel von dem Charme ein. Wenn man erstmal die falsche Titelzuordnung im Package verstanden und für sich korrigiert hat.
Hank Williams - No More Darkness (comp. 2002) **** 1/2
Keine Ahnung, ob dies eine Empfehlung unter der Vielzahl der erhältlichen Hank-Williams Compilations ist. Für mich als eher skeptischer Countryhörer erfüllt sie ihren Zweck und mehr. Tolle Musik eines tollen Künstlers und Songwriters jenseits aller Genrezuordnungen. Einer der ganz Großen.
Zurück zu Miles und das erste bisher ausgelassene Livealbum aus den 70ern.
Miles Davis - Dark Magus (Columbia, rel. 1977, rec. 1974) ****
Das Livealbum von 1974 aus der Carnegie Hall in NYC führt gleich zwei neue Musiker ein, mit denen Davis und seine Band noch nie gespielt hatten - alle sind sofort raus aus ihrer Komfortzone. Und es geht irgendwie ohne große Einführung sofort zur Sache - das ist erstmal sperrig und beunruhigend, entwickelt aber tatsächlich fast sofort einen faszinierenden Sog, der nur selten nachlässt. Jazzrock? Jazzfunk? Was auch immer! Ich kenne nichts, was sonst noch so ähnlich klingt.
Miles Davis - Star People (Columbia, rel. und rec. 1982-1983) **** 1/2
Weiter mit dem zweiten Studioalbum nach der Pause. John Scofield hat seinen ersten Auftritt und Gil Evans ist im Hintergrund involviert. Auch ist es die letzte von Teo Macero produzierte Aufnahme. Hier ist es eine Mischung von live aufgenommenen Tracks und Studioaufnahmen. Und die Liveaufnahme des Openers hat auch einen guten, funkigen Drive und Miles Trompeter legt sich wunderbar darüber. Und der Rest ist kaum schwächer - das Zusammenspiel auf auf den Studioaufnahmen wirkt wieder homogener als auf den komplett montierten Aufnahmen. Ich kann allerdings kaum beurteilen, wieviel Eingriffe der Macero-Schere es hier tatsächlich gegeben hat. Aber man hört tatsächlich wieder ausgespielte Trompetensoli und klare Interaktion zwischen den Solisten. Nur die beiden etwas simpel gestrickten Stücke am Ende verhindern die Höchstwertung.
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Zuletzt geändert von kathisi am 31 Mai 2026, 20:30, insgesamt 2-mal geändert.
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