Ich höre gerade ... Jazz

soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

lotterlotta hat geschrieben: 30 Apr 2026, 14:35
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kannaste4-out of self and into others, april 2025
jussi kannaste, tenor saxophone
tomi nikku, trumpet
petter eldh, double bass
joonas riippa, drums
Ziemlich tolle Cover Art ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)
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hurley
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von hurley »

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The John Cameron Quartet- Off Centre
It Is The Time Of Great Confusion
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atom
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von atom »

atom hat geschrieben: 26 Apr 2026, 22:36

MILES DAVIS - In Person Friday And Saturday Nights At The Blackhawk, Complete (1961/2003)
Jahrezehntelang hatte ich nur die einzelnen LPs, jetzt habe ich mir endlich mal die Complete-Edition besorgt - eine meiner wenigen Miles-Lücken, die noch zu schließen waren. Das ist schon ein enorm reizvolles Gesamt-Dokument.
Heute nochmal intensiv die drei Sets vom Freitag gehört, vor allem das vierzehnminütige Walkin', das vorher unveröffentlicht war ist so atemberaubend gut.
serenity now!
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Friedrich »

vorgarten hat geschrieben: 29 Apr 2026, 18:51
Friedrich hat geschrieben: 29 Apr 2026, 15:01
(...)

Ich habe mal in meiner alten Ausgabe von Behrendts Jazzbuch (2005) gestöbert: Da wird immerhin einiges über die No Wave / Noise Music (sic!) geschrieben und John Lurie einmal erwähnt. Als typisch für die frühen 80er sehen Behrendt bzw. Co-Autor Huesmann ein postmodernes anything goes, in dem Traditionalisten, Eklektizisten und Modernisten aller couleur gleichermaßen ihren Platz finden. John Zorn (*1953) wird übrigens ausführlicher behandelt. Der lief erst Mitte der 80er zu großer Form auf. Beim LL-Debut hörte ich aber auch schon etwas, das JZ zur Kunstform entwickelte, das Collageprinzip, die „Schnitttechnik“, überhaupt die Neigung, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.
mit der schnitttechnik waren sie ja bei macero in guten händen... was deinen punkt angeht, dass es ende der 70er, anfang der 80er viele parallele entwicklungen gab, hast du sicherlich recht. wenn man sich allein das berliner-jazzfest-programm von 1981 ansieht, gibt es neben den lounge lizards (mit rosen statt lindsay) erstaunlich viele spannende bands mit frischen konzepten, die mit mainstream oder loft kaum was zu tun hatten: james 'blood' ulmer natürlich (1980-83 war er am populärsten), material (lassell, sharrock, billy bang) und defunkt (mit den frühen m-base-leuten kim clarke und kelvyn bell, außerdem vernon reid), alles quasi schon labor für m-base, downtown-szene und black-rock-coalition, zwischen denen es später auch viele überschneidungen gab.

ich mag das lizards-debüt sehr gerne, vor allem wegen der störgitarre, aber auch evan lurie habe ich als musiker immer sehr ernst genommen.
"Schnitttechnk" war etwas ungenau ausgedrückt. Ich denke, Teo Macero hat bei den Loungs Lizards keineswegs die Rasierklinge angelegt oder copy & paste angewendet wie er es bei Miles Davis in den 70ern gemacht hat. Die LL scheinen alles so gespielt zu haben, wie es veröffentlicht wurde. Aber die Musik ist teilweise aufgebaut wie bei einem Film, mit "Szenen", wechselnden "Einstellungen", "Schnitt", "Gegenschnitt", sie läuft parallel zu einem - hier imaginären - dramatischen Geschehen auf der Leinwand usw. Bei diesem Stück ist das ganz ausgeprägt. Die erste Minute reicht als Beispiel schon:



Das erinnert an Filmusik zu Cartoons wie z.B. das hier (Hell's Bells)

Von John Zorn gibt es - glaube ich - sogar ein Stück mit dem Titel Krazy Kat , von Bill Frisell eins mit Titel Cartoon. Der hat ja sogar Filmusiken zu Stummfilmen von Buster Keaton gemacht.

Die These, dass Anfang der 80er im Jazz ein anything goes herrschte, habe ich bei Behrendt / Huesmann abgeschrieben. Das Programm des Jazzfests 1981 scheint das zumindest zu belegen. McCoy Tyner, Material, Charlie Parker-Weggefährte Red Rodney, James "Blood" Ulmer, Defunkt, Marian McPartland und die Lounge Lizards auf der gleichen musikalischen Speisekarte: Da hätte man doch seinen Spaß haben können!

Freut mich, dass Dir das Lounge Lizards-Debut gefällt!
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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jimmydean
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von jimmydean »

Friedrich hat geschrieben: 28 Apr 2026, 23:13 Letztes Wochenende auf dem Flohmarkt gefunden. Cover hat einen kleinen Lackschaden, die Innenhülle stammt von einem Laurie Anderson-Album aber das Vinyl ist picobello. Und zu dem geforderten Preis kriege ich sonst nicht mal eine Currywurst mit Pommes. Zugegriffen.


The Lounge Lizards (1981)

Ich frage mich, was eigentlich stärker im kollektiven Gedächtnis verankert ist – die Musik der Lounge Lizards oder das Image der Lounge Lizards? Plattencover im Retrostyle, schwarz-weiß Foto, Haartollen, Anzüge, schmale Schlipse, die Art Deco-Uhr auf dem Klavier: Da hat man eigentlich eher die Vorstellung einer ebenso nostalgischen Musik. Bebop oder früher Cool Jazz. Sowas wie Charlie Hadens Quartet West.

Aber wenn man sich die Platte mal anhört - also wirklich anhört – hört man zwar durchaus Retro-Einflüsse. Thelonious Monk (von dem hier zwei Kompositionen gespielt werden), Charles Mingus, vielleicht Ornette Coleman und Dave Brubeck, Soundtracks zu Film Noir haben hier zwar Spuren hinterlassen. Aber die Lounge Lizards kommen eigentlich nicht aus der Jazzszene, sondern aus der Lower East Side, wo in den späten 70er/frühen 80ern Punk und New Wave und diverse andere subkulturelle Avantgarden florierten. Die Lounge Lizards vermischen das alles miteinander und komprimieren es. Es gibt die Raffinesse und Coolness des Jazz, natürlich auch die hipness einerseits, und die Aggressivität und Trotzigkeit des Punk andererseits. Kurze knappe Stücke mit prägnanten Themen auf dem Sax, dramatische Kompositionen, halsbrecherische Tempowechsel, Piano und elektrische Orgel, E-Bass, crazy rhythms von Anton Fier und Arto Lindsay schrubbt mit seiner genial-dilettantischen kratzbürstigen Gitarre immer wieder dazwischen. Manchmal scheint die Musik zu zersplittern – bevor sie sich doch wieder fängt. Das swingt nicht durchgehend, das hat keine Songstrukturen, das baut Spannung auch ganz anders auf, eher wie ein Film mit spektakulären Kamerafahrten und harten Schnitten. Das hat Stil, Witz, Frechheit, Spannung und klingt manchmal auch tongue-in-cheek. In meinen Augen und Ohren eine tolle Platte – sowohl was Image als auch Musik betrifft.


Produziert hat kein geringerer als Teo Macero, der um die gleiche Zeit auch Miles Davis’ Comeback Album The Man With The Horn aufnahm. Das ist aber eine völlig andere Sache.
wie immer sehr schöne review... ist auch in meinen top 100 jazz alben, und war einer der wege zum jazz für mich ende der achtziger, neben den impulse-reissues... die frage ist halt ob das nicht schon etwas zu durchkomponiert ist, um in die jazz-schublade zu passen, aber das ist ja bei gil evans z.b. nicht viel anders
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

jimmydean hat geschrieben: 01 Mai 2026, 08:15 die frage ist halt ob das nicht schon etwas zu durchkomponiert ist, um in die jazz-schublade zu passen
kunsthochschuljazz halt ;)

bei john lurie ging das ja später in eine ganz andere richtung, weg vom auskomponierten, hin zu langen improvisationen über rhythmisch stabilen pattern. aber man merkt auch beim lizards-debüt schon, dass das sax eigentlich da raus will (was aber ja auch ein schöner effekt ist).
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Thokei »

Arve Henriksen/Trygve Seim/Anders Jormin/Markku Ounaskari - Arcanum
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Albert Ayler - Ghosts

Bin endlich dabei die Ayler Biografie von Richard Koloda fertigzulesen...
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Albert Ayler - Spirits Rejoice

Die Band mit Ayler, seinem Bruder Donald an der Trompete und Charles Tyler am Alt... Donald Ayler merkt in der Biografie an, das Album sei deshalb so misslungen, weil Tyler der Idiot für Albert und Donald Heroin besorgt hatte, obwohl sie Kokain bestellt hatten... Wenn man's nicht weiss, klingt es eigentlich als wär es so geplant gewesen...
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »



eliana glass, e (2025)

kam vor genau einem jahr heraus, davon habe ich damals nichts mitbekommen, jetzt war einen neue veröffentlichung mit demo-versionen ein bandcamp-tipp für mich. so zwischen vokaljazz und singing/songwriting, muss man schauen, wie sich das entwickelt, hat toll momente, vor allem stimmlich. gute version von carla bleys "sing me softly of the blues", das ist natürlich auch eine karin-krog-hommage.