Zuletzt gesehen:
The Mutations (Regie: Jack Cardiff - Großbritannien/USA, 1974) 6,5/10
The Wrong Man (Regie: Alfred Hitchcock - USA, 1956) 6/10
The Falls (Regie: Peter Greenaway - Großbritannien, 1980) 9/10
Shank (Regie: Mo Ali - Großbritannien, 2010) 4/10
O Despertar da Besta (Regie: José Mojica Marins - Brasilien, 1970) [Re-Watch] 7,5/10
Flux Gourmet (Regie: Peter Strickland - Großbritannien/USA/Ungarn, 2022) 9/10
Blank Narcissus: Passion of the Swamp [Kurzfilm] (Regie: Peter Strickland - Großbritannien, 2022) 8,5/10
Vordergründig in Ton und Stil einer erzseriösen BBC-Dokumentation gehalten, zelebriert Peter Greenaway seine Vorliebe für Katalogisierungen und Aufzählungen, um eine fiktive europäische Katastrophe nachzuzeichnen, die eng mit der Welt der Vögel und des Flugs verzahnt scheint. Er erforscht Ursachen, stellt Auswirkungen dar, laviert sich aber stets um das sogenannte VUE (Violent Unknown Event), um das eigentliche Unglück herum. Tatsächlich stehen die Beziehungen zwischen Menschen und Vögeln im Mittelpunkt, flankiert von Betrachtungen über Sprache, Anatomie, Krankheitssymptome und den reichen Schatz an Vogel- und Flugmotiven in Kunst und Kultur.
Im Laufe des Films werden "Fakten" mehrfach revidiert, unzuverlässige Statements konterkariert und schon in den ersten Sekunden wird dem Zuschauer klar, dass dies alles nicht so ganz ernstgemeint zu sein scheint: Ein trockener, höchst absurder Humor zieht sich durch alle 92 Kurzbiographie-Vignetten, die Greenaway in über drei Stunden präsentiert. Aufgrund der Flut von Kommentaren, Interviews, Fotografien, Filmschnipseln, Musik und Geräuschen bleibt der Zuschauer erschöpft zurück. Kein Film, den man mal eben nebenher anschauen kann.
Die Musik von
The Falls steuert Langzeitkollaborateur Michael Nyman bei (eine seiner besten Arbeiten, der
Bird List Song ist ein unfassbarer Ohrwurm), unterstützt von Brian Eno, selbst ein kurzer Schnipsel Pink Floyd findet sein Plätzchen. Überhaupt: Schnipsel. Was hier in Bezug auf Anspielungen auf das eigentliche Thema in Bild und Ton untergebracht wird, grenzt an Wahnwitz (z.B. die offensichtlichen Fotografien und Plakate von Tippi Hedren und Edith Piaf). Wahrscheinlich findet man bei erneuter Sichtung immer weitere Details.
Bei all der Collagenwut, all den vielen geistreichen Witzeleien, schafft Greenaway es dann auch noch dem Ganzen einen mysteriös-bedrohlichen Unterton mitzugeben, der im Verlauf des Films mal mehr, mal weniger wahrzunehmen ist - plus im letzten Teil die eigene Kreativität und Arbeitsweise darzustellen und gleichzeitig auf die Schippe zu nehmen.
Birds in the hand of a maestro.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.