

Das Big-Band Segment umfasst die knapp eineinhalb Stunden - den Schluss von CD 10 und die ganze CD 11 der Mosaic-Box, und beginnt mit einem einzelnen Stück von Will Osborne and His Orchestra, "When the Gooses Come Back to Massachussetts", aufgenommen im Februar 1946 in Los Angeles. Der Solist ist Red Nichols, der am Kornett glänzt (ein ausstehendes Hörprojekt von mir, seine Aufnahmen zu vertiefen). In der Band finden sich sonst wenige Namen, die mir bekannt sind, eigentlich nur Matty Matlock, einer der Saxophonisten, und der Bassist Jack Ryan. Osborne startete als Schlagzeuger, wurde dann aber zum Crooner - und Gesang (von Eileen Wilson allein und im Duett mit dem Leader) wird der Grund sein, warum die weiteren Titel der Session weggelassen wurden. Osborne leitete inn den Dreissigern auch eine Sweet-Band, die zum Tanz in den grossen Ballsälen und Hotels im ganzen Land aufspielte, und leitete auch die Band einer NBC-Radio-Show.
Deutlich prominenter - zumindest für Jazzfans - geht es dann mit den zwei Sessions weiter, die Gerald Wilson and His Orchestra für Black & White gemacht haben. Verantwortlich im Studio war beide Male Norman Granz. In der Band lesen wir diverse klingende Namen. Bei der ersten Session im Februar 1946 sind das z.B. Snooky Young, Hobart Dotson, Melba Liston, Eddie Davis (nicht Lockjaw, der andere), Maurice SImon oder Jimmy Bunn. Bei der zweiten Session vom September 1946 sind die ausser Young und Bunn auch dabei, zudem Al Killian (statt Young) und dazu auch noch Vic Dickenson, Henry Coker, Irving Ashby und Red Callender. Wilson leitete von 1945 bis zu seinem Tod 2014 eine Big Band. Davor hatte er in der Band von Lunceford Sy Oliver abgelöst. Leider gibt es im Text von Vera/Wenzel keine Solisten-IDs, aber da hilft Anatol Schenker, der die Liners zu den beiden Classics-CDs von Wilson (1945-1946 mit der ersten, 1946-1954 mit der zweiten B&W-Session) schrieb. Die erste Session öffnet mit "Cruisin' with Cab" (comp./arr. Wilson) - Bunn am Piano im Wechsel mit dem Blech, dann ein Sax-Tutti, wieder mit Einwürfen vom Blech. Eddie Davis - mit dem etwas eleganteren Ton als Kollege Vernon Slater - spielt das ziemlich gute Solo am Tenorsax, danach, die hohe Trompete stammt dann von Snooky Young (nicht wie Vera/Wenzel schreiben von Killian, der gar nicht dabei ist) und nach Bunn kriegen wir noch kurz das Altsax von Gus Evans. Weiter geht es mit Wilsons Arrangement des Basie-Klassikers "One O'Clock Jump". Bunn spielt das erste Solo mit stark synkopischer Phrasierung, dahinter hört man die Rhythmusgitarre von Buddy Harper. Das Tenorsax ist dann das von Slater, erkennbar am etwas rauheren Ton und den mehr in Richtung R&B-gehenden Strategien (Triller, lange Töne und sowas). Danach ist Melba Liston kurz an der Posaune zu hören und erneut Snooky Young, der in die Höhe geht und das ist immer - immer! - geschmackvoll bei ihm. Danach setzt das Stück mit Bunn quasi neu an, bevor die Bläser nochmal durch das Thema riffen. Ein sehr gutes Arrangement. Von Melba Liston (comp./arr.) stammt dann "Warm Mood", in dem der Lead-Altsaxer Floyd Turnham das Thema spielt - in der Linie von Johnny Hodges und Willie Smith, dem vormaligen Kollegen von WIlson in der Band von Lunceford. Bunn spielt ein feines kurzes Intermezzo, begleitet nur von der Rhythmusgruppe (Bob Rudd-b und Henry Tucker Green-d). Die Session endet mit "Pammy" von Ralph Bledsoe (comp./arr.), der in der Posaunensection sitzt - ein charmantes Riff-Stück, in dem die eh hervorragende Trompten-Section nochmal glänzen darf.
Die zweite Session ist ganz von Wilson arrangiert und beginnt mit seinem "Et-ta" (Wilson - in der 78discoraphy heisst das Stück "Eb-la", bei Discogs fehlen die beiden Platten der zweiten Session, B&W 813 und 814) - ich tippe auf Davis am Tenorsax (Schenker hilft hier leider nicht mehr). In "Pensive Melody" (Wilson) geht es gemütlicher zur und her, wie der Titel erahnen lässt - und das Arrangement ist ziemlich gut. Schde ist das nicht in Hi-Fi-Qualität zu hören mit den sich verschränkenden Linien, der Trompete, der starken Barisax (Simon) und der guten Rhythmusgruppe. Am Ende ist am Altsax wohl wieder Turnham zu hören ist. Für die zwei folgenden Stücke schreibt Schenker, sie seien von Wilson und Melba Liston zusammen komponiert worden, Mosaic sagt aber, "The Saint" sei von WIlson/Snooky Young (Classics sagt in der Trackliste Wilson-Younge-Listen - keine Ahnung, ob der mittlere Name Snooky Young mit Tippfehler sein soll) und "The Moors" wieder nur von Wilson (Classics gibt in der Trackliste nur Liston an). In "The Saint" kriegen wir wieder ein Altsax - hier dann ziemlich sicher Evans, danach gibt es ein Bass-Solo mit Bläser-Begleitung - eine feine Idee. Wilson war als Arrangeur schon zu dieser frühen Zeit exzellent. "The Moors" ist wieder eine Mood-Nummer mit einer offenen und einer gestopften Trompete (Killian und Dotson? Wilson spielt anscheinend selbst nur bei der ersten Session im Satz mit). Das Arrangement ist wieder super, es folgt eine sehr besondere Sax-Passage mit einem mysteriösen Alt und einem grundierenden Bari in der Tiefe, dann ein zurückhaltendes Solo am Tenor (Davis wohl). Beide Sessions Höhepunkte der ganzen Box, keine Frage - aber auch keine Überraschung, weil ich sie seit längerem kenne.
Und mehr schaffe ich heute auch nicht mehr - auch weil ich die Wilson Tracks teils doppelt und dreifach hören musste, so gut, wie sie sind.









