1966

Die Sechziger - die Dekade und Einzeljahrgänge
dogear
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1966

Beitrag von dogear »

"It was 60 years ago this year...."
Wenn Joe Boyd Recht hatte, dass sich 1966 die Welt im Wochenrhythmus veränderte, dann gibt es ja hier viel zu erzählen. Auf geht's.

Zuerst ein Buch, zu dem seit seinem Erscheinen immer wieder greife, trotz seiner 650 Seiten
Jon Savage: 1966 - The Year The Decade Exploded, London (Faber & Faber) 2015
Bei Savage dreht es sich zwar hauptsächlich um die musikalische Entwicklung des Jahres, er legt aber großen Wert auf den gesellschaftliche Kontext sowohl in England als auch in den USA: Protest gegen den Vietnamkrieg, Südstaatenrassismus Swingin' London, Mode, Teenagersprache und - kultur, LSD und vieles andere, was plötzlich in Bewegung kam.
Das Buch besteht aus 12 Essays, für jeden Monat einen, unter dem Titel eines bestimmten Songs und fokussiert auf ein bestimmtes Thema (z.B. März - The Ballad of The Green Berets - The Vietnam War in America). Die Monate Januar bis August sind unter unter der Überschrift "Beschleunigung" zusammengefasst; in Teil 2 betitelt mit "Explosion" stehen die Monate unter mehreren Aspekten (z.B. Dezember - My Mind's Eye - Dreams of Freedom, a prophetic Minority and the Return of Childhood)
Eine Diskographie und ein Index schließen sich an. Die Essays können auch einzeln mit Genuß gelesen werden. Empfehlenswert!
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Der Rock ist ein Gebrauchswert (Karl Marx)
dogear
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Re: 1966

Beitrag von dogear »

Ob das Zufall war?
Frank Schäfer: 1966 - Das Jahr, in dem die Welt ihr Bewusstsein erweiterte. Salzburg/Wien (Residenz Verlag) 2016
Dasselbe Jahr, ähnlicher Untertitel auch aufgebaut nach Monaten, die jeweils mit den Top-Titeln der Hitparade (D, UK, US) beginnen.
Doch da hören die Parallelen schon auf - collagenartige, nicht über drei Seiten lange Kurztexte, abwechslungsreich, gewürzt mit Bildzeitungsüberschriften (die einzige Konstante bis heute), vom Wal im Rhein, über das Tor bei der Fußballweltmeisterschaft, Raumpatrouille, Mildenberger vs. Cassius Clay, Ken Keseys Acid Tests bis zum neuen Wartburg 1000, nicht sehr in die Tiefe gehend, aber unterhaltsam. Man fühlt sich ständig wie aus Zeit gefallen.
Kurzweiliges Buch!
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Wopperdaler
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Re: 1966

Beitrag von Wopperdaler »

An Musik aus diesem Jahr kann ich mich überhaupt nicht erinnern, kein Wunder, ich war neun Jahre alt, was allerdings hängengeblieben ist, das ich Raumpatrouille Orion sehen durfte und natürlich das Endspiel der WM in England, wobei mein Vater und mein Opa beim Wembley Tor beinahe den Fernseher geschrottet hätten
Think I'll sit down and invent some fool - some Grand Court Jester
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latho
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Re: 1966

Beitrag von latho »

Beizeiten werde ich mal eine Liste zusammenstellen und nach Jahren geordnet, die Bücher aufführen, die das jeweils beschriebene Jahr für das Wichtigste in der Pop-Musik halten.
Mein Senf dazu: 1971 - Never A Dull Moment von Urgestein David Hepworth. Ist im übrigen kein schlechtes Buch
If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
dogear
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Re: 1966

Beitrag von dogear »

The Byrds - Fifth Dimension (Columbia 9349, Juli 1966)
Das dritte Album der Byrds - unter dem neuen Produzenten Allen Stanton statt Terry Melcher, der gerade mit Paul Revere and The Raiders die Hitparaden stürmte und minus Gene Clark, der im frühen Stadium der Aufnahmen ausstieg - ist zwar das bisher schwächste Album der Gruppe aber wandelte auch auf neuen Wegen.
Diesmal keine Dylan Covers auch der 12 String Rickenbaker Sound wurde zurückgefahren dafür geht's weiter zurück zu echten Traditionals ("Wild Mountain Thyme", "John Riley") mit Streicher Untermalung und aktuellen Coverversionen ("I came and stand at every door" - Judy Collins, "Hey Joe" - Love, The Leaves u.a.)
Zu den Byrds Originalen: "5D" mit Van Dyke Parks an den Keys wurde als Single kein Hit - zu verschieden vom bisherigen Sound - aber die Nachfolgesingle "Eight Miles High" - meiner Meinung nach ihr besten Stück - kam wieder in die Top 20, allerdings ausgebremst von dem Sendebann einiger Radiostationen die ihn für einen Drogensong hielten.
"I see you" (das "Yes" auf ihren Debütalbum toll coverten) und "What's Happening" sind typische qualitativ hochwertige Crosby Songs, das Instrumental "Captain Soul" ist schwach und '2-4-2 Fox Trot" mit seinen Soundeffekten völlig verunglückt.
Bei den Album fehlt Gene Clark hinten und vorn, auch hätte der Produzent die schwächsten Songs durch andere ersetzen sollen, die während der Sessions zum Album auch noch aufgenommen wurden (" Why", "I know my rider", "Psychodrama City") Die sind übrigens auf dem CD Reissue von 1996 zu finden.
Die LP kletterte immerhin auf Platz 24, aber bleibt ein mixed bag.



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Zuletzt geändert von dogear am 29 Mär 2026, 17:03, insgesamt 2-mal geändert.
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icculus
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Re: 1966

Beitrag von icculus »

dogear, Du bist wahrscheinlich ein ziemlich alter Sack.
Aber ich beneide dich. Du hast Naura und Schlüter live
gesehen.

Und ein alter Sack bin ich mittlerweiler wohl auch.
dogear
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Re: 1966

Beitrag von dogear »

The Rising Sons - Candy Man/The Devil's Got My Woman, Columbia 4-43535 (Februar 1966)
Besetzung:
Taj Mahal - voc, git, p
Ry Cooder - voc, git
Jesse Lee Kincaid - voc, git
Gary Marker - b
Kevin Kelley - dr

Nachdem die Gruppe 1965 zum Geheimtyp in der L.A. Clubszene avanciert war, bekam sie von Columbia einen Vertrag und wurde ihrem einzigen Produzenten unter 50 Terry Melcher (Byrds, Paul Revere and The Raiders) zugeteilt. Während die Byrds auf dem Folk-Rock-Ticket flogen, sollte die Rising Sons unter dem Label Blues-Rock punkten. So ging Melcher und die Band ins Studio, nahmen über ein Dutzend Stücke auf vorwiegend Tradionals, Blues Standards und ein paar Kincaid Songs.
Wie 1966 noch üblich drängte die Plattenfirma auf Singles und "Candy Man" von Rev. Gary Davis b/w "The Devil's Got My Woman" von Skip James wurden ausgewählt. Leider wurde die Single ein totaler Flop und Columbia ließ das Band fallen wie eine heiße Kartoffel.
Ry Cooder verdingte sich darauf als Sessionmusiker, Kelley trommelte später bei den Byrds, Kincaid spielte ein paar Singles auf Capitol ein und strich die Tantiemen für "She Sang Hymns Out Of Tune" ein, ein Song, der auch heute noch gecovert wird. Mahal startete eine erfolgreiche Solokarriere, die bis heute anhält (jüngstes Werk: Taj Mahal & Keb' Mo' - Room on the Porch 2025).
Die übrigen, sehr hörenswerten Songs der 65/66er Sessions blieben für 26(!!) Jahre im Archiv, ehe sie 1992 das Licht der Welt erblickten ( Rising Sons feat. Taj Mahal and Ry Cooder, Columbia 52828).


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Zuletzt geändert von dogear am 29 Mär 2026, 22:46, insgesamt 1-mal geändert.
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kathisi
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Re: 1966

Beitrag von kathisi »

dogear hat geschrieben: 05 Mär 2026, 23:17 "It was 60 years ago this year...."
Wenn Joe Boyd Recht hatte, dass sich 1966 die Welt im Wochenrhythmus veränderte, dann gibt es ja hier viel zu erzählen. Auf geht's.

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Jon Savage: 1966 - The Year The Decade Exploded, London (Faber & Faber) 2015
Bei Savage dreht es sich zwar hauptsächlich um die musikalische Entwicklung des Jahres, er legt aber großen Wert auf den gesellschaftliche Kontext sowohl in England als auch in den USA: Protest gegen den Vietnamkrieg, Südstaatenrassismus Swingin' London, Mode, Teenagersprache und - kultur, LSD und vieles andere, was plötzlich in Bewegung kam.
Das Buch besteht aus 12 Essays, für jeden Monat einen, unter dem Titel eines bestimmten Songs und fokussiert auf ein bestimmtes Thema (z.B. März - The Ballad of The Green Berets - The Vietnam War in America). Die Monate Januar bis August sind unter unter der Überschrift "Beschleunigung" zusammengefasst; in Teil 2 betitelt mit "Explosion" stehen die Monate unter mehreren Aspekten (z.B. Dezember - My Mind's Eye - Dreams of Freedom, a prophetic Minority and the Return of Childhood)
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Dazu gibt es dann auch den passenden, von Jon Savage kuratierten Sampler - daraus scheint inzwischen ein Reihe für die restlichen Jahre der 60er geworden zu sein.
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Re: 1966

Beitrag von dogear »

kathisi hat geschrieben: 29 Mär 2026, 17:55
dogear hat geschrieben: 05 Mär 2026, 23:17 "It was 60 years ago this year...."
Wenn Joe Boyd Recht hatte, dass sich 1966 die Welt im Wochenrhythmus veränderte, dann gibt es ja hier viel zu erzählen. Auf geht's.

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Jon Savage: 1966 - The Year The Decade Exploded, London (Faber & Faber) 2015
Bei Savage dreht es sich zwar hauptsächlich um die musikalische Entwicklung des Jahres, er legt aber großen Wert auf den gesellschaftliche Kontext sowohl in England als auch in den USA: Protest gegen den Vietnamkrieg, Südstaatenrassismus Swingin' London, Mode, Teenagersprache und - kultur, LSD und vieles andere, was plötzlich in Bewegung kam.
Das Buch besteht aus 12 Essays, für jeden Monat einen, unter dem Titel eines bestimmten Songs und fokussiert auf ein bestimmtes Thema (z.B. März - The Ballad of The Green Berets - The Vietnam War in America). Die Monate Januar bis August sind unter unter der Überschrift "Beschleunigung" zusammengefasst; in Teil 2 betitelt mit "Explosion" stehen die Monate unter mehreren Aspekten (z.B. Dezember - My Mind's Eye - Dreams of Freedom, a prophetic Minority and the Return of Childhood)
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Dazu gibt es dann auch den passenden, von Jon Savage kuratierten Sampler - daraus scheint inzwischen ein Reihe für die restlichen Jahre der 60er geworden zu sein.
Sogar bis in die 90er. Gibt's alle bei JPC.
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Talking Head
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Re: 1966

Beitrag von Talking Head »

The Beach Boys – Pet Sounds * * * * *

Dieses wunderbare Album habe ich natürlich nicht 1966 kennen gelernt, sondern erst sehr spät. Sehr sehr spät, nämlich erst Ende der 90er. Aber besser spät als nie.

Fachleute bezeichnen es als das beste Album der Band. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Mir gefällt es insgesamt besser als alle Alben, die die Beatles je gemacht haben (und hoffe, dass ich für diese Aussage hier nicht virtuell gesteinigt werde).

Eigentlich stehe ich insgesamt betrachtet eher auf britische Musik, aber dieses Album zeichnet sich durch einen Sound aus, der besticht.

Bombast, der überzeugt und ein Chorgesang, der seinesgleichen sucht.

Da hat Brian Wilson wirklich etwas ganz großartiges und überwältigendes zusammengezaubert!

Eine Analyse der einzelnen Tracks dieses Albums halte ich für überflüssig.
Das Leben als Pensionär ist einfach nur geil!