Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Da ist ja in den letzten Tagen ordentlich was zusammengekommen im ungeliebten Heimkino, einige schöne Sachen zumal. Das werden so 2-3 Filme pro Tag sein oder?
gypsy tail wind hat geschrieben: 10 Aug 2026, 07:35 aber der grosse Chabrol-Fan war ich nie, werde ich wohl auch nie (ich mag die zwei frühen Nouvelle Vague-Filme, von den Klassikern sind "Les Noces rouges" und "Violette Nozière" meine alten Favoriten - aber da kenne ich längst nicht alle ... "La cérémonie" und "Merci pour le chocolat" mochte ich damals auch gerne).
Da bin ich Stand heute bei dir. Auf welche zwei frühen Nouvelle Vague-Filme beziehst du dich? Ich mag ja "Les Godelureaux" sehr gerne, vielleicht sogar am liebsten. Das muss ich mir irgendwann mal genauer ansehen.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Eher 1-5 pro Tag - ich hatte sturmfrei und guckte mich mal durch die angesammelten Aufnahmen (das letzte Drittel schaffte ich nicht), gestern rutschte noch eine amüsante Mini-Serie mit Léa Drucker rein, "Sous contrôle" (Regie: Erwan Le Duc), sechsmal dreissig hektische Minuten über eine MSF-Frau, die zur Aussen- (und dann Sport-) ministerin wird und eine Geiselbefreiung zu organisieren hat. Günter (der deutsche Amtskollege) kriegt ordentlich sein Fett weg ...

Das umfassende Programm ging auf Kosten eines konzentrierten Guckens ... hätte viel Ozu da gehabt (zu viel für einen Sommer), oder die Box mit den Filmen von Kinuyo Tanaka ... und mehr Lino Brocka hatte ich auch gucken wollen, damit hatte ich das Sommerprogramm eingeläutet.

Bei Chabrol meine ich die allerersten beiden Filme, "Le Beau Serge" und "Les Cousins" - die darauf folgenden kenne ich bisher allesamt nicht (die Episode aus "Les Sept péchés capitaux" ausgenommen, dann erst wieder "Les Biches"), es scheint sich da aber mehrheitlich bereits um Thriller zu handeln, was man bei den ersten zwei ja nicht sagen kann.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Wow, wie an anderer Stelle schon mal gesagt: cool, dass du das kannst. Drei Filme war bei mir einmal das höchste der Gefühle und da war ich beim dritten schon sehr unkonzentriert um es wirklich zu genießen. Habe in meinen 20ern zwar viel geschaut, aber eher konstant täglich, als viel auf einmal. Und da hatte ich schon öfter mit Migräne zu kämpfen, weil ich mir praktisch rund um die Ohr irgendwas um die Ohren und Augen geworfen habe. Seit ich es jetzt in meinen 30ern (zwangsläufig, das Leben verändert sich ja auch) ruhiger angehe, bin ich immerhin weitestgehend migränefrei. Aber hey, sturmfrei muss man schon mal ausnutzen. :D

Alles klar, dann empfehle ich dir hiermit offizielle noch das oben genannte "Les Godelureaux" - den hatte Godard einst auch als einen der sechs besten französischen Filme benannt (soweit gehe ich natürlich nicht).
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Grievous Angel hat geschrieben: 10 Aug 2026, 10:26 Alles klar, dann empfehle ich dir hiermit offizielle noch das oben genannte "Les Godelureaux" - den hatte Godard einst auch als einen der sechs besten französischen Filme benannt (soweit gehe ich natürlich nicht).
Danke, merke ich mir - mit wenig Hoffnung, denn Chabrol ist ja den Programmkinos eher nicht ganz gut genug ... eine Retro in den letzten Dreissig Jahren hier, glaub ich, und die Chancen für eine nächste sehe ich eher bei Null. Und wenn, kommen wohl wieder die bekannten 10-12 Filme (von denen ich glaub ich "Le Boucher" tatsächlich noch nicht kenne, den könnte ich dann immerhin nachholen).

Die Retro, die ich mitkriegte, war 2001, da sah ich abgesehen von den schon erwähnten älteren Filmen auch noch "Les phantomes du chapelier". "Les noces rouges" gab's später bei einer Piccoli-Reihe ein zweites Mal im Kino. Und von den späten hab ich wohl noch einen oder zwei mehr im Fernsehen gesehen ("La cérémonie" und "Merci pour le chocolat" im Kino - letzteren leider noch vor DCP, ich erinnere mich an den eiernden, leiernden Ton, der bei den ausführlichen Passagen mit Klaviermusik echt schmerzhaft war).
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

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Tibet-Propaganda war im Kino der 90er eine Zeit lang sehr angesagt, Jean-Jacques Annaud treibt dies auf die Spitze, indem er einen SS-Mann, gespielt von Brad Pitt, zur Identifikationsfigur macht. Gibt's eine solche Propaganda-Welle auch für Taiwan? Falls ja, habe ich sie bisher nicht wahrgenommen.
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

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Filme übers Filmemachen haben bei mir generell einen Stein im Brett, gerade wenn es um das italienische Genrekino der 1970er geht, noch dazu um Nachvertonung und Synchronisation desselben mit analoger Studiotechnik. Aus dem zugrundeliegenden, gleichnamigen Kurzfilm kann man nicht wirklich erahnen, welches Stylefest Peter Strickland auf Feature-Länge feiern wird: Er nutzt die Motive, Codes und Vibes des Giallo und des italienischen Horrorfilms, kombiniert dies mit Musik von Broadcast und Nurse with Wound, um in den Bildern eine Geschichte über ein scheiterndes Filmprojekt zu erzählen, auf der Tonspur hingegen einen Einblick in das fiktive Werk Il Vortice Equestre zu ermöglichen. Kurzzeitig flimmert sogar der Ausschnitt einer weiteren Doku-Arbeit des von Toby Jones gespielten Engineers über die Leinwand. Dies geschieht so detailverliebt, dass Strickland Genre-Ikone Suzy Kendall als special guest screamer engagierte.
Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen rettet sich Strickland nicht in eine schöne Retro-Welt, sondern weiß all dem einen eigenen Twist zu verpassen - aufgelöst im gleißenden und blendenden Licht des Projektors. Gibt es ein schöneres italienisches Wort als paura?
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Talking Head
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Talking Head »

Im Moment bei Netflix verfügbar:

Juror #2 (Clint Eastwood, 2024)

Eventuell die letzte Regiearbeit von Clint Eastwood, denn der ist ja nun auch schon gut 96!!! Jahre alt.

Der Film ist kein reines Remake des Originals Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men, Sidney Lumet, 1957), denn der Film ist kein reines Kammerspiel und lässt auch einen interessanten neuen Aspekt in die Geschichte einfließen. Dass sich Eastwood in vielen Aspekten aber sehr am Original orientiert hat, ist unverkennbar.

Ein insgesamt recht unterhaltsamer Gerichtsfilm, der aber nicht an das Original heranreicht.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Lumumba: La mort du prophète (DE/CH 1991) - gestern zum Auftakt der neuen Saison im Programmkino der erste Langfilm von Raoul Peck, ein grossartiger, sehr persönlich eingefärbter Essay über Patrice Lumumba. Peck war als Kind mit seinen Eltern von Haïti in den damaligen Congo gekommen, die Eltern gehörten zu den gebildeten Menschen, die nach dem Abgang der Belgier das Vakuum in der Verwaltung des jungen Staatswesens hätten füllen sollen - was bekanntlich schief ging, im Gegensatz zum Plan der Kolonialmächte, das Vakuum selbst zu füllen und im nun formal unabhängigen Staat die weiterhin die Fäden zu ziehen, mit Lumumbas Zögling Mobutu als nützlicher - und blutrünstiger - Marionette. Ich Pecks Film ist wohl wirklich schon die ganze Saat für sein Werk da: wie das Persönliche politisch wird (und umgekehrt), der nachdenklich-ironische Blick (die Off-Stimme sprach er gleich selbst ein), die Umkehr der Perspektive ("1877 zog Stanley los, um den Congo-Fluss zu entdecken, 1970 zogen wir los, um Europa zu entdecken" - dann ein Foto des halbwüchsigen Peck auf dem Champs-Élysées vor dem Arc de Triomphe). Heimvideos vermischen sich mit Archivaufnahmen (deren exorbitanter Preis auch gleich noch aus dem Off kommentiert wird), Fotos werden detailliert analysiert, Zeitzeugen befragt, die Tochter, dazwischen werden Alltagsaufnahmen aus Brüssel eingeflochten: Menschen in der Tram, in der grossen unterirdischen Passage beim Bahnhof, die (leeren) Prachtplätze der Kolonialhauptstadt, das Museum mit den ausgestopften wilden Tieren, die Gräber der Menschen, die nach der Weltausstellung nie mehr zurück in den Kongo durften, weil sie sonst ihren Mitmenschen hätten erzählen könne, wie es in Belgien wirklich aussieht und wie gross das Gefälle zur Kolonie ist ... umwerfend.

Als Vorfilm versuchte man es mit Leugt, einem kurzen Essay über Ronald Reagans Besuch in Berlin im Juli 1982, gedreht während Pecks Filmstudium in der Stadt. Auch hier wendet er schon verschiedene Kniffs an, beginnt mit Close-Up-Kamerafahrten über eine grosse Zeichnung von Gustave Doré, nützt den Schnitt, um die Phrasen Reagans zu entlarven, loopt und wiederholt gegen Ende eine der offensichtlichsten Lügen noch einmal ... aber leider lief da mit der Tonspur etwas nicht richtig (was genau verstand ich nicht, es war die Rede von einem IT-Problem, aber der Film wurde laut Programm als 16mm-Kopie gezeigt).

Und Marcy Goldberg war da, um eine kurze Einleitung zu machen, in der sie gewisse Charakteristika von Pecks Schaffen vorstellte und auch ein wenig was zum Film (und dem späteren Spielfilm, den ich letztes Jahr mal im Fernsehen sah) sagte (und auch Johan Grimonprez' grossartigen "Soundtrack to a Coup d'´état" kurz streifte).

Heute sehe ich dann auch endlich mal den Durchbruchsfilm von Peck, "I Am Not Your Negro" (ich kannte bisher neben dem Lumumba-Spielfilm nur "Ernest Cole - Photographer"). Und davor gibt's noch den Einstieg in die andere Retro, "The Blue Sky Maiden" von Yasuzo Masumura, von dem ich bisher auch gerade mal einen Film kenne ("Seisaku's Wife" aka "Seisaku no tsuma", der 2025 in Bologna zu sehen war).
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