Der letzte Film, den ich gesehen habe

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salamandersalat
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Außerdem gesehen:

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Sand Sharks (Regie: Mark Atkins - USA, 2011) 4/10
One Last Dance (Regie: Max Makowski - Singapur, 2006) 7/10
The Up in Smoke Tour (Regie: Philip G. Atwell - USA, 2000) [Re-Watch] 8,5/10
CB4 (Regie: Tamra Davis - USA, 1993) [Re-Watch] 7,5/10

CB4, das This Is Spinal Tap der Gangsta Rap-Generation, durchschaut Musikbusiness, Unterhaltungsindustrie/Medien, Künstler, Fans und Politiker, hält jedem davon einen Spiegel vor und schmiert die Widersprüche dick aufs Brot. Manchmal etwas zu klamaukig, doch wie soll man ein ohnehin schon schwer theatralisches und operettenhaftes Musikgenre wie Gangsta Rap noch groß auf die Spitze treiben? Erstaunlicherweise wirken einige der Persiflierten mit, allen voran Mitglieder von NWA, die sich später entschlossen, die hier angerissenen Kritikpunkte zu ignorieren und an ihre eigene Legende zu glauben, welche durch F. Gary Gray als Hofberichterstatter mit Straight Outta Compton zementiert wurde. Dabei ist CB4 wahrscheinlich der deutlich wahrhaftigere Film. Leider kann man Stand-Up-Comedian Chris Rock kaum darstellerisches Talent bescheinigen, er wird eigentlich von allen anderen Beteiligten an die Wand gespielt, vor allem von Charlie Murphy in seiner Rolle als Gusto. Dafür glänzt der Soundtrack sowohl mit "echtem" Rap als auch mit ein paar Rap-Parodien (z.B. I'm Black!) für die Ewigkeit.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Vorhin im Kino: Infanzia, vocazione e prime esperienze di Giacomo Casanova, veneziano (IT 1969) - Luigi Comencinis Kindheits- und Jugendbiographie von Casanova (auf dessen Memoiren beruhend) ist wenigstens so sehr charmantes period piece wie Biographie. Venedig im 18. Jahrhundert und Italien in den Sechzigerjahren - natürlich mit einem Drehbuch von Suso Cecchi DʼAmico (gemeinsam mit Comencini) und drum derzeit hier zu sehen.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Gestern im Kino: Okiʼs Movie (Ok-hui-ui yeonghwa) (KR 2010) - und das ist jetzt vielleicht wirklich die erste kleine Enttäuschung in der Hong Sangsoo Reihe. Ein Episodenfilm um Oki, eine Studentin, die eine Affäre mit ihrem Professor sowie einem Kommilitonen an der Film-Hochschule hat. In den ersten drei Teilen werden zuerst das Umfeld, dann die Sichtweisen des älteren und des jüngeren Mannes dargestellt, bevor in der vierten Episode "Oki's Movie" als Film im Film zu sehen ist. Es gibt schwülstige Musik Elgar zu den Credits, wie vor jeder Episode laufen (obwohl die Leute immer dieselben sind) und die Anlage des Films ist super, auch der Shift, den Hong laut eines Zitats im Programmheft (Film at Lincoln Center, Mai 2022, klick) hier vornimmt, nämlich dass er von der Männer- in die Frauenperspektive wechselt, was bei späteren Filmen ja tatsächlich eher die Regel zu sein scheint (ich hab ja nur ein gutes Viertel seines Werks gesehen) ist natürlich alles andere als belanglos - und eigentlich ja eine echte Wohltat, angesichts all der Jammerlappen und Unsympathen, die seine Filme bevölkern. Aber eben: ich war etwas enttäuscht, weil mich der Film einfach nicht recht überzeugen konnte. Das hat, glaub ich, mit dem Pacing zu tun, das nicht annähernd so perfekt ist wie bei all den anderen, die ich in den letzten Wochen sah. Es kam mir vor, als liesse er sich an den falschen Stellen zu viel oder zu wenig Zeit. Und die erwartete "Auflösung" im Film im Film blieb dann auch eher trivial. Vermutlich hätte er aus dem Stoff besser eine Tetralogie gemacht, vier einstündige Filme vielleicht. So wird zu vieles nur gestreift, bleibt an der Oberfläche.

Andererseits, wo ich jetzt diese Gedanken formuliere und zu ergründen suche, warum mir der Film nicht recht gefiel*, drängt sich noch ein Gedanke auf, den ich wiederum äusserst reizvoll finde: die Auslassungen - z.B. beim Saufabend in der ersten Episode, wo es zwar eine kurze Konfrontation gibt, aber der ganze Aufbau dorthin fehlt, die wie ich vermute wahren Gerüchte um Korruption an der Uni nicht weiter verfolgt, die Figuren und Akteure nicht greifbar werden ... oder danach die Begegnung auf der Parkbank mit der Kamera ... oder ja, auch der Film im Film ... diese Auslassungen, könnte man vielleicht argumentieren, können mit Kenntnis von Hongs Werk auch einfach aufgefüllt werden vom Publikum, denn man weiss ja, wie die Saufgelage, die allmählich aufgebauten Konfrontationen mit ihren jeweiligen Gefühlsentladungen funktionieren, man weiss, wie Hong Begegnungen zwischen Menschen (ob sie sich nun lieben oder nicht, bleibt ja oft sehr im Ungewissen, auch wenn es manche recht greifbare - aber in der Regel sehr dilettantisch inszenierte - Sexszene gibt, hier glaub ich die späteste aus den mir jetzt bekannten Filmen) ablaufen, wie die Dialoge, die Pausen, die gemeinsamen Gänge durch die Stadt oder auch - seltener - in Naherholungsgebiete, Parks oder so (wie hier im Film im Film). Die Tetralogie kann man sich also quasi auch im Kopf auffüllen und die kurzen 81 Minuten (von denen man wohl wegen der multiplen Credits noch mindestens fünf abziehen kann) können so gesehen eben doch gut für sich stehen.

--
*) Drei von fünf lebendig verschluckten und in den Schnee rausgekotzten Oktopussen sind wohl schon drin, schlecht ist er nun wirklich nicht!
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »




Gestern Abend im Kino ein Double Feature zum Abschluss der Hong-Reihe - zwei ca. einstündige Filme mit einer kurzen Pause (als zwei reguläre Vorstellungen anberaumt). Den Auftakt machte der Episodenfilm Introduction (Inteurodeoksyeon) (KR 2021), gefolgt vom Poem in water (mul-an-e-seo) (KR 2023). Natürlich reflektiert Hong auch hier die künstlerische Arbeit. Im ersten Film gehen wir mit dem jungen Youngho durch drei Stationen: er besucht seinen getrennt lebenden Vater, einen Arzt, der gerade einen berühmter Schauspieler behandelt. Dann überrascht er seine Freundin - die beim Vater draussen eine Ewigkeit warten musste - in Berlin ("On the Beach at Night Alone" schielt kurz um die Ecke - nicht wegen der Stadt natürlich, ist ja Hamburg dort, aber wegen der Szenerie mit der einsamen Koreanerin, die in der Fremde lebt). In der dritten Episode ruft seine Mutter ihn irgendwohin ans Meer, wo sie gerade mit dem Schauspieler isst. Der Junge und sein Freund werden von diesem abgefüllt, nachdem sie ihm versprechen mussten, sich nicht zu betrinken, und dann wird Youngho auch noch beschimpft für seine jugendlich verklärten Vorstellungen über Beziehungen (er wollte keine Rolle mit Kuss-Szene annehmen wegen seiner Freundin, die ihn in der Zwischenzeit verlassen hatte). Das ist alles belanglos, aber um den Plot geht es bei Hong ja eh fast nie. Was ich aber interessant fand: das Fragmentarische von "Oki's Movie" ist hier wieder da - aber auf mich wirkte das alles sehr viel ausgegorener, als hätte Hong dafür jetzt eine Form gefunden. Der Film ist in Schwarzweiss, wirkt aber so, als seien die Bilder eigentlich farbig und später künstlich entsättigt worden.

"in water" ist dann ein Film, der zwar in Farbe gedreht wurde, aber nach der ersten einigermassen scharfen Einstellung nur noch unscharfe Bilder bietet. Ein junger Regisseur, sein befreundeter Helfer und eine ebenfalls befreundete Schauspielerin sind wieder irgendwo am Meer, um in ein paar Tagen einen Film zu drehen, über den der Regisseur noch keine Vorstellung hat. Sie gehen herum, der Regisseur auf der Suche nach Schauplätzen und Ideen. Die findet er dann auch und am Ende wird der Film gedreht. Dazwischen wird gegessen und über den Wind geredet. Und die Bilder zerfliessen fast wie impressionistische Gemälde, viele von ihnen sind tatsächlich sehr, sehr schön. (Witziges Detail: die koreanischen Credits im Abspann waren ebenfalls unscharf, die eingeblendeten Übersetzungen wie auch davor die Untertitel zum Glück - oder leider? - nicht.)

Auf jeden Fall eine schöne Entdeckung, das Werk dieses Hong Sangsoo!

Heute möchte ich noch einen letzten aus der Suso Cecchi d'Amico gucken ("La finestra sul Luna Park" von Comencini) und vielleicht an Auffahrt noch "Senso", danach beginnt das nächste Programm, das dann bis zur Sommerpause Anfang Juli läuft ... kommt mir dann noch Bologna dazwischen, aber ich hoffe, ein paar Filme von Edward Yang zu schaffen und ein wenig was aus der Themenreihe "Why Look at Animals?", in deren Kontext als Premiere auch der neue Herzog gezeigt wird, "Ghost Elephants".
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Talking Head
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Gegen Gebühr auf Prime:

Song Sung Blue (Craig Brewer, 2025)

Meine erste Freundin war großer Neil Diamond-Fan, mein bester Freund fand den Film hinreißend ... und meine Frau wollte ihn auch unbedingt sehen. Nun denn ... da musste ich wohl durch. Meine anfängliche Skepsis verflog im Nu, denn Hugh Jackman und Kate Hudson spielen in dem Film ein wirklich tolles Paar, welches musikalisch perfekt harmoniert, sich auch von größeren Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lässt ... und die Musik von Neil Diamond hinreißend performt.

Allen Männern, die noch zu einem bisschen Herzschmerz bereit sind, kann ich diesen Film gemeinsam mit ihren Frauen nur wärmstens ans Herz legen.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Auf Netflix:

Nyad (Elizabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin, 2023)

Mehr oder weniger eine Bio-Pic über die amerikanische Langstreckenschwimmerin Diana Nyad, die nach mehreren erfolglosen Versuchen (ihr erster bereits 1978! noch im Haifischkäfig) im Alter von 64!!! Jahren 2013 als erster Mensch ohne Haifischkäfig die Straße von Florida von Havanna auf Kuba nach Key West in Florida durchschwamm. Das sind ca. 173!!! km. Die Schwimmerin verbrachte dafür 53 Stunden im Wasser.

Der Film hat mich ziemlich beeindruckt, denn er zeigt aus meiner Sicht recht authentisch die Strapazen, die mit dieser Leistung verbunden waren. Und überhaupt ist es für mich sehr erstaunlich, dass ein Mensch in diesem Alter noch zu so großartigen Leistungen fähig ist.

Mit Annette Bening und Jodie Foster ist der Film darüber hinaus auch noch hervorragend besetzt.
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

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Spiders 3D (Regie: Tibor Takács - USA/Bulgarien, 2013) 4,5/10
Match Point (Regie: Woody Allen - USA/Großbritannien/Luxemburg, 2005) 7/10
Sometimes a Great Notion (Regie: Paul Newman - USA, 1971) 7,5/10
Prince of Jutland (Regie: Gabriel Axel - Dänemark/Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Niederlande, 1994) 5,5/10
Margrete den Første (Regie: Charlotte Sieling - Dänemark, 2021) 6,5/10
El bar (Regie: Álex de la Iglesia - Spanien/Argentinien, 2017) 6,5/10
Where the Buffalo Roam (Regie: Art Linson - USA, 1980) 7,5/10
Katalin Varga (Regie: Peter Strickland - Rumänien/Ungarn/Großbritannien, 2009) 8/10

Bill Murray gefiel sich selbst so gut in der Rolle von Hunter S. Thompson, dass er Ticks und Manierismen über längere Zeit nicht ablegte, als er nach dem Dreh von Where the Buffalo Roam wieder zum Ensemble von Saturday Night Live stieß. Moment mal...Bill Murray? Hatte nicht Johnny Depp...? Es existiert tatsächlich eine weitere und sehr viel frühere Adaption der Ereignisse um Thompson und seinen freundschaftlich verbundenen Anwalt und Spießgesellen Oscar "Zeta" Acosta als Fear and Loathing in Las Vegas. Art Linsons Film fokussiert sich nicht auf die Ereignisse in Las Vegas, sondern spannt den Bogen weiter und startet bereits im Jahr 1968, um die Geschichte der beiden kauzigen Unikate episodenhaft zu schildern´ - zum Beispiel auch Thompsons gonzojournalistische Begleitung von Richard Nixons Wahlkampf.
Deutlich weniger flamboyant und halluzinogen als Terry Gilliams Pandämonium, bleibt dank der starken Vorlagen von Hunter S. Thompson genug Wahn- und Wortwitz übrig, um eine hoch vergnügliche 100-minütige Sause zu garantieren, untermalt durch den Soundtrack Neil Youngs, angereichert mit den Hits der Zeit (Dylan, Hendrix, CCR, Temptations...ihr wisst schon).
Und weil viele Dia- und Monologpassagen 1 zu 1 aus Thompsons Artikeln und Büchern übernommen wurden, stimmt auch der restliche "Sound" von Where the Buffalo Roam.
Produktionsgeschichte und der Leumund der Kritik (zeitgenössisch als auch im Internet) lassen einen deutlich weniger gelungenen Film vermuten, als er sich mir dann schließlich präsentierte. Man muss es eben selbst gesehen haben: I hate to advocate drugs, alcohol, violence, or insanity to anyone, but they've always worked for me.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Gestern im Kino: La finestra sul Luna Park (IT/FR 1957) von Luigi Comencini - eine feinfühliges Familiendrama über einen Jungen aus Rom, der gleich zu Beginn seine Mutter verliert und den Vater, der als Arbeiter in Kenya sein Geld verdient, nicht kennt, sich stattdessen mit einem anderen Mann aus dem Umfeld angefreundet hat und im Lauf des Films akzeptieren muss, dass sich sein Leben ändern wird, weil der Vater beschliesst, da zu bleiben. Sehr berührend (na ja, die wie immer übelste Nachsynchronisation des Tons hilft natürlich nicht, aber nach 10 oder 15 Minuten überhör ich das jeweils ... war auch bei den drei Filmen mit Magnani neulich so - im einen sieht man ja noch, wie die am Set alle rumbrüllen, weil eben: Ton wird eh nachträglich drangepappt) - und auch ein politischer Film, denn das Schicksal der "lavoratori", die im Film mit pompösen Reden als Aushängeschild Italiens verabschiedet werden (wobei auch gut aufgepasst wird, dass nicht etwa einer sich davonstiehlt), in Wahrheit aber überall, sehr gerne auch hier in der Schweiz, als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, werden ebenso thematisiert wie das Schicksal der zurückgebliebenen Liebsten, die ihre Ehemänner nicht mehr kennen, deren Kinder sie aufziehen ... Comencini erzählt in einer langen Rückblende vom Schicksal der jungen Mutter mit ihrem kleinen Sohn, der an Keuchhusten erkrankt (der Freund bringt die beiden ans Meer und verliert - weil er sich krank gemeldet hat und auffliegt - seinen Job) und lieber auf dem Schrottplatz rumlungert als zur Schule zu gehen, weil er dort mit seinem Freund sein kann, der sich mit kleinsten Arbeiten über Wasser hält. Schön auch, wie Comencini die Slums neben den Neubausiedlungen ins Bild rückt - das gibt es stilisiert und ohne Slums, nur mit Brachen, ein paar Jahre später in "L'eclisse" wieder, und das gab es davor natürlich schon in einem der erwähnten Filme mit Magnani, "L'onorevole Angelina" von Luigi Zampa aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Zone 414 (Regie: Andrew Baird - USA/Irland, 2021) 7/10
Bullet (Regie: Nick Lyon - USA, 2014) 3,5/10
Phantom of the Paradise (Regie: Brian De Palma - USA, 1974) 9/10
Good Boy (Regie: Viljar Bøe - Norwegen, 2022) 6,5/10
Voci dal profondo (Regie: Lucio Fulci - Italien, 1991) 7/10
Le vourdalak (Regie: Adrien Beau - Frankreich, 2023) 7/10
Anemone (Regie: Ronan Day-Lewis - USA/Irland, 2025) 8,5/10
3:10 to Yuma (Regie: James Mangold - USA, 2007) 6,5/10
Der Goldene Nazivampir von Absam 2: Das Geheimnis von Schloß Kottlitz [Kurzfilm] (Regie: Lasse Nolte - Deutschland, 2007) 3,5/10
Die Handwerker Gottes [Kurzfilm] (Regie: Siegmar Warnecke - Deutschland, 2007) 3/10
Xuè Dī Zǐ - The Guillotines (Regie: Andrew Lau - Hongkong/China, 2012) 6/10
CHAPPiE (Regie: Neill Blomkamp - USA/Südafrika, 2015) 7,5/10

Brian De Palmas gemeinhin übersehenes Meisterwerk Phantom of the Paradise sollte in einem Atemzug mit The Rocky Horror Picture Show und This Is Spinal Tap genannt werden. Extrem stylishe und gallige Satire auf das Musikbusiness in durchgeknalltem Faust-Setting. Außerdem die erste große Rolle für Jessica Harper, die danach mit Woody Allen und Dario Argento drehte. An assassination live on television coast to coast? That's entertainment!
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Whistle (Corin Hardy, 2025)

Die Schülerin Chrys findet im Spind ihrer neuen Highschool eine seltsame Pfeife. Diese sieht zufällig ihr Lehrer Mr. Craven, der sie als aztekisch erkennt und ein paar Worte der Inschrift übersetzt, die bedrohlich klingen. Bald stellt sich heraus, dass wer den Ton der Pfeife hört, seinen eigenen Tod herbeilockt. Hintergrund ist, dass bei der Geburt eines Menschen auch sein Tod geboren wird, der solange nach einem sucht, wie man eben zu leben hat. Treffen Mensch und Tod aufeinander, stirbt der Mensch, und zwar so, wie es das Schicksal vorhergesehen hat. Dummerweise bläst jemand aus Chrys Clique in die Pfeife, so dass die ganze Gruppe nun irgendwie verhindern muss zu sterben.

Der Film hat mich zwiegespalten zurück gelassen. Einerseits sind da die tollen Effekte in den Todesszenen, die wirklich großen Spaß machen und die auch ziemlich originell sind. Wann hat man schon einmal gesehen, wie ein schwerer Autounfall sich auf einen Körper auswirkt, ohne dass tatsächlich Autos involviert wären? Diese Szenen sind kreativ und bleiben bestimmt länger in Erinnerung. Der Rest des Films ist da schon problematischer. Der Cast ist noch ganz nett, aber herausragend ist da niemand. Immerhin, so nervig wie viele andere Figuren in Teenie-Horrorfilmen sind die Charaktere hier nicht. Es bleibt aber auch wenig im Gedächtnis zu den Figuren, am ehesten vielleicht noch die lesbische Beziehung der Hauptfigur. Aber auch das nur, weil dieser Handlungsstrang etwas aufgepfropft wirkt. Richtig übel aufgestoßen ist mir aber die Faulheit des Drehbuchschreibers. Ein Beispiel ist der Lehrer Mr. Craven. Dieser unterrichtet eine Highschool-Klasse, kann jedoch, obwohl "sein Studium schon ein paar Jahre zurückliegt", Teile der aztekischen Inschrift auf der Pfeife aus dem Stehgreif übersetzen. Kann natürlich sein, dass er zufällig Experte zu dem Thema ist, glaubwürdig ist es nicht. Und so geht es weiter. Fachliteratur zu aztekischen Mythen ist völlig selbstverständlich vorhanden, selbst offenbar uralte Originale sind für die Kids problemlos zu besorgen und werden dann am Pool ausgewertet. Ich meine, dass die Ghostbusters eine entsprechende Büchersammlung haben, geschenkt. Aber irgendeine Provinzhighschool in Amerika? Da hätte das lokale School Board doch längst aufgeräumt, wenn jemals solche Bücher dort gestanden hätten. Ebenso faul ist der Weg, auf dem die Protagonisten hinter das Geheimnis der Pfeife kommen: Sie finden die Mutter des Vorbesitzers, die ihnen alles erklärt. Diese Szene ließ mich laut auflachen, so schlecht ist sie geschrieben. Da kommt die Teenagergruppe zu einem Haus, klingelt und geht einfach hinein, als niemand öffnet. Minutenlang latschen sie durch das Haus, rufen immer wieder nach der Besitzerin. Diese meldet sich erst gar nicht, dann erscheint sie urplötzlich und beginnt einen erklärenden Monolog, ohne dass überhaupt jemand etwas gefragt hätte. Ich weiß, dass solche Dinge in jedem zweiten Horrorfilm passieren, aber hier hat es mich extrem gestört. Gottlob kommen die guten Sequenzen alle in der zweiten Filmhälfte und überlagern so ein wenig den Ärger, den ich teilweise in der ersten Hälfte verspürt habe, so dass am Ende versöhnlich 5,5/10 Sunden Nachsitzen bleiben.